Background-Check für Führungskräfte: Was geprüft wird und was nicht. Mit Reto Marti
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Warum dieses Thema?
Sie sind in der letzten Runde, die Gespräche liefen gut, und dann schreibt HR: Vor Vertragsabschluss werde ein Background-Check durchgeführt. Viele Führungskräfte, mit denen ich arbeite, erleben das zum ersten Mal. Der erste Gedanke ist selten entspannt. Was suchen die eigentlich, und was finden sie? Background-Checks sind längst nicht mehr nur Sache von Banken, sie reichen heute bis in den Mittelstand und durch viele Funktionen. Für diese Folge habe ich mit Reto Marti gesprochen, Managing Partner bei Validato. Sein Team prüft Kandidaten für Unternehmen in Europa, im Mittleren Osten und in Asien. Danach wissen Sie, was wirklich auf Sie zukommt, und können dem Check ruhig entgegensehen.
Das erfahren Sie in dieser Folge
Wer geprüft wird und wie tief
Den Anfang machen Finanzwesen und kritische Infrastruktur, dazu alle Bereiche, in denen Menschen mit Geld oder Personendaten in Berührung kommen. Wie tief geprüft wird, hängt weniger vom Titel ab als von den Rechten: Was dürfen Sie allein entscheiden, worauf haben Sie Zugriff? Vorstände, Verwaltungsräte und C-Level werden gründlicher geprüft, weil zur Fachlichkeit Reputation und Integrität hinzukommen. Mir war in dem Gespräch wichtig, wie sehr sich der Maßstab verschoben hat. Was vor zehn Jahren noch durchging, gilt heute als nicht mehr akzeptabel, bei Unternehmen wie in der Öffentlichkeit. Für Sie heißt das: Je höher die Position, desto selbstverständlicher sollten Sie mit einer Prüfung rechnen und sie nicht als Misstrauen gegen Ihre Person lesen.
Was im Report landet
Die Bausteine sind nüchterner, als viele befürchten. Ein Identitätscheck, der Abgleich des Lebenslaufs direkt an der Quelle, also beim früheren Arbeitgeber, und die Prüfung von Abschlüssen direkt bei der Hochschule. Schriftliche Referenzen gehen zurück an die Stelle, die sie ausgestellt hat. Je nach Position und Rechtslage kommen Führungszeugnis und berufliche Profile wie LinkedIn dazu. Ich habe in der Folge einen Fall aus meinem Umfeld erzählt: Ein CFO hatte seine Referenzen erfunden, das fiel erst nach Vertragsabschluss auf und kostete ihn die Position. Genau solche Angaben werden routinemäßig verifiziert. Sie wissen danach, welche Stellen in Ihrem Lebenslauf belegbar sein müssen.
Privates bleibt grundsätzlich draußen
Das Studentenfoto mit dem Bierglas, das Partybild im Profil: Im Grundsatz hat Privates im Report nichts verloren. Nur wenn ein Auftraggeber für eine öffentlich exponierte Rolle ausdrücklich danach fragt, wird auch das öffentliche Bild angesehen. Bei politischen Organisationen gibt es keine pauschale Bewertung. Ob eine Mitgliedschaft für eine Position ein Problem ist, muss das Unternehmen selbst begründen. Familie und Partner spielen nur bei Interessenkonflikten eine Rolle. Das Beispiel aus der Folge bleibt hängen: Die Ehefrau führt eine Bäckerei. Das ist unproblematisch, bis der neue Vorstand das Catering ausschließlich dort bestellt. Sie können also einordnen, welche Verbindungen Sie besser früh selbst ansprechen.
Wann der Check kommt und wie er abläuft
Je höher und teurer die Besetzung, desto früher setzt der Check ein. Auf Vorstands- und C-Level-Ebene meist auf der Shortlist mit den letzten zwei, drei Kandidaten, darunter oft erst kurz vor der Vertragsunterschrift. Seriöse Anbieter arbeiten transparent: Sie bekommen einen Link, laden Zeugnisse und Diplome hoch, ergänzen Ihre Vita und sehen genau, welche Angaben überprüft werden. Den Report teilt in der Regel HR mit Ihnen. Meist finden sich darin keine Red Flags, eher Missverständnisse, etwa ein Abschluss, der nie beendet wurde, aber so im Lebenslauf steht. Das lässt sich klären, bevor jemand auf dieser Grundlage entscheidet. Diese Abfolge zu kennen nimmt dem Moment, in dem die Mail kommt, viel von seiner Schärfe.
Durchfallen, ablehnen, nachweisen
Der Prüfdienst bewertet nicht. Er sammelt und verifiziert, entscheiden muss das Unternehmen. Interessant fand ich, wie stark schon die Ankündigung wirkt: Sie sortiert nach Erfahrung des Gastes rund 90 Prozent der Bewerbungen aus, die nicht ganz sauber sind. Auf Executive-Ebene kommt etwas hinzu, das ich aus Auswahlprozessen kenne. Kandidaten reagieren gereizt, wenn ein Personalberater das Diplom sehen will, und fragen zurück, ob man ihnen nicht vertraue. Viele Unternehmen geben die Prüfung deshalb lieber nach außen. Für Sie ist das eine Entlastung: Die Diskussion über Vertrauen findet nicht mehr im Gespräch statt, wenn Ihre Unterlagen ohnehin stimmen.
Was Sie danach anders machen
Der wichtigste Hinweis aus der Folge ist schlicht: Ihre Unterlagen müssen konsistent sein, und was nicht hundertprozentig rund ist, sprechen Sie selbst an. Stellen Sie sich das Gespräch mit HR vor, in dem es um eine Lücke oder einen unvollendeten Abschluss geht. Sie haben es schon in der zweiten Runde erwähnt, mit zwei Sätzen Kontext. Die Nachfrage ist kurz, der Ton bleibt freundlich, und das nächste Thema ist Ihr Startdatum. Unangenehm wird es nur, wenn etwas zwei Monate nach der Unterschrift auftaucht. Übrigens heißt das Feld inzwischen Human Risk Management. Der Begriff passt, denn es geht um Risiko für beide Seiten.
Für wen ist diese Folge?
Diese Folge ist für Sie, wenn Sie sich auf Positionen in Geschäftsführung, Vorstand oder auf C-Level bewerben, besonders in Finanzwesen, IT oder kritischer Infrastruktur. Wenn Sie gerade auf einer Shortlist stehen und eine Prüfung angekündigt ist, wissen Sie danach, was kommt. Und wenn in Ihrem Lebenslauf eine Station steht, die Sie lieber nicht erklären würden, hören Sie die Folge besser jetzt.
Gibt es in Ihrem Lebenslauf eine Angabe, bei der Sie froh wären, wenn niemand nachfragt?