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Interim-Mandat oder Festanstellung? Wie aus „auf Zeit“ eine feste Position wird.
Ein Anruf, ein Angebot: sechs Monate Geschäftsführung auf Zeit, Start in drei Wochen. Die Aufgabe reizt Sie, das Unternehmen auch. Und doch bleibt eine Frage hängen: Verbaue ich mir damit die Festanstellung, die ich eigentlich suche? Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Nach Korn Ferry wird rund jedes fünfte Interim-Mandat auf Executive-Ebene zur festen Stelle. Das passiert selten zufällig. Wer übernommen wird, hat das Mandat meist von Anfang an so angelegt, dass das Gremium ihn als Dauerlösung sehen kann. Dadurch wird aus der Aufgabe auf Zeit ein Vorstellungsgespräch, in dem Sie jeden Tag zeigen, was Sie können.
Von Sabine Lanius · Stand: Oktober 2026 · Lesezeit rund sechs Minuten
„Soll ich das Interim-Mandat annehmen, oder bin ich dann für die feste Stelle raus?“ Diese Frage kommt im Erstgespräch immer öfter, und meist mit einer Frist im Nacken. Ich verstehe die Sorge gut. Wer jahrelang fest angestellt Verantwortung getragen hat, empfindet „auf Zeit“ schnell als Schritt zurück. Dabei kann ein Interim-Mandat genau das Gegenteil sein: ein Vorstellungsgespräch, das sechs Monate dauert und in dem Sie zeigen, was kein Lebenslauf zeigen kann. Es kommt darauf an, wie Sie es anlegen.
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Warum Unternehmen die Spitze auf Zeit besetzen
Korn Ferry hat sich angesehen, wie Unternehmen mit leeren Chefetagen umgehen. Die Zahlen stammen aus den USA. 2025 haben die Unternehmen des S&P 1500 insgesamt 168 neue CEOs berufen, so viele wie seit 2010 nicht mehr. Gleichzeitig sagen dort 30 Prozent der Board-Mitglieder börsennotierter Unternehmen, dass sie keinen Nachfolger haben, der morgen übernehmen könnte. So steht es in einer Erhebung des US-Verbands der Aufsichtsräte (NACD).
Die Lücke füllen immer öfter Interim-Manager. Sie führen das Geschäft weiter, während das Gremium in Ruhe sucht. Manchmal braucht ein Unternehmen auch für eine bestimmte Phase einen bestimmten Menschen: jemanden für die Sanierung, den Verkauf oder den Neustart.
Die Frage, die daraus für Führungskr äfte folgt, höre ich auch hier immer öfter. Interim-Mandate auf Ebene der Geschäftsführung und des Vorstands werden angeboten, und sie werden ernst genommen.
Was Sie davon haben: Sie sehen ein Interim-Angebot als Teil des Marktes auf Ihrer Ebene. Mit einem Notbehelf hat es wenig zu tun.
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Jedes fünfte Mandat: was die Zahl bedeutet
Rund 20 Prozent der Interim-Mandate auf Executive-Ebene werden nach Korn Ferry zu einer festen Stelle. Das ist eine echte Chance und zugleich eine nüchterne Zahl. Vier von fünf Mandaten enden wie geplant.
Daraus folgen zwei Dinge. Erstens kann ein Interim-Mandat ein guter Weg in die Festanstellung sein. Das Unternehmen sieht Sie monatelang bei der Arbeit, unter echten Bedingungen. Kein Assessment zeigt so viel. Zweitens können Sie sich darauf nicht verlassen. Wer ein Mandat nur annimmt, weil er auf die Übernahme hofft, sitzt sechs Monate im Wartezimmer und steht danach ohne Plan da.
Die richtige Haltung liegt dazwischen. Sie übernehmen die Aufgabe so, als wäre sie Ihre, und halten parallel Ihre Wege in den Markt offen.
Was Sie davon haben: Sie gehen mit realistischen Erwartungen in das Mandat. Am Ende erleben Sie keine Überraschung, in keine Richtung.
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Den Weg in die Festanstellung von Anfang an anlegen
Ob aus einem Mandat eine feste Position wird, entscheidet sich zu einem guten Teil in den ersten Wochen. Fünf Punkte machen den Unterschied:
1. Ein klar umrissener Auftrag. Was genau soll am Ende des Mandats erreicht sein? Ohne diese Antwort lässt sich Ihr Erfolg nicht messen, und dann auch nicht belohnen.
2. Ein sichtbares Ergebnis nach 100 Tagen. Eine Entscheidung, die vorher liegen geblieben ist, oder eine Zahl, die sich bewegt hat. Halten Sie es auf einer Seite fest.
3. Ein offenes Wort zur rechten Zeit. Sagen Sie dem Aufsichtsratsvorsitzenden oder den Gesellschaftern früh, dass Sie auch dauerhaft zur Verfügung stehen. Wer schweigt, wird als Übergangslösung gesehen und so behandelt.
4. Ein vereinbarter Termin. Klären Sie schon beim Vertrag, wann über die Zeit nach dem Mandat gesprochen wird. Dann müssen Sie das Thema später nicht aus dem Nichts aufbringen.
5. Ein Blick auf die Vergütung. Tagessatz und Festgehalt folgen verschiedenen Logiken. Überlegen Sie vorher, was eine Übernahme für Sie wert wäre, damit Sie im entscheidenden Gespräch nicht improvisieren.
Was Sie davon haben: Das Gremium sieht Sie vom ersten Tag an als mögliche Dauerlösung. Und das Gespräch über die Festanstellung steht schon im Kalender, statt dass Sie darauf warten.
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Das Risiko „auf Zeit“
Korn Ferry benennt auch die Kehrseite. Interim-Manager tun sich manchmal schwer, Veränderungen durchzusetzen, gerade weil die Belegschaft sie nicht als dauerhaft wahrnimmt. Wer weiß, dass der Chef in einem halben Jahr wieder weg ist, wartet lieber ab.
Dem begegnen Sie am besten, indem Sie führen, als blieben Sie. Entscheidungen nicht vertagen, Menschen ernst nehmen, Zusagen einhalten, die über Ihr Vertragsende hinausreichen. Das wirkt nach innen. Und es ist genau das, was das Gremium sehen will, wenn es über eine Übernahme nachdenkt.
Ein zweites Risiko liegt außerhalb des Unternehmens. Solange Sie im Mandat stecken, bleibt wenig Zeit für den Markt. Halten Sie den Kontakt zu zwei, drei Personalberatern, die Ihre Zielrolle kennen. Ein kurzes Update zur Halbzeit genügt. Wenn das Mandat endet, starten Sie dann nicht bei null.
Was Sie davon haben: Sie haben im Mandat mehr Einfluss. Und nach dem Mandat eine Alternative, falls die Übernahme nicht kommt.
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Wann Sie besser absagen
Manches Interim-Angebot ist eine Sackgasse mit freundlichem Briefkopf. Vorsicht ist angebracht, wenn
• der Auftrag auch nach dem zweiten Gespräch unklar bleibt,
• das Gremium bereits einen externen Favoriten hat und Sie nur die Zeit bis zu dessen Start überbrücken sollen,
• das Mandat Sie genau in den Monaten bindet, in denen Ihre eigene Suche gerade in Fahrt kommt,
• Sie die Aufgabe nur annehmen würden, weil gerade nichts anderes da ist.
Im letzten Fall hilft eine ehrliche Antwort auf eine einfache Frage: Würde ich diese Aufgabe auch wollen, wenn sie unbefristet wäre? Wenn ja, ist das Mandat eine gute Chance. Wenn nein, wird es Ihnen schwerfallen, das Gremium von sich als Dauerlösung zu überzeugen.
Ob Interim grundsätzlich als Berufsmodell zu Ihnen passt, ist übrigens eine andere Frage. Dazu finden Sie einen eigenen Beitrag im Blog.
Ergebnis vom Ergebnis: Monat vier Ihres Mandats. Der Aufsichtsratsvorsitzende bittet um ein Gespräch, Thema: die Zeit nach dem Mandat. Sie bringen eine Seite mit, darauf die Ergebnisse der ersten hundert Tage. Er liest sie, legt sie zur Seite und fragt, zu welchen Bedingungen Sie bleiben würden. Diesmal bewerben Sie sich um nichts. Sie werden gefragt.
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ÜBER DIE AUTORIN
Sabine Lanius ist Executive Karriereberaterin und ehemalige Headhunterin. Aktiv im Bereich Executive Sparring, Executive Search und berufliche Neuorientierung seit 1998. Rund 1.500 Führungskräfte beraten. Unabhängig von Unternehmen und Personalberatungen.
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