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Begriff

Aufsichtsrat und Beirat

Definition

Aufsichtsrat und Beirat sind Kontrollgremien, in die man berufen wird, nicht über eine Bewerbung aufgenommen. Der Aufsichtsrat ist bei Aktiengesellschaften gesetzlich vorgeschrieben, der Beirat ein freiwilliges Gremium vor allem in Familienunternehmen. Gesucht wird die Kompetenz, die dem Gremium für die nächsten Jahre fehlt.

Wie es in der Praxis läuft

Zwei Wege führen in ein Gremium. Der alte läuft über das, was Rudolf X. Ruter im Gespräch mit mir „Family, Friends and Fools“ nennt: Der Vorsitzende kennt jemanden, der jemanden kennt. Der systematische Weg läuft über einen Executive-Search-Berater, der im Auftrag des Gremiums ein Kompetenzprofil sucht. Vor einigen Jahren lief vielleicht jede zehnte Berufung über einen Berater, heute eher jede vierte oder fünfte.

Moderne Gremien berufen befristet, meist auf drei Jahre, und arbeiten mit einer Kompetenzmatrix. Dort steht, welche Erfahrung für den Business Case der nächsten Jahre fehlt: Digitalisierung, Internationalisierung, Finanzierung, Nachfolge, Restrukturierung. Gesucht wird die Person, die genau diese Lücke schließt.

Was das für Sie als Führungskraft bedeutet

Ein Gremienmandat ist für viele erfahrene Führungskräfte der natürliche nächste Schritt, ob neben einer operativen Rolle oder als Baustein eines Portfolios nach sechzig. Der Weg dorthin folgt aber anderen Regeln als die Besetzung einer Geschäftsführung. Niemand bewirbt sich auf einen Aufsichtsratssitz. Man wird gefragt, und gefragt wird, wer im richtigen Moment mit dem richtigen Satz im Kopf der richtigen Leute ist.

Dieser Satz lautet nicht „langjährige Führungserfahrung“. Er lautet etwa: „Sie hat zwei Carve-outs im Mittelstand finanziert und kennt die Banken.“ Wer weiß, welche Lücke er schließt, hat einen Satz, den man weitersagen kann. Wer Erfahrung im Allgemeinen anbietet, hat keinen.

Worauf Sie achten sollten

Der häufigste Irrtum: Fachwissen entscheidet. Ruter sagt, ein Gramm Charakter wiege in der Berufung mehr als tausend Gramm zusätzliches Fachwissen. Gremien suchen Unabhängigkeit, Urteilskraft und die Fähigkeit, dem Vorstand zu widersprechen, ohne die Zusammenarbeit zu beschädigen.

Der zweite Irrtum: Es geht schnell. Realistisch ist ein Zwölf-Monats-Plan, der mit festen Kalenderblöcken für das Netzwerk beginnt, mit Sichtbarkeit zu einem klaren Thema und mit Gesprächen bei den Beratern, die Gremien besetzen. Auch Haftungsfragen und die Vergütung, die in Beiräten oft bescheiden ausfällt, gehören vorher geklärt.

Sabines Blick

Ich sitze selbst seit 2019 in einem Aufsichtsrat und bin über mein Netzwerk hineingekommen, also über den alten Weg. Was mich dort gewählt hat, war nicht mein Lebenslauf, sondern dass jemand im Gremium sagen konnte, wofür ich stehe. Für Klienten, die ein Mandat anstreben, beginnt die Arbeit deshalb an derselben Stelle wie jede Neuorientierung: bei der Frage, für welche Lücke sie die Antwort sind.

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