Private-Equity-Portfoliounternehmen
Ein Private-Equity-Portfoliounternehmen gehört einem Finanzinvestor, der gekauft hat, um in der Regel nach vier bis sieben Jahren wieder zu verkaufen. Die Geschäftsführung arbeitet nach einem Wertsteigerungsplan mit Meilensteinen, berichtet monatlich an den Sponsor und trägt einen Teil ihrer Vergütung als Beteiligung am Exit.
Wie es in der Praxis läuft
Der Investor kauft ein Unternehmen mit einer Investmentthese: Umsatz verdoppeln, Margen heben, Zukäufe integrieren, Prozesse digitalisieren. Daraus entsteht ein Plan mit Meilensteinen, an dem die Geschäftsführung gemessen wird. Ein Beirat mit Vertretern des Sponsors trifft sich monatlich, das Reporting ist dichter als in den meisten Familienunternehmen, und Entscheidungen über Investitionen, Personal auf der ersten Ebene und Zukäufe laufen über den Investor.
Die Vergütung besteht aus Fixum, Bonus und einer Beteiligung am Unternehmen, dem Management Equity. Sie wird beim Exit ausgezahlt und kann ein Vielfaches des Jahresgehalts erreichen. Sie kann aber auch verfallen, wenn der Exit ausbleibt oder die Führungskraft vorher geht.
Was das für Sie als Führungskraft bedeutet
Ein Geschäftsführer aus dem Maschinenbau stellte die entscheidende Frage: Woran erkenne ich, ob der Investor Partner ist oder Aufpasser? Die Antwort liegt in der zweiten Gesprächsrunde, nicht im Vertrag. Wie reagiert der Sponsor, wenn ein Quartal daneben liegt? Wer hat beim letzten Portfoliounternehmen die Geschäftsführung gewechselt, und warum? Welche Entscheidungen treffen Sie allein?
Ein Satz, der von ausgeschiedenen Geschäftsführern häufig zu hören ist: Die Autorität lag beim Investor, das Risiko bei mir. Wer in dieses Umfeld wechselt, braucht Freude an Tempo, Zahlen und engen Abstimmungen und die Bereitschaft, nach dem Exit wieder zu wechseln. Dafür gibt es Gestaltungsspielraum und eine Vergütungschance, die eine Konzernposition selten bietet.
Worauf Sie achten sollten
Drei Vertragspunkte entscheiden über Ihr Risiko. Die Leaver-Regeln legen fest, was mit Ihrer Beteiligung passiert, wenn Sie vor dem Exit gehen oder gehen müssen; der Unterschied zwischen Good Leaver und Bad Leaver kann sechsstellig sein. Das Vesting bestimmt, wie viel Ihrer Beteiligung Sie wann verdient haben. Und das Fixum muss tragen, auch wenn der Exit nie kommt. Dazu kommt das Wettbewerbsverbot, das Investoren gern weit fassen. Lassen Sie den Vertrag von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht und Gesellschaftsrecht prüfen, bevor Sie unterschreiben.
Sabines Blick
Die Führungskräfte, die nach zwei Jahren aus einem Portfoliounternehmen ausschieden, hatten in meiner Beratung selten die Zahlen verfehlt. Es hakte an der Kultur, an der Art, wie Entscheidungen fielen und wie mit Abweichungen umgegangen wurde. Deshalb gehören acht Fragen an den Sponsor in die zweite Runde, bevor über Geld gesprochen wird.