Initiativansprache vs. Blindbewerbung
Die Blindbewerbung schickt vollständige Unterlagen ohne Anlass an Personalabteilungen. Die Initiativansprache richtet eine Seite mit konkretem Anlass und belegtem Angebot an die Person, die über die Position entscheiden kann, und bittet um ein Gespräch, nicht um eine Stelle. Beide Wege sehen ähnlich aus und wirken entgegengesetzt.
Wie es in der Praxis läuft
Die Blindbewerbung ist der Reflex nach der Trennung: Lebenslauf aktualisieren, ein allgemeines Anschreiben formulieren, an fünfzig Unternehmen schicken. Die Unterlagen landen in der Personalabteilung, werden ins ATS eingelesen und mit offenen Stellen abgeglichen. Gibt es keine, kommt eine freundliche Absage oder nichts.
Die Initiativansprache arbeitet anders. Sie beginnt mit Recherche: Welches Unternehmen hat gerade ein Problem, das Sie lösen können? Wer entscheidet dort über die Position, die es dafür bräuchte, meist zwei Ebenen über der Stelle? Dann folgt eine Seite an diese Person, mit dem Anlass, einem belegten Ergebnis aus Ihrer Vergangenheit und der Bitte um ein Gespräch von zwanzig Minuten.
Was das für Sie als Führungskraft bedeutet
Acht sorgfältige Ansprachen bringen nach meiner Erfahrung mehr Gespräche als achtzig Mailings, und andere Gespräche. Beim Mailing sprechen Sie, wenn überhaupt, mit jemandem, der eine Stelle besetzen muss und Sie gegen eine Anzeige prüft. Bei der Ansprache sprechen Sie mit jemandem, der ein Problem hat und in Ihnen eine mögliche Lösung sieht. Zwölf Ansprachen, jede etwa eine Stunde Arbeit, ergeben in der Regel drei bis fünf Gespräche.
Diese Gespräche fühlen sich anders an. Niemand fragt nach Ihren Schwächen. Der Entscheider erzählt von seiner Situation, Sie hören zu und fragen nach, und irgendwann sagt er: „Eigentlich bräuchten wir jemanden wie Sie.“ Die Position entsteht im Gespräch, nicht in der Anzeige.
Worauf Sie achten sollten
Die Blindbewerbung beruhigt, weil sie sich nach Aktivität anfühlt. Genau darin liegt ihr Schaden. Sie erreicht die Falschen, hinterlässt Einträge in fremden Datenbanken, und wenn derselbe Lebenslauf bei fünf Wettbewerbern auftaucht, entsteht der Eindruck von Verzweiflung. Personalberater sehen das, denn Unternehmen leiten solche Unterlagen oft an ihre Berater weiter.
Von beidem parallel rate ich ab. Der Sprinkler löscht, was die gezielte Ansprache aufbaut: die Wahrnehmung, dass Sie wählerisch sind und wissen, wohin Sie wollen. Ein Entscheider, der Ihre Ansprache liest und drei Tage später Ihre Unterlagen über die Personalabteilung bekommt, zieht seine Schlüsse.
Sabines Blick
Ich erlebe regelmäßig, wie Führungskräfte mit zwanzig Jahren Managementerfahrung in den Sprinklermodus schalten. Menschen, die im Unternehmen jede Investition prüfen, verschicken ihre eigene Zukunft nach dem Gießkannenprinzip. Wenn ich sie bitte, die Rechnung aufzumachen, Gespräche pro Stunde Aufwand, wird es still. Danach bauen wir eine Zielfirmenliste, und der Sprinkler bleibt aus.