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KARRIERE-BLOG · WECHSEL UND VERHANDLUNG

Der Investor sitzt mit am Tisch. Wechsel in ein Private-Equity-Portfoliounternehmen: Was Sie prüfen, bevor Sie zusagen.

Zunehmend mehr Anfragen, die mich für Geschäftsführungs- und Vorstandsrollen erreichen, kommen aus dem Umfeld von Beteiligungsgesellschaften. Das Angebot klingt gut: unternehmerische Freiheit, Beteiligung am Erfolg, Tempo. Dieser Beitrag zeigt, worin sich die Arbeit unter einem Investor von Konzern und Familienunternehmen unterscheidet, warum erfahrene Führungskräfte die Partnerschaftskultur des Sponsors höher gewichten als das Beteiligungsmodell, welche Fragen Sie in den Gesprächen stellen und was in Ihren Vertrag gehört. Dadurch sagen Sie zu, weil Sie wissen, worauf Sie sich einlassen, oder Sie sagen ab, bevor es teuer wird.
Von Sabine Lanius · Stand: September 2026 · Lesezeit rund neun Minuten
Ein Geschäftsführer, Maschinenbau, Ende vierzig, saß vor zwei Jahren bei mir mit einem Angebot auf dem Tisch: CEO eines Mittelständlers, der gerade von einem Investor übernommen worden war, mit Beteiligungsprogramm und einer Vergütung deutlich über seinem Konzerngehalt. Seine Frage war nicht, ob er das kann. Seine Frage war: „Woran erkenne ich, ob das ein Partner ist oder ein Aufpasser?“ Das ist die richtige Frage. Und sie ist inzwischen die häufigste, die mir zu Angeboten aus diesem Umfeld gestellt wird.
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Was unter einem Investor anders ist

Ein Portfoliounternehmen hat einen Eigentümer mit Kalender. Der Investor hat gekauft, um in vier bis sieben Jahren zu verkaufen, und alles, was dazwischen passiert, wird an dieser Rechnung gemessen. Das ist keine Kritik, es ist das Modell. Aber es verändert Ihre Rolle an drei Stellen.
Erstens die Taktung. Im Konzern haben Sie Jahrespläne und Budgetrunden. Unter einem Investor haben Sie einen Wertsteigerungsplan mit Meilensteinen, monatliche Reportings an den Sponsor und ein Board, das aus Investmentmanagern besteht, die jede Zahl kennen. Zweitens die Nähe. Der Eigentümer sitzt nicht in einer Holding in einer anderen Stadt, er sitzt im Beirat, oft im wöchentlichen Call, manchmal in Ihrem Büro. Drittens das Risiko. Ein Teil Ihrer Vergütung hängt am Exit. Läuft der Plan, verdienen Sie mehr als je zuvor. Läuft er nicht, wird die Führung ausgetauscht, und zwar schneller, als Sie es aus Ihrer bisherigen Welt kennen.
Erfahrene Führungskräfte schätzen genau diese Mischung. In einer Befragung von rund tausend CEOs und Top-Managern weltweit sagte fast drei Viertel der Befragten aus börsennotierten Unternehmen, sie könnten sich eine operative Rolle in einem PE-Unternehmen vorstellen (Studie von Spencer Stuart, 2026). Wer einmal in diesem Modell gearbeitet hat, will meist wieder dorthin. Der Reiz ist echt. Die Frage ist, bei welchem Investor.
Was Sie davon haben: Sie bewerten das Angebot nach dem Modell, in dem Sie arbeiten werden, nicht nach dem Titel auf der Visitenkarte.
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Warum die Kultur des Sponsors mehr zählt als das Term Sheet

Wenn Führungskräfte über ein PE-Angebot nachdenken, schauen sie zuerst auf das Beteiligungsmodell: Sweet Equity, Hurdle, Vesting, Leaver-Regeln. Das ist wichtig, und es gehört zum Anwalt. Aber es ist nicht das, was am Ende über Erfolg oder Abgang entscheidet.
In derselben Befragung gewichteten die Führungskräfte zwei Faktoren höher als Dealstruktur und Erfolgsbilanz des Investors: die kulturelle Passung und die Art der Partnerschaft. Nicht aus Weichheit. Die Befragten beschrieben Kultur als Frühindikator für das, was später schiefgeht: starre Playbooks, die auf jedes Unternehmen gleich angewendet werden, Mikromanagement durch den Sponsor, Finanzoptimierung auf Kosten des operativen Geschäfts. Wer das im Gespräch spürt, sieht die Ursache für den Führungswechsel im dritten Jahr, bevor er passiert.
Aus meiner Praxis kann ich das bestätigen. Die Führungskräfte, die nach zwei Jahren aus einem Portfoliounternehmen ausgeschieden sind, hatten selten die Zahlen verfehlt. Sie hatten sich im Betriebsmodell des Investors nicht wiedergefunden: Entscheidungen, die der Sponsor traf und die Geschäftsführung verantworten musste, Freiheit, die im Angebot stand und im Alltag nicht existierte. Ein Satz, den ich in verschiedenen Varianten gehört habe: „Die Autorität lag beim Investor, das Risiko bei mir.“
Deshalb dreht sich die Prüfung um: Nicht zuerst „Was bekomme ich beim Exit?“, sondern „Wie arbeitet dieser Sponsor mit seinen Geschäftsführern, wenn es nicht nach Plan läuft?“ Die Antwort auf die zweite Frage bestimmt, ob Sie die erste je stellen dürfen.
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Acht Fragen an den Sponsor

Diese Fragen gehören in Ihre Gespräche mit dem Investor, spätestens in die zweite Runde. Sie zeigen, dass Sie das Modell verstehen, und die Antworten zeigen Ihnen den Investor.
1. Wie sieht der Wertsteigerungsplan aus, und wer hat ihn geschrieben? Ein Plan, den der Sponsor vor dem Kauf allein erstellt hat, ist Ihr Auftrag. Ein Plan, den Sie in den ersten hundert Tagen mitgestalten dürfen, ist ein Partnerschaftsangebot.
2. Welche Entscheidungen liegen bei der Geschäftsführung, welche beim Board? Konkret: Investitionen ab welcher Höhe, Personalentscheidungen auf der zweiten Ebene, Preispolitik, Zukäufe. Die Grenze muss vor der Zusage klar sein.
3. Wie oft und in welcher Form berichten Sie? Monatliches Reporting ist normal. Wöchentliche Calls mit dem Deal-Team sind ein Signal.
4. Was ist mit der bisherigen Geschäftsführung passiert, und warum? Fragen Sie nach, und sprechen Sie, wenn möglich, mit dem Vorgänger.
5. Wie hat der Sponsor in anderen Beteiligungen auf Planabweichungen reagiert? Beispiele verlangen. Ein Investor, der von „gemeinsam nachgesteuert“ erzählt, ist ein anderer als einer, der von „konsequent gehandelt“ spricht.
6. Wer sitzt im Beirat, und welche operative Erfahrung bringen diese Personen mit? Ein Board nur aus Investmentmanagern führt anders als eines mit erfahrenen Unternehmern.
7. Wie ist der Zeithorizont, und was passiert mit Ihnen beim Exit? Manche Investoren wollen, dass die Führung mit dem Unternehmen zum nächsten Eigentümer geht. Andere sehen den Exit als Ende der Zusammenarbeit.
8. Mit wem aus dem Portfolio darf ich sprechen? Ein Sponsor, der Ihnen zwei Geschäftsführer aus anderen Beteiligungen nennt, hat nichts zu verbergen. Einer, der ausweicht, hat vielleicht doch etwas.
Stellen Sie diese Fragen ruhig und sachlich, als jemand, der schon Angebote geprüft hat. Sie werden dadurch ernster genommen, und keineswegs schwieriger. Investoren wählen Führungskräfte, die verhandeln können. Das Gespräch mit ihnen ist die erste Probe.
Was Sie davon haben: Sie erkennen in zwei Gesprächen, ob dieser Investor Partner oder Aufpasser ist, statt es im zweiten Jahr zu erleben.
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Was in Ihren Vertrag gehört

Ein Vertrag mit einem Portfoliounternehmen hat zwei Teile: den Dienstvertrag und die Beteiligung. Beide werden verhandelt, beide gehören zu einem Anwalt, der PE-Verträge kennt. Aus der Beratung heraus sind das die Punkte, an denen es später am häufigsten hakt:
• Leaver-Regeln. Was passiert mit Ihrer Beteiligung, wenn Sie vor dem Exit ausscheiden, freiwillig oder auf Wunsch der Gesellschafter? Der Unterschied zwischen Good Leaver und Bad Leaver kann sechsstellig sein. Die Definition muss eng sein und darf nicht allein im Ermessen des Sponsors liegen.
• Vesting und Exit-Fälle. Wann ist Ihre Beteiligung verdient, was gilt bei einem vorzeitigen Verkauf, bei einem Teilverkauf, bei einer Refinanzierung?
• Fixum, das trägt. Die Beteiligung ist eine Wette. Das Fixum muss so sein, dass Sie auch dann gut leben, wenn die Wette nicht aufgeht. Wer das Fixum für mehr Equity opfert, verhandelt aus Hoffnung.
• Kündigungsfristen und Abfindungsregeln. Führungswechsel kommen in diesem Modell schnell. Ein Vertrag mit sechs Monaten Frist und klarer Abfindungsregel ist Ihr Sicherheitsnetz.
• Wettbewerbsverbot. Investoren wollen oft weite Verbote. Für Sie kann das nach dem Exit den halben Markt schließen. Eng begrenzen, Karenzentschädigung regeln.
• Eigenes Investment. Manche Programme verlangen, dass Sie selbst Geld einbringen. Prüfen Sie die Summe gegen Ihr Gesamtvermögen, nicht gegen die Verheißung.
Und ein Grundsatz, der über allem steht: Sie verhandeln mit dem Sponsor, nicht mit dem Unternehmen. Der Sponsor entscheidet über Ihre Konditionen, und der Sponsor entscheidet über Ihren Abgang. Wie Sie Vergütung auf dieser Ebene grundsätzlich verhandeln, steht im Beitrag Vergütung auf Top-Level verhandeln.
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Für wen der Wechsel passt, und für wen nicht

Ich rate nicht jedem zu diesem Schritt. Das Modell passt zu Führungskräften, die Entscheidungen mögen, mit Zahlen arbeiten können, Tempo aushalten und für eine begrenzte Zeit alles auf ein Ziel ausrichten wollen. Es passt zu Menschen, die unternehmerisch denken und bereit sind, einen Teil ihrer Vergütung an das Ergebnis zu binden.
Es passt weniger zu Führungskräften, die Sicherheit über Gestaltung stellen, die lange Entwicklungslinien brauchen oder die ihre Autorität aus der Position beziehen und nicht aus dem Ergebnis. Und es passt nicht zu jemandem, der gerade aus einer Trennung kommt und das Angebot annimmt, weil es das erste ist. Der Investor merkt das, und er bepreist es.
Ein Hinweis für alle, die das Modell reizvoll finden, aber nicht als operative Rolle: Beirats- und Advisory-Positionen in Portfoliounternehmen sind ein Weg, der in derselben Befragung von neun von zehn Führungskräften als interessant bewertet wurde. Wer Erfahrung in einem Sektor hat, in dem Investoren gerade kaufen, ist dort gefragt, und die Ansprache läuft über dieselben Personalberater, die auch die Geschäftsführungen besetzen.
Ergebnis vom Ergebnis: Zweite Gesprächsrunde, der Partner des Investors erklärt den Wertsteigerungsplan. Sie stellen die Frage nach den Entscheidungsgrenzen und nach dem Vorgänger. Er antwortet ausführlich, ohne auszuweichen, und bietet Ihnen an, mit zwei Geschäftsführern aus dem Portfolio zu sprechen. Abends wissen Sie, dass Sie zusagen werden, und Sie wissen, warum. Drei Monate später ist der Plan auch Ihr Plan, weil Sie ihn mitgeschrieben haben.
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Sabine Lanius
ÜBER DIE AUTORIN
Sabine Lanius ist Executive Karriereberaterin und ehemalige Headhunterin. Aktiv im Bereich Executive Sparring, Executive Search und berufliche Neuorientierung seit 1998. Rund 1.500 Führungskräfte beraten. Unabhängig von Unternehmen und Personalberatungen.

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