Jobwechsel nach 28 Jahren im selben Unternehmen: Abschied und Neubeginn. Mit Frank Müller
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Warum dieses Thema?
Nach 28 Jahren im selben Unternehmen ist plötzlich Schluss. Ein neuer Eigentümer, eine Umstrukturierung, und der Platz in der Geschäftsleitung fällt weg. Wer so lange dabei war, verliert mehr als eine Position: ein Stück Zugehörigkeit, einen Tagesrhythmus, einen Status. In dieser Folge spreche ich mit Frank Müller, der genau das erlebt hat und den ich in seiner Übergangsphase beraten habe. Wir sprechen offen darüber, wie er den Abschied gestaltet, die Freistellung genutzt und seine neue Aufgabe gefunden hat. Sie erfahren, welche Schritte aus dieser Phase eine Zeit machen, aus der man gestärkt herausgeht.
Das erfahren Sie in dieser Folge
Sich die Zeit für den Abschied nehmen
Wer seinen Job nach Jahrzehnten verliert und behauptet, nach kurzer Zeit darüber hinweg zu sein, hat sich wohl wenig mit seiner Aufgabe identifiziert. In der Folge wird deutlich, wie hart die erste Phase sein kann: das Gefühl, nicht mehr mitspielen zu dürfen, obwohl man 28 Jahre gute Arbeit geleistet hat. Geholfen haben Gespräche mit Familie, Freunden und Kollegen, die dasselbe Schicksal teilten, und bewusst einige Wochen, um die Situation zu verarbeiten. Diese Zeit ist gut investiert. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Sie im ersten Gespräch nach vorn schauen und nicht zurück.
Professionell übergeben
Ein Teil dieser Geschichte hat mich besonders beeindruckt. Noch bevor klar war, wie es persönlich weitergeht, wurde das Geschäft sauber an den neuen Eigentümer übergeben: Standorte und Kunden vorgestellt, das eigene Team so gut wie möglich beim neuen Arbeitgeber platziert. Viele aus diesem Team sind heute noch dort. Nie schlecht über den neuen Eigentümer reden, keine offenen Baustellen hinterlassen: Dieser Anspruch zahlt sich aus. Wer so geht, kann in den Spiegel schauen. Und sein Ruf im Markt eilt ihm voraus, wenn er die nächsten Gespräche führt.
Selbstbewusstsein wieder aufbauen
Nach dem Ausscheiden kommt oft eine unerwartete Einsamkeit. Die langen Arbeitstage sind weg und mit ihnen der Status. Im ersten Bewerbungsgespräch fühlt man sich, als finge man ganz unten an, ohne Team und ohne Rückendeckung. Dazu der Gedanke, andere könnten es vielleicht besser. Geholfen hat die Erkenntnis, dass die Entscheidung von außen kam und nichts über die eigene Leistung aussagt. Und der Blick auf die Erfahrung: viele Jahre in Führungspositionen, an verschiedenen Orten. Eine Gewohnheit aus dieser Zeit ist geblieben. Jeden Freitag ein leeres Blatt: Was habe ich diese Woche für meine Kunden, meinen Arbeitgeber und mich getan?
Auswählen statt nehmen, was kommt
Als klar war, was er machen wollte und was nicht mehr, liefen die Gespräche erstaunlich leicht. Wichtig war, auch Nein zu sagen, zu Arbeitgebern und Funktionen, die nicht passten, und nicht die erstbeste Gelegenheit zu ergreifen. Die passenden Kontakte kamen aus dem eigenen Netzwerk, das über Jahre gepflegt worden war. Das ist die Szene, auf die viele hinarbeiten: Ein früherer Kollege ruft an, ein Gespräch ergibt das nächste, und am Ende sitzen Sie mit den richtigen Leuten am Tisch und entscheiden selbst, ob Sie zusagen.
Mit einem Plan in die neue Rolle
Als die neue Position feststand, haben wir in unserer gemeinsamen Arbeit den Übergang vorbereitet. Ein Baustein war ein Szenario zu der Frage, was die beginnende Pandemie für das Geschäft bedeuten könnte. Daraus wurde eine Präsentation vor dem Managementkreis des neuen Arbeitgebers, noch vor dem ersten Arbeitstag. Die Entwicklung verlief später anders, als damals jemand ahnen konnte. Der Effekt war trotzdem da: Die neuen Kollegen lernten jemanden kennen, der mitdenkt, bevor er offiziell angefangen hat. Ein früher Auftritt wie dieser erleichtert jedes Onboarding.
Für wen ist diese Folge?
Diese Folge ist für Sie, wenn Sie nach vielen Jahren im selben Unternehmen durch Übernahme oder Umstrukturierung ausscheiden und gerade in der Freistellung sind. Ebenso, wenn Sie Ihre neue Position bereits gefunden haben und den Übergang bewusst gestalten wollen, statt einfach am ersten Tag anzufangen.
Was würden Sie auf ein leeres Blatt schreiben, wenn Sie heute Abend notieren, was Sie diese Woche für sich getan haben?