Zum Inhalt springen
Begriff

Status-quo-Effekt

Definition

Der Status-quo-Effekt ist eine Verzerrung der Entscheidungsfindung, bei der Menschen den gegenwärtigen Zustand höher bewerten als mögliche Alternativen und Veränderungen deshalb vermeiden. Beschrieben wurde er 1988 von William Samuelson und Richard Zeckhauser; er beruht auf Verlustaversion und dem Besitztumseffekt.

Wie es in der Praxis läuft

Verluste wiegen psychologisch etwa doppelt so schwer wie gleich große Gewinne. Diese Erkenntnis von Daniel Kahneman und Amos Tversky erklärt den Effekt: Jede Veränderung bedeutet, etwas Bekanntes aufzugeben, und dieser Verlust ist konkret, während der Gewinn unsicher bleibt. Dazu kommt der Besitztumseffekt, den Richard Thaler und Jack Knetsch zeigten: Was wir haben, schätzen wir höher, als wir dafür zahlen würden.

Im Berufsleben zeigt sich das als Bleiben. Die Position ist nicht mehr die richtige, der neue Vorstand passt nicht, die Aufgabe hat sich verkleinert, aber der Schritt nach draußen fühlt sich riskanter an als das Ausharren. Je länger der Zustand dauert, desto stärker wird der Effekt, weil immer mehr investiert ist, das man zu verlieren glaubt.

Was das für Sie als Führungskraft bedeutet

Erfahrene Führungskräfte sind besonders anfällig, weil sie viel zu verlieren haben: Status, Netzwerk im Haus, Pensionsansprüche, die Kenntnis aller Abläufe. Rational betrachtet sind das Argumente, emotional sind sie ein Anker. Die Folge ist oft ein Zeitverlust von Jahren, in denen der eigene Marktwert sinkt, weil die Aufgabe nicht mehr wächst und das Profil nach außen altert.

Der Effekt wirkt auch umgekehrt: Wer zu lange bleibt, wird vom Markt als jemand gelesen, der nicht mehr gefragt wurde. Personalberater fragen bei zwölf Jahren in derselben Rolle, warum. Die Antwort „Es hat gepasst“ trägt bis zu einem bestimmten Punkt.

Worauf Sie achten sollten

Ein Prüfgedanke hilft: Würden Sie die Position heute annehmen, wenn sie Ihnen angeboten würde, zu diesen Bedingungen, mit diesem Vorgesetzten? Wenn die Antwort Nein ist, hält Sie nicht die Position, sondern der Effekt. Zweite Prüfung: Was genau würden Sie verlieren, und was davon ist in zwei Jahren noch da, wenn Sie bleiben?

Ein häufiger Irrtum: Abwarten sei die sichere Variante. Abwarten ist eine Entscheidung mit eigenem Risiko, nur ohne Datum. Die Trennung kommt dann oft von der anderen Seite, zu deren Bedingungen.

Sabines Blick

Fast jeder Klient, der nach einer Trennung zu mir kommt, sagt irgendwann denselben Satz: „Ich hätte zwei Jahre früher gehen sollen.“ Die Zeichen waren da, die Warnsignale auch, aber der Schritt fühlte sich zu groß an. Deshalb arbeite ich mit Klienten, die noch in Position sind, zuerst an der Frage, was sie heute hält, und ob das in ihrem Interesse ist.

Ihr nächster Schritt

Ein Begriff erklärt den Markt. Ihre Lage erklärt er nicht.

Zwanzig Minuten über Ihre Situation.

Im Erstgespräch schildern Sie Ihre Lage, ich frage nach, und am Ende wissen Sie, ob und wie ich Sie auf dem Weg in die nächste Position unterstützen kann. Kostenfrei und vertraulich.