Netzwerk aktivieren
Netzwerk aktivieren heißt, die eigenen Kontakte nach Gleichgestellten, Multiplikatoren und Entscheidern zu sortieren und jedem einen Satz mitzugeben, den er weitergeben kann. Ohne diesen Satz ist ein Netzwerk ein Publikum, mit ihm wird es zu einem Vertrieb für die eigene nächste Position.
Wie es in der Praxis läuft
Eine Geschäftsführerin beschrieb es so: Solange sie in Position war, wollte jeder mit ihr essen gehen. Drei Wochen nach der Freistellung war der Kalender leer. Netzwerke auf Führungsebene hängen an der Funktion, nicht an der Person, und das ist kein moralischer Befund, sondern eine Beobachtung über Zeitbudgets. Wer nichts mehr zu vergeben hat, rutscht in der Prioritätenliste anderer nach unten.
Drei Probleme kommen zusammen. Die Flughöhe: Die meisten Führungskräfte sind seitwärts vernetzt, mit Gleichgestellten, die selbst keine Positionen vergeben. Das Timing: Bedarf entsteht zufällig, und der Kontakt muss sich in diesem Moment an Sie erinnern. Und das Reputationsrisiko dessen, der empfiehlt: Er setzt seinen Namen ein und tut das nur, wenn er genau sagen kann, wofür Sie stehen.
Was das für Sie als Führungskraft bedeutet
„Ich bin offen für vieles“ kann niemand weitergeben. Ein Kontakt, der im Gespräch mit einem Beiratsvorsitzenden Ihren Namen fallen lassen will, braucht einen Satz, der in seinen Mund passt: „Sie hat zwei Werke zusammengeführt, ohne dass die Lieferfähigkeit gelitten hat, und sucht jetzt eine Geschäftsführung in einem Familienunternehmen mit Produktionsstandorten.“ Mit diesem Satz arbeitet Ihr Netzwerk für Sie, auch wenn Sie nicht im Raum sind.
Deshalb steht dieser Satz am Anfang jeder Neuorientierung, vor dem Lebenslauf und vor dem LinkedIn-Profil. Er ist die Kurzform Ihrer Positionierung.
Worauf Sie achten sollten
Der häufigste Irrtum ist die Bitte um einen Job. Sie bringt den anderen in Verlegenheit, weil er meist keinen hat, und das Gespräch endet mit „Ich halte die Augen offen“. Die einzige Bitte, die funktioniert, lautet: „Wer fällt Ihnen ein, mit dem ich sprechen sollte?“ Sie ist leicht zu erfüllen und führt zu Namen. Sortieren Sie außerdem Ihre Kontakte nach Flughöhe, bevor Sie beginnen: Wer vergibt Positionen, wer kennt Menschen, die das tun, wer ist Kollege? Die Reihenfolge der Gespräche richtet sich danach.
Sabines Blick
Sechs Wochen reichen nach meiner Erfahrung, um ein Netzwerk zu aktivieren, wenn die Anlässe inhaltlich sind: eine Beobachtung aus Ihrem Markt, ein Hinweis auf eine Studie, eine Frage zur Branche des anderen. Keiner dieser Anlässe sagt „Ich brauche etwas“. Und doch weiß danach jeder, wofür Sie stehen und was Sie als Nächstes vorhaben.