Zum Inhalt springen
Begriff

Ghost Jobs

Definition

Ghost Jobs sind Stellenanzeigen ohne Stelle dahinter, weil die Position intern bereits besetzt, das Budget gestrichen oder die Anzeige nie abgeschaltet wurde. Auf Führungsebene kommt die Pflichtausschreibung hinzu, bei der die Entscheidung für einen internen Kandidaten schon gefallen ist, bevor die Anzeige erscheint.

Wie es in der Praxis läuft

Unternehmen schalten Anzeigen ohne echte Stelle aus unterschiedlichen Gründen. Manche sammeln Profile für den Fall, dass ein Bedarf entsteht. Manche wollen nach außen Wachstum signalisieren oder der eigenen Belegschaft zeigen, dass Entlastung kommt. Manche Anzeigen laufen schlicht weiter, weil niemand sie abgeschaltet hat. Und auf Führungsebene gibt es die Pflichtausschreibung: Die Position muss formal ausgeschrieben werden, obwohl der Nachfolger längst feststeht.

In den USA wird nach Erhebungen von Jobplattformen bis zu jede fünfte Online-Anzeige nie besetzt, und vier von zehn befragten Personalverantwortlichen räumten ein, im Vorjahr eine Anzeige ohne echte Stelle geschaltet zu haben. Für Deutschland fehlt eine vergleichbare Erhebung. Die Mechanik sehe ich in der Beratung trotzdem jede Woche.

Was das für Sie als Führungskraft bedeutet

Der Schaden liegt nicht in der Stunde für die Bewerbung. Er liegt in der Warteschleife danach: Sie rechnen mit einer Antwort, planen andere Schritte um die vermeintliche Chance herum und deuten das Schweigen als Urteil über sich. Dabei gab es nie eine Entscheidung, nur eine Anzeige.

Wer das weiß, liest Stellenanzeigen anders. Eine Anzeige ist eine Information über Bedarf, keine Einladung. Sie sagt Ihnen, dass ein Unternehmen in einem Bereich etwas bewegen will. Diese Information ist wertvoll, auch wenn die Stelle selbst nicht existiert, denn sie führt Sie zu einem Entscheider, mit dem sich ein Gespräch lohnt.

Worauf Sie achten sollten

Ein Sechs-Punkte-Test dauert zehn Minuten. Ist ein Personalberater mit Namen genannt oder nur eine anonyme Adresse? Steht die Anzeige seit mehr als drei Monaten unverändert? Gibt es die Position im Organigramm oder auf LinkedIn bereits mit einem Inhaber? Passt die Anzeige zu aktuellen Nachrichten über das Unternehmen? Ist der Text so allgemein, dass er auf jede Firma passen würde? Und: Wird die Rolle gleichzeitig von einem Berater gesucht?

Ein häufiger Irrtum: Je höher die Ebene, desto seriöser die Anzeige. Das Gegenteil gilt oft. Positionen auf Geschäftsführungsebene werden selten ausgeschrieben, und wenn doch, lohnt die Frage, warum. Wer sich stattdessen über Initiativansprache an die Person wendet, die zwei Ebenen über der Stelle entscheidet, umgeht das Problem.

Sabines Blick

Ich erlebe regelmäßig, dass Führungskräfte nach Wochen der Funkstille auf eine Anzeige fragen, was sie falsch gemacht haben. Meist nichts. Die Anzeige stand seit Monaten online, und die eigentliche Suche lief längst über einen Personalberater mit eigener Shortlist. Der bessere Weg führt deshalb an der Anzeige vorbei: den Berater recherchieren, der die Suche tatsächlich führt, und ihn direkt ansprechen. Wer das tut, spricht mit dem Menschen, der entscheidet, statt auf ein Postfach zu warten.

Ihr nächster Schritt

Ein Begriff erklärt den Markt. Ihre Lage erklärt er nicht.

Zwanzig Minuten über Ihre Situation.

Im Erstgespräch schildern Sie Ihre Lage, ich frage nach, und am Ende wissen Sie, ob und wie ich Sie auf dem Weg in die nächste Position unterstützen kann. Kostenfrei und vertraulich.