Interim Manager werden: Was Provider von Führungskräften erwarten. Mit Norbert Eisenberg
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Warum dieses Thema?
Viele Führungskräfte, mit denen ich arbeite, stellen sich irgendwann dieselbe Frage: Wäre Interim Management etwas für mich, und wie käme ich überhaupt an das erste Mandat? Meist folgt der Gedanke: Bin ich dafür nicht zu sehr Angestellter gewesen? In dieser Folge beantwortet Norbert Eisenberg, Managing Partner bei Boyden Interim Management, die Fragen, die mir am häufigsten gestellt werden. Er hat mehr als 500 Interim-Management-Aufträge durchgeführt und kennt die Seite, die Manager vorschlägt. Sie erfahren, worauf Provider achten und an welchen Fragen Sie prüfen, ob die Rolle zu Ihnen passt.
Das erfahren Sie in dieser Folge
Zwei Wege zum Mandat
Der erste Weg führt über Interim-Management-Dienstleister. Der Kontakt ist schnell hergestellt, und passt der Lebenslauf halbwegs, kommt man ins Gespräch. Sinnvoll ist es, sich an mehrere Anbieter zu wenden und dabei auf Seriosität und Niveau zu achten: Manche Anbieter verstehen Interim Management eher als bessere Zeitarbeit, für erfahrene Manager die falsche Adresse. Der zweite Weg ist das eigene Netzwerk. Wer eine gute Laufbahn hinter sich hat, kennt viele Menschen, die positiv an ihn denken. Ein Anruf mit der Frage, ob man Sie in so einer Rolle sehen würde, führt manchmal zu erstaunlichen Ergebnissen. Dazu kommt der Verband DDIM, über den Sie Informationen, Kontakte und eine fachliche Heimat finden.
Ein Provider braucht einen Grund, Sie vorzuschlagen
Im Gespräch mit dem Dienstleister zählt, dass Sie Ihre Stärken klar zeigen und sagen, für welche Aufgabenstellungen man Sie ansprechen soll. Ein Interim Manager ist so etwas wie ein Lotse durch schwierige Gewässer. Entscheidend ist dabei weniger die exakte Branche oder Position. Es kommt darauf an, dass Sie Situationen und Geschäftsmodelle schnell verstehen und mit Glaubwürdigkeit ins Unternehmen kommen. Wer das überzeugend zeigt, macht es dem Provider leicht, ihn mit gutem Gewissen beim Kunden ins Spiel zu bringen. Für Sie heißt das: Ihr Profil beschreibt Situationen, die Sie gemeistert haben, nicht nur Titel, die Sie getragen haben.
Im Gespräch mit dem Kunden sind Sie Geschäftspartner
Das Gespräch mit dem Unternehmen ist keine typische Bewerbungssituation. Sie stellen Ihre Erfahrung dar, aber nicht wie jemand, der den Job braucht. Die Frage lautet: Wie sieht die Aufgabe aus, und wie kommen wir sinnvoll ins Geschäft? Dazu gehört, auf das eigene Bauchgefühl zu hören. Fühlen Sie sich mit der Aufgabe oder den handelnden Personen nicht wohl, lassen Sie es besser. Im Mandat selbst bewahren Sie sich Ihre intellektuelle Unabhängigkeit und sprechen Unterschiede nüchtern an. Wer so auftritt, wird im Unternehmen meist schnell akzeptiert, weil dort ohnehin klar ist, dass Handlungsbedarf besteht.
Nicht nur Turnaround: Platz für Unternehmensentwickler auf Zeit
Viele denken bei Interim Management sofort an Sanierung. Echte Restrukturierung in insolvenznahen Fällen ist ein enges Feld mit rechtlichen Stolperfallen, nur etwas für Spezialisten. Der größere Teil der Mandate betrifft Veränderungen in Prozessen, Strukturen und Geschäftsmodellen, etwa nach Zukäufen, bei Ausgliederungen oder in der Digitalisierung. Für Führungskräfte, die sich eher als Unternehmensentwickler auf Zeit verstehen, ist das ein interessantes Profil. Auch nach einer Sanierung braucht ein Unternehmen jemanden, der das Geschäft weiterentwickelt. Wenn Sie kein Krisenmanager sind, kann die Tür ins Interim Management für Sie trotzdem offen stehen.
Die ehrliche Selbstprüfung vor dem Start
Am wichtigsten ist die Frage, ob Sie in einer Rolle, in der Sie ganz auf sich gestellt sind, wirklich gern arbeiten. Dazu gehören ein gewisses Unternehmer-Gen, Freude an Veränderung und die Fähigkeit, sich schnell einen Überblick zu verschaffen. Eine klassische Karriereleiter gibt es hier nicht, das nächste Mandat kann kleiner sein als das letzte. Wichtig sind außerdem finanzielle Rücklagen. Wer in drei Monaten dringend einen Auftrag braucht, tritt unsicherer auf, und der Kunde spürt das. Mit Rücklagen sitzen Sie dem Gesellschafter gelassen gegenüber, besprechen Meilensteine statt Tagessätze und können auch einmal Nein sagen. Genau diese Souveränität macht Sie für ihn interessant.
Für wen ist diese Folge?
Für Führungskräfte, die nach einer Trennung oder einer langen Konzernlaufbahn prüfen, ob Interim Management eine Option ist, und wissen wollen, wie Provider denken. Ebenso für alle, die den Schritt erst einmal ausprobieren möchten und überlegen, wie ein Interim-Mandat im eigenen Lebenslauf später wirkt.
Für welche Situation, nicht für welchen Titel, würde ein Unternehmen Sie morgen holen?