Interim Management
Interim Management ist die zeitlich befristete Übernahme von Führungs- oder Projektverantwortung als Selbstständiger, meist über Provider, die einen Anteil am Tagessatz nehmen. Es ist kein Arbeitsverhältnis mit Ablaufdatum, sondern Unternehmertum mit Akquise, Auslastungsrisiko und eigener Altersvorsorge.
Wie es in der Praxis läuft
Unternehmen holen Interim Manager für Situationen, die sie mit eigenen Leuten nicht abdecken können oder wollen: eine Vakanz nach plötzlichem Abgang, eine Restrukturierung, ein Carve-out, eine Werksverlagerung, ein Programm mit hartem Enddatum. Mandate dauern typischerweise sechs bis achtzehn Monate. Der Interim Manager arbeitet im Tagessatz, der sich nach Ebene und Aufgabe richtet, und trägt zwischen den Mandaten das Risiko der Leerzeit.
Provider sind die Personalberater dieses Marktes. Sie führen Pools, bekommen Anfragen von Unternehmen und schlagen passende Manager vor, gegen einen Anteil am Tagessatz, oft zwischen 20 und 30 Prozent. Der Upload in zwanzig Datenbanken bringt wenig. Zwei bis drei Stammprovider, die Sie persönlich kennen und regelmäßig vorschlagen, sind mehr wert als zwanzig Listungen.
Was das für Sie als Führungskraft bedeutet
Die erste Frage lautet nicht, ob Sie das fachlich können. Das können Sie. Sie lautet, ob Sie Unternehmer sein wollen, mit Akquise, mit Wochen ohne Umsatz, mit der Verantwortung für die eigene Auslastung und der Gewissheit, dass jedes Mandat endet. Wer nach der Trennung sagt „dann mache ich eben Interim“, hat diese Frage meist noch nicht beantwortet.
Das erste Mandat kommt fast nie vom Provider, sondern aus dem Netzwerk, das Sie schon haben: ein früherer Gesellschafter, ein Berater, der Sie kennt, ein ehemaliger Kollege, der jetzt CEO ist. Deshalb beginnt der Weg ins Interim Management mit denselben Schritten wie jede Neuorientierung: klares Profil, klare Zielsituationen, gezielte Gespräche.
Worauf Sie achten sollten
Ein klares Profil besteht zur Hälfte aus dem, was Sie nicht machen. „Interim CFO für Restrukturierung und Carve-outs im produzierenden Mittelstand“ wird gefunden. „Erfahrene Führungskraft für Interim-Mandate aller Art“ wird übersehen. Vor jedem Mandat gehört geklärt, wer der Auftraggeber ist, welche Befugnisse dazugehören und wie Erfolg gemessen wird. Ohne Prokura oder Geschäftsführungsbestellung bleibt ein Interim-Geschäftsführer ein Berater mit Titel.
Ein häufiger Irrtum: Interim ist die Brücke zurück in die Festanstellung. Das kommt vor, ist aber nicht planbar. Wer Interim als Parkposition nutzt, wird im Mandat anders wahrgenommen als jemand, der die Rolle will, und Provider spüren den Unterschied.
Sabines Blick
Ich stelle Klienten, die Interim erwägen, fünf Fragen, und die erste ist die nach dem Unternehmertum. Holger Kimmes, der vom Konzern ins Interim Management gewechselt ist, hat mir im Gespräch gesagt, was ihn getragen hat: die Haltung, ein Problem zu lösen statt die Welt zu retten. Wer das in sich findet, dem steht ein Markt offen, der erfahrene Führungskräfte dringend braucht. Wer es nur aus Verlegenheit versucht, zahlt mit Leerzeit und Selbstzweifel.