Freiwilligenprogramm
Ein Freiwilligenprogramm ist ein standardisiertes Angebot des Unternehmens, das Arbeitsverhältnis einvernehmlich zu beenden, mit fester Abfindungsformel, Stichtag und einem Bündel aus Freistellung, Zeugnis und oft Outplacement. Es ist ein Rahmen; unterschrieben wird trotzdem ein individueller Aufhebungsvertrag.
Wie es in der Praxis läuft
Unternehmen legen Freiwilligenprogramme auf, wenn sie Personal abbauen wollen, ohne betriebsbedingt zu kündigen. Die Formel ist für alle gleich, etwa ein Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr mit Deckelung, dazu kommen Turboprämien für schnelle Zusagen, verlängerte Freistellung und ein Outplacement-Paket. Das Programm hat einen Stichtag, danach gilt das Angebot nicht mehr.
Die Kommunikation ist bewusst allgemein gehalten. Niemand sagt Ihnen, ob Ihre Rolle gemeint ist. Das Unternehmen will, dass sich die melden, die ohnehin gehen wollen oder deren Positionen wegfallen, und hofft, dass die Leistungsträger bleiben. Ob Sie zur ersten oder zur zweiten Gruppe gehören, müssen Sie selbst lesen.
Was das für Sie als Führungskraft bedeutet
Lesen können Sie es an Signalen: zusammengelegte Bereiche, ein Vorgesetzter, der der Frage nach Ihrer künftigen Rolle ausweicht, Projekte, die an andere gehen, ein Organigramm, in dem Ihr Kasten kleiner geworden ist. Die acht Warnsignale helfen bei dieser Lektüre.
Die Formel ist für die Breite der Belegschaft gerechnet. Ihren Fall mit langer Kündigungsfrist, variabler Vergütung, Dienstwagen und Wettbewerbsverbot bildet sie selten ab. Was Sie am Ende unterschreiben, ist ein Aufhebungsvertrag, und der ist verhandelbar, auch innerhalb eines Programms. Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht sollte ihn prüfen, bevor Sie zusagen.
Worauf Sie achten sollten
Der Stichtag erzeugt Druck, und Druck führt zu Entscheidungen aus dem Bauch. Prüfen Sie zuerst den Markt: zwei bis drei Wochen leise Sondierung mit vier bis fünf Personalberatern, ein Blick auf Ihre Zielfirmen, ein ehrliches Gespräch mit zwei Menschen aus Ihrem Netzwerk. Danach wissen Sie, ob das Angebot eine Brücke oder ein Sprung ins Leere ist. Wer sondiert hat, verhandelt anders.
Ein verbreiteter Irrtum: Wer nicht geht, ist sicher. Auf die freiwillige Runde folgt oft eine unfreiwillige, mit schlechteren Konditionen und ohne Turboprämie. Und die Sperrzeit beim Arbeitslosengeld gehört in jede Rechnung, auch wenn die Abfindung hoch wirkt.
Sabines Blick
Ein Bereichsleiter rief mich an und fragte: „Ist das ein Angebot oder eine Warnung?“ Meine Antwort war: beides, und die Reihenfolge Ihrer nächsten Schritte entscheidet, was es für Sie wird. Wer vor dem Stichtag sondiert und mit Personalberatern gesprochen hat, unterschreibt anders: mit einem Paket, das über die Formel hinausgeht. Nicht weil er droht, sondern weil er weiß, was er draußen wert ist.