Headhunter-Anruf
Der Headhunter-Anruf ist die telefonische Erstansprache durch einen Personalberater, der im Auftrag eines Unternehmens eine Führungsposition besetzt. Er dient dazu, Interesse zu prüfen und ein vertrauliches Gespräch zu vereinbaren; die Position selbst wird am Telefon meist nur in Umrissen beschrieben.
Wie es in der Praxis läuft
Der Anruf kommt häufig auf dem Diensttelefon, weil die private Nummer unbekannt ist. Der Berater stellt sich kurz vor, nennt den Anlass in groben Zügen („eine Geschäftsführungsposition im Maschinenbau, Süddeutschland, mittelständisch“) und fragt, ob ein Gespräch zu einem besseren Zeitpunkt möglich ist. Namen des Mandanten nennt er am Telefon nicht. Alternativ fragt er, ob Sie jemanden kennen, der passen könnte; das ist oft eine höfliche Form, Ihr eigenes Interesse zu prüfen.
Rechtlich ist diese kurze Erstansprache am Arbeitsplatz zulässig. Der Bundesgerichtshof hat 2004 entschieden, dass ein Personalberater einen Mitarbeiter am Arbeitsplatz anrufen darf, um Interesse abzufragen und einen Gesprächstermin zu vereinbaren; ausführliche Gespräche gehören nicht in die Arbeitszeit. Für Fragen zu Ihrem eigenen Vertrag, etwa Nebenpflichten oder Wettbewerbsverboten, ist ein Fachanwalt für Arbeitsrecht zuständig.
Was das für Sie als Führungskraft bedeutet
Der Anruf ist ein Marktsignal: Jemand hat Sie als passend für ein Suchprofil identifiziert. Wie Sie reagieren, entscheidet darüber, ob dieser Berater Sie in seiner Datenbank als ansprechbar vermerkt oder nicht. Wer abweist („Ich bin nicht auf dem Markt“) ist beim nächsten Mandat nicht mehr auf der Liste. Wer sich Zeit für ein zehnminütiges Gespräch am Abend nimmt, bleibt im Blick, auch wenn diese Position nicht passt.
Das Gespräch läuft in beide Richtungen. Sie erfahren, was der Markt gerade sucht und wie Ihr Profil wahrgenommen wird. Und Sie können Fragen stellen: Wer ist der Mandant, wie weit ist die Suche, welche Vergütung ist hinterlegt. Ein seriöser Berater beantwortet das im zweiten Gespräch.
Worauf Sie achten sollten
Der häufigste Fehler: am Diensttelefon ausführlich zu werden. Bitten Sie um einen Rückruf auf der privaten Nummer am Abend. Der zweite: die Gehaltsfrage sofort zu beantworten. Nennen Sie eine Spanne erst, wenn Sie die Rolle kennen. Der dritte: zu vergessen, dass der Berater für das Unternehmen arbeitet, nicht für Sie. Er sucht die beste Besetzung für seinen Mandanten; Ihre Interessen vertreten Sie selbst.
Sabines Blick
Als Headhunterin habe ich Hunderte dieser Anrufe geführt. In Erinnerung geblieben sind die Gesprächspartner, die freundlich waren, einen Termin vorschlugen und am Abend vorbereitet zurückriefen: mit zwei Fragen zur Position und einer klaren Aussage, was für sie interessant wäre. Diese Namen blieben auf meiner Liste, auch wenn es damals nicht passte. Meine Klienten heute bereiten sich auf diesen Anruf vor, bevor er kommt: Was sage ich in zwei Sätzen über mich, und was will ich wissen?