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Begriff

Klebeeffekt

Definition

Der Klebeeffekt beschreibt das Phänomen, dass Führungskräfte mit zunehmender Dauer in derselben Position seltener befördert oder von außen angesprochen werden. Frühere Beurteilungen und das Bild der aktuellen Rolle haften an der Person und überlagern ihre tatsächliche Entwicklung.

Wie es in der Praxis läuft

Intern entsteht der Effekt durch festgefahrene Urteile. Wer vor acht Jahren als „starker Umsetzer“ eingestuft wurde, bleibt das in den Köpfen der Entscheider, auch wenn er inzwischen Strategie und Gremienarbeit beherrscht. Beförderungen gehen an Kollegen, deren Bild frischer ist. Extern wirkt der Effekt über Lebenslauf und Profil: Personalberater lesen zwölf Jahre in einer Rolle als Hinweis darauf, dass niemand gefragt hat. Als Richtwert gelten in der Beratungsbranche drei bis fünf Jahre pro Position, danach erwarten Berater eine Veränderung, auch intern.

Der Effekt verstärkt sich selbst. Je länger die Dauer, desto mehr wird sie zur Erklärung, und desto seltener kommt der Anruf, der sie unterbrechen würde.

Was das für Sie als Führungskraft bedeutet

Langjährige Betriebszugehörigkeit ist auf Ihrer Ebene zweischneidig. Sie belegt Loyalität und Tiefe, und Unternehmen schätzen das bei ihren eigenen Leuten. Im Markt zählt aber die Frage, was sich in dieser Zeit verändert hat: Zuständigkeit, Umsatz, Teamgröße, Länder, Krisen. Wer sechzehn Jahre im Haus war, aber in dieser Zeit vier Rollen mit wachsender Verantwortung hatte, klebt nicht. Wer sechzehn Jahre dieselbe Aufgabe mit demselben Titel hatte, muss erklären.

Der Klebeeffekt ist deshalb vor allem ein Darstellungsproblem, bevor er ein Marktproblem wird. Ein Lebenslauf, der eine lange Station als einen Block zeigt, verschenkt die Entwicklung darin.

Worauf Sie achten sollten

Gliedern Sie lange Stationen nach Rollen, mit eigenen Zeiträumen und Ergebnissen. Halten Sie Ihr Profil auch dann aktuell, wenn Sie nicht wechseln wollen; Berater suchen nach aktuellen Begriffen, nicht nach dem Titel von 2014. Und holen Sie sich alle paar Jahre eine Außensicht, etwa ein Gespräch mit einem Berater Ihrer Branche, damit Sie wissen, wie der Markt Sie liest.

Ein häufiger Irrtum: Der nächste Schritt müsse ein Wechsel des Arbeitgebers sein. Oft reicht ein sichtbarer Schritt im Haus, eine neue Zuständigkeit, ein Projekt mit Gremienkontakt, um das Bild zu erneuern. Aber er muss sichtbar sein, nach innen und in Ihrem Profil.

Sabines Blick

Typisch ist der Lebenslauf, der für zwanzig und mehr Jahre im selben Konzern eine einzige Zeile hat. Nach unserer Arbeit sind es meist mehrere Abschnitte mit erkennbaren Verantwortungssprüngen, und Berater lesen plötzlich eine Laufbahn statt einer Dauer. Die Zeit ist dieselbe, nur die Erzählung hatte gefehlt.

Ihr nächster Schritt

Ein Begriff erklärt den Markt. Ihre Lage erklärt er nicht.

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