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Podcastfolge · Karrierewege

Aufsichtsrat oder Beirat werden: Wie der Weg ins Gremium führt. Mit Rudolf X. Ruter

Erschienen
Dauer
30 Minuten
Gast
Rudolf X. Ruter, Wirtschaftsprüfer, langjähriger Mandatsträger und Gremienexperte
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Warum dieses Thema?

<p>Viele Führungskräfte, mit denen ich arbeite, stellen sich irgendwann diese Frage: Wie werde ich Aufsichtsrat oder Beirat? Manche als nächsten Schritt nach der operativen Laufbahn, manche parallel zur Linienverantwortung. Eine Stellenanzeige gibt es dafür nicht, und eine klassische Bewerbung wirkt eher fremd. Ich bin selbst vor einigen Jahren über mein Netzwerk in einen Aufsichtsrat gekommen und weiß, wie wenig sichtbar dieser Markt ist. Deshalb spreche ich mit Rudolf X. Ruter, der die Gremienlandschaft aus jahrzehntelanger Erfahrung kennt. Sie erfahren, wie Sie auf die Liste der Menschen kommen, die ein Mandat vergeben.</p>

Das erfahren Sie in dieser Folge

Persönlichkeit wiegt schwerer als jedes Zertifikat

Fachwissen ist Voraussetzung, entschieden wird über den Charakter. Mein Gast bringt das auf eine einfache Waage: Persönlichkeit wiegt deutlich mehr als eine fehlende Detailkompetenz. Gesucht sind Menschen, die ihre Meinung sagen und gleichzeitig diplomatisch bleiben, die Vertrauen ausstrahlen und verändern wollen. Wer schon Vorstand oder Geschäftsführer war, bringt viel davon mit. Eine Lücke bleibt trotzdem: Vorstandswissen ist nicht dasselbe wie Aufsichtswissen. Die Folge zeigt, warum sich gezielte Weiterbildung lohnt. Für Sie heißt das, Sie schließen die Lücke, bevor ein Gremium danach fragt, und gehen mit sicherem Stand in das erste Gespräch.

Netzwerken wie ein Projekt, mit Termin im Kalender

Auf ein Mandat kann man sich kaum bewerben, also müssen Sie dort sichtbar werden, wo berufen wird: bei Eigentümern, Gesellschaftern, Aufsichtsrats- und Beiratsvorsitzenden. Das klingt einfach und scheitert oft am vollen Kalender. Die Folge empfiehlt, Netzwerken wie ein Projekt zu planen, mit festen Stunden pro Woche, die Sie verschieben, aber nicht streichen. Netzwerken findet mit Menschen statt, nicht mit Organisationen. Viele Mitgliedschaften mit Beitrag bringen wenig, wenn dahinter keine Beziehung steht. Und der Stil darf zu Ihnen passen, ob eher zurückhaltend oder offensiv. So wird aus einem guten Vorsatz eine Routine, die Ergebnisse bringt.

Zuerst ein ehrliches Urteil von außen holen

Der schlechteste Anfang ist der Anruf mit der Bitte um einen Beiratsposten. Besser beginnt der Weg mit einer Mentorin oder einem Mentor, der selbst Gremienerfahrung hat und Ihnen offen sagt, ob Sie in diese Rolle passen. Vielleicht hören Sie, dass Sie eher kurzfristig denken als strategisch, oder dass Ihnen die Lust am Konflikt fehlt. Das ist unbequem und wertvoll zugleich. Danach gehen Sie Ihren privaten und geschäftlichen Adresskreis durch: Wer sitzt schon in Gremien, wer kennt Vorsitzende? Daraus entsteht eine Liste von Zielpersonen. Sie investieren Ihre Zeit dann gezielt dort, wo Mandate vergeben werden.

Was Sie im Aufzug sagen

Stellen Sie sich vor, Sie stehen zufällig mit einem Aufsichtsratsvorsitzenden im Aufzug. Er fragt, womit Sie sich beschäftigen. Sie antworten in zwei Sätzen mit einem Thema, das sein Gremium gerade braucht, etwa Digitalisierung oder Krisenerfahrung. Er nickt und fragt nach Ihrer Karte. Darauf kann man sich vorbereiten. Ein Fachbeitrag, ein Vortrag bei einem Wirtschaftsverband, ein Zitat in der Wirtschaftspresse geben Ihnen etwas in die Hand, worüber man spricht. Die Ansprache bleibt immer persönlich, nie als kalte Massenmail. So werden Sie zu dem Namen, an den man denkt, wenn eine Lücke im Gremium entsteht.

So läuft die Auswahl hinter den Kulissen

Ein Gremium sucht, wenn jemand ausscheidet oder eine Kompetenz fehlt. Systematisch arbeitende Unternehmen schauen auf die heutige Zusammensetzung und auf den Business Case der kommenden Jahre. Daraus entsteht ein Soll-Profil, oft mit Unterstützung eines Executive Searchers, dann Longlist und Shortlist. Am Ende stehen Gespräche mit Vorsitz, Mehrheitsaktionär oder Vorstand. Die entscheidenden Fragen sind menschliche: Können wir dieser Person vertrauen, passt sie in unsere Runde, hat sie genug Zeit? Viele unterschätzen, wie viel Zeit ein Mandat kostet. Wer das vorher klärt, überzeugt im Auswahlprozess als jemand, der die Rolle ernst nimmt.

Wohin sich Gremien entwickeln

Die Folge blickt auch nach vorn. Die Suche nach Mandatsträgern wird systematischer, die Öffentlichkeit fragt genauer nach, was Gremien leisten. Kürzere, versetzte Amtszeiten mit jährlicher Evaluation setzen sich durch. Unabhängigkeit gewinnt an Gewicht, ebenso die Frage, wie künstliche Intelligenz Entscheidungen im Aufsichtsrat verändert. Und eine Runde aus lauter Experten ist noch keine gute Mannschaft. Gefragt sind Menschen, die unter Zeitdruck und mit unvollständigen Informationen entscheiden und Konflikte aushalten. Wenn Sie Ihre Erfahrung in diese Richtung erzählen, passt Ihr Profil zu dem, was Gremien künftig suchen.

Für wen ist diese Folge?

<p>Für Geschäftsführer, Vorstände und Bereichsleiter, die nach oder neben der operativen Rolle ein Aufsichtsrats- oder Beiratsmandat anstreben. Für alle, die merken, dass ihr Netzwerk bisher vor allem aus Kollegen der eigenen Branche besteht. Und für Sie, wenn Sie wissen wollen, wie Gremien auswählen, bevor Sie den ersten Schritt machen.</p>

Impuls für heute

Wer in Ihrem Umfeld sitzt bereits in einem Gremium und würde Ihnen ehrlich sagen, ob Sie in diese Rolle passen?

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Ihre Gastgeberin

Sabine Lanius ist Executive Karriereberaterin und ehemalige Headhunterin. Aktiv im Bereich Executive Sparring, Executive Search und berufliche Neuorientierung seit 1998. Rund 1.500 Führungskräfte beraten.

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