Headhunter sind keine Jobhunter
Ein Headhunter sucht keine Position für Sie, er besetzt ein Mandat für ein Unternehmen. Die Suche beginnt mit dem unterschriebenen Auftrag und endet mit dem Vertrag des ausgewählten Kandidaten. Dazwischen zählt nur die Passung zum Suchprofil, nicht die Qualität eines Lebenslaufs im Allgemeinen.
Wie es in der Praxis läuft
Der Personalberater bekommt vom Unternehmen ein Mandat: eine Position, ein Profil, ein Honorar. Er baut dafür eine Longlist aus Datenbank, Netzwerk und Research, spricht die passendsten Kandidaten an und stellt dem Mandanten eine Shortlist vor. Sein Auftraggeber ist das Unternehmen, das die Rechnung bezahlt. Kandidaten sind für ihn Mittel zum Zweck, fair und diskret behandelt, aber nicht sein Kunde.
Der Satz „Mein Lebenslauf spricht für sich, da werde ich schon gefunden“ stimmte für eine Phase, in der Berater aus ihrem persönlichen Netzwerk besetzten. Heute suchen sie für jedes Mandat so spezifisch wie möglich, in Datenbanken und auf LinkedIn. Der Anruf kommt nur, wenn Sie exakt ins Raster fallen, und das Raster ist eng.
Was das für Sie als Führungskraft bedeutet
Das stille Telefon ist kein Urteil über Ihren Wert. Es ist die Mathematik eines größer gewordenen Marktes: mehr Kandidaten, mehr Berater, engere Suchprofile. Wer früher dreimal im Jahr angerufen wurde, hat heute vielleicht einmal in zwei Jahren Glück, auch bei unverändert gutem Profil.
Was Sie beeinflussen können, ist die Trefferwahrscheinlichkeit. Ein Profil, das für eine klar benannte Situation steht, mit den Begriffen, nach denen Berater suchen, erscheint in der Datenbank, wenn das passende Mandat kommt. Ein Profil, das für alles steht, erscheint nie. Und was Sie zusätzlich tun können, ist, nicht auf den Anruf zu warten, sondern Entscheider direkt anzusprechen.
Worauf Sie achten sollten
Drei Mythen kosten Monate. Erstens: Alte Headhunter-Kontakte lassen sich aktivieren. Der Berater von vor acht Jahren hat heute andere Mandate, und Ihr Profil liegt in einer Datenbank, die er nach aktuellen Kriterien durchsucht. Zweitens: Mehr als zwei Berater verbrennen das Profil. Das Gegenteil stimmt, solange Sie dieselbe klare Geschichte erzählen. Drittens: Man sollte sich regelmäßig in Erinnerung bringen. Berater erinnern sich an scharfe Profile, nicht an häufige Anrufe.
Wer vom Headhunter eine Einschätzung seines Marktwerts, Hinweise zum Lebenslauf oder Türen zu Unternehmen erwartet, verwechselt ihn mit Karriereberatung. Beides greift ineinander, aber die Rollen sind verschieden.
Sabines Blick
Ich habe diesen Satz seit fast dreißig Jahren im Ohr, erst als Headhunterin, dann als Beraterin: „Da werde ich schon gefunden.“ Gunnar Belden, selbst Personalberater, hat es im Gespräch mit mir deutlich gesagt: Wir suchen für den Kunden, nicht für den Kandidaten. Das klingt hart und ist eine Befreiung. Denn wenn der Headhunter nicht für Sie sucht, dürfen Sie aufhören zu warten und anfangen, selbst zu handeln.