Erstgespräch beim Personalberater
Das Erstgespräch beim Personalberater ist der Auswahlschritt, in dem der Berater klärt, ob er seinen Namen für einen Kandidaten beim Mandanten einsetzt. Es dauert oft zwei bis drei Stunden, meist per Video und häufig zu zweit geführt. Es ist das eigentliche Verfahren, keine Formsache vor dem Kundengespräch.
Wie es in der Praxis läuft
Der Berater hat aus der Longlist eine Handvoll Kandidaten ausgewählt und will jetzt wissen, wen er dem Mandanten vorstellt. Sein Ruf hängt an dieser Auswahl. Deshalb ist das Gespräch gründlich: Werdegang chronologisch, jede Station mit Wechselgrund, die Ergebnisse der letzten Jahre, die Führungserfahrung, die Motivation für genau diese Position, die Vergütungserwartung.
Viele Berater arbeiten mit einem Schema von etwa 50, 30, 20: Die Hälfte des Gewichts liegt auf der Fachlichkeit, knapp ein Drittel auf den sogenannten Soft Skills, der Rest auf der Persönlichkeit. Fachlich passen auf dieser Ebene alle Kandidaten der Liste, sonst stünden sie nicht darauf. Die andere Hälfte gibt den Ausschlag. Und die meisten Berater sagen, dass sie mit ihrer Einschätzung in mehr als neun von zehn Fällen richtig liegen.
Was das für Sie als Führungskraft bedeutet
Sie sprechen mit dem Menschen, der entscheidet, ob Sie das Unternehmen überhaupt zu sehen bekommen. Gleichzeitig ist er Ihr erster Verbündeter: Wenn Sie passen, will er Sie platzieren, weil das sein Mandat erfüllt. Er ist nicht Ihr Gegner, aber er sitzt auf der anderen Seite des Tisches und arbeitet für das Unternehmen.
Was Sie nach einem guten Erstgespräch haben, ist mehr als eine Einladung zum Mandanten. Sie wissen, wie die Position intern wirklich aussieht, warum sie frei ist und was das Gremium erwartet. Diese Informationen bekommen Sie nur hier, und nur, wenn Sie fragen.
Worauf Sie achten sollten
Die Kamera verrät den Blick zum zweiten Bildschirm mit Notizen. Berater sehen das sofort und lesen es als Unsicherheit. Bereiten Sie sich so vor, dass Sie keine Notizen brauchen: drei Ergebnisse mit Zahlen, jeder Wechselgrund in einem Satz, Ihre Motivation für diese Rolle ohne Umweg.
Eine Frage legt Ihre Führung offen: „Was schätzen Sie an Ihren Mitarbeitenden besonders?“ Wer hier über Loyalität und Fleiß spricht, zeigt ein anderes Führungsbild als jemand, der über Widerspruch und Eigenverantwortung spricht. Beides ist legitim, aber nur eines passt zum jeweiligen Mandat. Antworten Sie ehrlich, nicht taktisch.
Sabines Blick
Ich habe diese Gespräche selbst Hunderte Male geführt. Was mich überzeugt hat, war nie die Fülle der Erfahrung, sondern die Klarheit darüber, was jemand kann und was nicht. Ein Kandidat, der sagt „Restrukturierung ja, Wachstum habe ich noch nicht gemacht“, bekommt mein Vertrauen. Einer, der alles kann, bekommt meine Vorsicht. Der Berater prüft nicht, ob Sie perfekt sind. Er prüft, ob er sich auf das verlassen kann, was Sie sagen.