Karriereanker (nach Schein)
Karriereanker sind nach dem Organisationspsychologen Edgar H. Schein die Kombination aus Kompetenzen, Motiven und Werten, die ein Mensch bei beruflichen Entscheidungen nicht aufgibt. Schein unterscheidet acht Anker, darunter General Management, fachliche Kompetenz, Autonomie, Sicherheit und unternehmerische Kreativität.
Wie es in der Praxis läuft
Schein entwickelte das Modell aus einer Langzeitstudie über Managerkarrieren am MIT. Seine Beobachtung: Menschen treffen viele berufliche Entscheidungen, aber eine Sache geben sie nicht her, auch wenn alles andere stimmt. Das ist der Anker. Die acht Anker sind fachliche Kompetenz, General Management, Autonomie, Sicherheit und Beständigkeit, unternehmerische Kreativität, Dienst und Hingabe, totale Herausforderung und Lebensstil-Integration.
Ermittelt wird der Anker über einen Fragebogen und ein strukturiertes Interview zur eigenen Laufbahn: Welche Wechsel haben Sie vollzogen, welche abgelehnt, und warum? In der Karriereberatung ist das Modell Standard, in der Management-Diagnostik taucht es in Varianten auf.
Was das für Sie als Führungskraft bedeutet
Nach zwanzig Jahren Laufbahn kennen Sie Ihren Anker meist, haben ihn aber selten benannt. Er erklärt, warum eine Position mit mehr Gehalt und Titel sich falsch anfühlte und eine andere mit weniger Budget richtig. Ein Manager mit dem Anker General Management will Verantwortung für ein Ganzes und leidet in einer Stabsfunktion. Jemand mit dem Anker Autonomie scheitert in einer engen Matrix, egal wie attraktiv die Vergütung ist.
Für Ihre nächste Position ist der Anker das erste Filterkriterium, noch vor Branche und Größe. Er entscheidet, ob Sie in der neuen Rolle nach zwei Jahren wieder unruhig werden. Personalberater fragen indirekt danach, wenn sie nach Ihren Wechselgründen fragen.
Worauf Sie achten sollten
Ein häufiger Irrtum: Der Anker verändere sich mit dem Alter. Schein selbst hielt ihn für stabil; was sich ändert, ist die Bereitschaft, ihn zu benennen. Wer mit 50 sagt, er wolle „jetzt etwas Sinnvolles“ tun, hatte den Anker Dienst und Hingabe oft schon immer, hat ihn aber der Karriere untergeordnet.
Zweiter Irrtum: Mehrere Anker gleichzeitig seien ein Zeichen von Unentschlossenheit. Die meisten Menschen haben einen dominanten und einen zweiten Anker. Entscheidend ist, was Sie im Konfliktfall aufgeben würden. Diese Frage ehrlich zu beantworten, erspart Ihnen eine Fehlbesetzung.
Sabines Blick
Ich arbeite in der Standortbestimmung mit diesem Modell, weil es Klienten in einer Stunde eine Sprache für etwas gibt, das sie seit Jahren spüren. Typisch ist der Moment, in dem jemand seinen Anker erkennt und daraufhin Positionen von seiner Liste streicht, um die er sich gerade bemüht. Die Rolle, die danach passt, ist oft kleiner als geplant und trägt länger.