Reputation beim Jobwechsel: Warum Expertise allein nicht reicht. Mit Björn Hasse
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Warum dieses Thema?
„Ich habe 20 Jahre erfolgreich Unternehmen geführt, Krisen gemanagt, Veränderungen umgesetzt. Meine Expertise spricht doch für sich.“ Diesen Satz höre ich von Führungskräften im Wechsel sehr oft, und er klingt vernünftig und bescheiden. Nur hat sich der Headhunter, bevor er anruft, längst ein Bild gemacht, aus Ihrem LinkedIn-Profil und immer öfter aus dem, was eine KI über Sie zusammenfasst. Mein Gast in dieser Folge ist Björn Hasse, C-Level bei Burson und Berater für strategische Kommunikation. Er berät Führungskräfte zu Reputation, solange sie in ihrer Rolle sind. Danach wissen Sie, wie Sie dafür sorgen, dass man gut über Sie spricht, bevor man mit Ihnen spricht.
Das erfahren Sie in dieser Folge
Gute Arbeit spricht nicht für sich
Arbeit spricht nicht, Zahlen sprechen nicht, Referenzen auch nicht, solange niemand sie einordnet. Das ist der Kern der Folge. Im Raum kann eine CFO mit ihrer Expertise glänzen. Entscheidend ist aber, was von ihr hängen bleibt, wenn sie nicht im Raum ist. Hinzu kommt, dass KI-Systeme zunehmend mitentscheiden, wer in einer Antwort als Experte auftaucht und wofür. Wer dort nicht vorkommt, findet für Headhunter und für Unternehmen, die selbst aktiv suchen, nicht statt. Für Führungskräfte mit echter Substanz ist das eigentlich eine gute Nachricht. Sie haben das Material. Es fehlt nur noch jemand, der es einordnet, und das sind Sie selbst.
Sichtbar, ohne laut zu werden
Der zweite Einwand kommt fast immer: „Ich will nicht laut werden.“ Verständlich, wer auf LinkedIn durch Urlaubserkenntnisse und Bahnärger scrollt. Mein Bild dafür ist der Zeitungskiosk am Bahnhof. Dort liegt die laute Boulevardzeitung neben der leisen, hochwertigen Tageszeitung. Jede findet ihre Leser, aber nur, wenn sie im Ständer liegt. Wer gar nicht publiziert, ändert am lauten Markt nichts, überlässt aber anderen die Deutung über sich. Sichtbarkeit heißt deshalb, das eigene Narrativ bewusst zu gestalten: wofür Sie wahrgenommen werden wollen und über welche Kanäle. Sie entscheiden, wie Ihre Publikation aussieht, und sie darf so ruhig und seriös sein wie Sie.
Relevanz schlägt Reichweite
LinkedIn ordnet Sie nach den Themen ein, über die Sie schreiben. Wer mit einem Post über eine gesperrte Brücke viel Reichweite holt, wird für Verkehrsärger gebucht und nicht für Ihr Fachgebiet. Likes und Herzchen sind schön, aber wenn ganz Villariba Ihre Beiträge mag und Ihre Zielgruppe in Villabajo sitzt, bringt das nichts. Zehn Entscheider, die Sie mit Ihrem Thema verbinden, sind mehr wert als zehntausend Likes für ein Foto vom Kaffeebecher. Stellen Sie sich vor, ein Personalberater bekommt ein Mandat auf den Tisch, und Ihr Name fällt ihm ein, bevor er die Datenbank öffnet. Dafür braucht es keine Lautstärke, nur ein klares Profil.
Reputation ist gespeichertes Vertrauen
Reputation lässt sich als das Vertrauen beschreiben, das der Markt in Ihre Fähigkeiten gespeichert hat, belegt durch das, was Sie tatsächlich geleistet haben. Dafür steht ein Begriff aus der Folge, Scar Tissue: Narbengewebe. Wer eine Transformation wirklich gesteuert hat, kann erzählen, warum sie zehn Monate gut aussah, dann kippte und was danach passierte. Das unterscheidet echte Erfahrung von angelesenem Wissen. Und es gibt ein schönes Bild dazu. Ihr Reputationskapital ist Ihr Tafelsilber, es gehört in die Eckvitrine und will gelegentlich poliert werden. Solange Sie im Unternehmen sind, erzählt die Pressestelle Ihre Geschichte mit. Danach müssen Sie es selbst tun. Das ist keine Angeberei, das ist Einordnung.
Was die KI über Sie zusammenfasst
Journalisten, Investoren und Headhunter lesen vor einem Gespräch selten den Lebenslauf. Sie schauen, was über Sie zu finden ist. KI-Systeme wie ChatGPT oder Perplexity setzen daraus ein Bild zusammen, oft vor allem aus Ihrem LinkedIn-Profil, und präsentieren es als Tatsache. Ist dieses Bild stimmig, starten Sie nicht bei null, sondern mit einem Vorschuss an Vertrauen. Ich erlebe das selbst. Menschen, die meinen Podcast hören, sagen beim ersten Telefonat, sie hätten das Gefühl, mich schon zu kennen. Für Sie im Wechsel heißt das: Wen würde ein Entscheider lieber in die zweite Runde einladen, den Unbekannten oder die Person, von der er schon weiß, wofür sie steht?
Raus aus der Sea of Sameness
Transformation, KI, Digitalisierung, Change: Wer nur diese Begriffe nennt, geht im Meer der Gleichförmigkeit unter. Der Unterschied liegt in der Success Story. Aus meiner Zeit im Executive Search erinnere ich mich an einen Kandidaten, der zwölf Minuten über einen Werksaufbau in der Regenzeit sprach. Was er selbst bewirkt hatte, kam nie. Eine gute Geschichte beantwortet schlichte Fragen: Was war die Situation, was haben Sie getan, was hat sich verändert und in welcher Zeit? Dann hat jeder, der Sie getroffen hat, eine Geschichte über Sie im Kopf, die nur Ihre sein kann. Und genau daran erinnert er sich, wenn Ihr Name später fällt.
Für wen ist diese Folge?
Diese Folge ist für Sie, wenn Sie nach langen Jahren in einem Unternehmen wechseln und merken, dass Ihr Ruf außerhalb nicht mitkommt. Ebenso, wenn Sie LinkedIn bisher gemieden haben, weil Ihnen der Ton dort zu laut ist, oder wenn Sie wissen möchten, was ein Headhunter oder eine KI heute über Sie findet.
Wie klingt eine Ihrer Erfolgsgeschichten in drei Sätzen, und wird Ihr eigener Anteil darin klar?