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KARRIERE-BLOG · BEWERBUNG AUF TOP-LEVEL

Was Headhunter wirklich lesen. Lebenslauf, Anschreiben und Profil aus der Sicht derer, die sortieren.

Ein Personalberater sieht für ein einziges Mandat auf Geschäftsführungsebene leicht über hundert Unterlagen. Er vergleicht, sortiert, rechnet Jahreszahlen nach und legt ab. Wie er dabei liest, unterscheidet sich deutlich von dem, was Ratgeber empfehlen. Dieser Beitrag fasst zusammen, was erfahrene Headhunter über Lebensläufe, Anschreiben und Online-Profile sagen, wenn man sie direkt fragt. Dadurch bauen Sie Unterlagen, die im Stapel oben bleiben, statt nach dreißig Sekunden weggelegt zu werden.
Von Sabine Lanius · Stand: September 2026 · Lesezeit rund acht Minuten
Im zweiten und dritten Teil meiner Podcastreihe mit zwei Frankfurter Personalberatern ging es um Unterlagen: den Lebenslauf, das Anschreiben, das Online-Profil. Manches deckt sich mit dem, was ich seit Jahren rate. Manches war deutlicher, als ich es selbst formuliert hätte. Hier ist beides, aus der Perspektive derer, die täglich sortieren.
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Vergleichbarkeit schlägt Kreativität

Der häufigste Wunsch von Mandanten an ihre Berater lautet nicht „zeigen Sie mir spannende Persönlichkeiten“. Er lautet: „Machen Sie es mir vergleichbar.“ Ein Gesellschafter, der fünf Kandidaten auf dem Tisch hat, will nicht bei jedem neu suchen, wo die aktuelle Position steht, ob die Reihenfolge vorwärts oder rückwärts läuft und ob zwei Stationen parallel liefen oder nacheinander.
Daraus folgt die erste Regel der Headhunter: Der Lebenslauf ist kein Ort für Kreativität. Die Vorlagen mit Grafiken, Kompetenzbalken, Tagesablauf-Diagrammen und Social-Media-Optik, die derzeit kursieren, auch von bekannten Namen genutzt, erzeugen bei Beratern vor allem eines: Aufwand. Sie sprengen den Vergleich, sie lassen sich in Bewerbermanagementsystemen nicht sauber lesen, und sie lenken von dem ab, worauf es ankommt.
Wenn Sie so etwas mögen, hängen Sie es an. Als Anhang kann eine Visualisierung sogar hilfreich sein, für die Fachabteilung, die tiefer einsteigt. Der Lebenslauf selbst bleibt klassisch: klar strukturiert, rückwärts chronologisch, Parallelitäten gekennzeichnet, Jahreszahlen, die sich nachrechnen lassen. Denn das tun Berater. Sie rechnen nach.
Was Sie davon haben: Ihr Lebenslauf wird in der Zeit gelesen, die er bekommt, und nicht in der Zeit, die er kosten würde.
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Zwei Seiten und eine Handschrift

Wie lang? Die Antwort der Berater ist einhellig: zwei Seiten, höchstens zweieinhalb. Der Mandant liest nicht gern, und alles, was über die Kernfakten hinausgeht, gehört in den Anhang: Zeugnisse, Projektlisten, Referenzen.
Bewährt hat sich eine Kombination, die ich auch meinen Klienten empfehle: eine einseitige Executive Summary für den ersten Kontakt, ein zweiseitiger Lebenslauf für das Verfahren, dazu Anhänge nach Bedarf. Wer einem Berater initiativ eine Seite schickt, auf der Unternehmen, Positionen und Verantwortung sauber untereinanderstehen, wird gelesen. Wer zehn Seiten schickt, wird abgelegt.
Je höher die Position, desto wichtiger wird etwas, das Berater „Handschrift“ nennen. Der Lebenslauf einer Geschäftsführerin ist auch ein Arbeitsdokument: Er zeigt, wie diese Person strukturiert, gewichtet, formuliert. Ein schlecht gebauter Lebenslauf sagt dem Leser nicht nur „hier fehlt Sorgfalt“, sondern „so arbeitet dieser Mensch“. Sie haben, wie es ein Berater formulierte, genau einen ersten Eindruck.
Und noch eine Lesart, die viele überrascht: Zu jeder Station gehören nicht nur Funktion und Aufgaben, sondern in Stichworten das, was Sie bewegt haben. Berater lesen diese Zeilen sehr genau, nicht weil sie alles glauben, sondern weil sie prüfen, ob es plausibel ist. Und weil es ihnen die beste Vorlage gibt, im Gespräch tiefer einzusteigen. In der Regel stimmt es. Wer nur Aufgaben auflistet, verschenkt die Zeile, die den Unterschied macht.
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Drei Angaben, die Sie nicht auslassen dürfen

Es gibt Fragen, die in Stellenprofilen oder im Erstkontakt gestellt werden und die viele Kandidaten bewusst offenlassen, um sie „im Gespräch zu klären“. Berater sehen das anders. Wenn eine Frage vom Unternehmen ausdrücklich gestellt wird und unbeantwortet bleibt, wandert die Unterlage in der Regel zurück auf den Stapel.
Umzugsbereitschaft. Wenn die Position Präsenz am Standort verlangt, von Montag bis Freitag, mit Familie, dann steht das aus gutem Grund im Profil. Nichts ist für Berater und Mandant ärgerlicher als ein Kandidat in der letzten Runde, dessen Familie dann doch nicht mitzieht. Wer umzugsbereit ist, schreibt es. Wer es nicht ist, spart allen Beteiligten Zeit.
Vergütungsvorstellung. Das heikelste Thema, und trotzdem: Wenn danach gefragt wird, nennen Sie eine Spanne. Nicht eine Zahl, eine Spanne, in der Sie sich wiederfinden möchten, mit dem Hinweis auf die Bestandteile, die für Sie zählen: Fixum, variabel, Altersversorgung, Fahrzeug. Berater kennen das Paket des Mandanten und können hochrechnen, ob es passt. Wer schweigt, wirkt entweder unsicher oder überzogen. Wer eine realistische Spanne nennt, wirkt marktkundig.
Verfügbarkeit. Kündigungsfrist, frühestmöglicher Antritt, laufende Verpflichtungen. Eine Zeile, die Rückfragen spart.
Die Logik dahinter: Berater müssen dem Mandanten Kandidaten präsentieren, bei denen die harten Rahmenbedingungen geklärt sind. Alles, was Sie ihnen an Klärungsarbeit abnehmen, macht Sie leichter präsentierbar.
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Das Anschreiben: Wofür es wirklich da ist

Braucht es das Anschreiben noch? Die Berater sagen: Es kommt darauf an, wie der Kontakt entsteht. Wenn Sie vorher telefoniert haben, reicht eine kurze E-Mail, die auf das Gespräch Bezug nimmt und die Unterlagen anfügt. Der Dreizeiler „anbei meine Bewerbung auf die ausgeschriebene Position“ ist überflüssig; dass die Position ausgeschrieben ist, weiß der Berater.
Wenn aber ein Anschreiben gefragt ist, dann ist es die Königsdisziplin, weil es eine Frage beantwortet, die der Lebenslauf nicht beantworten kann: Wie hat sich diese Person mit der Aufgabe und dem Unternehmen auseinandergesetzt? Berater lesen daraus, ob Sie die Website, die Meldungen der letzten Monate, den Geschäftsbericht gesehen haben, oder ob Sie am Freitag eine Anzeige gefunden und am Samstag nach dem Frühstück die Unterlagen fertig gemacht haben. Sie merken den Unterschied im ersten Absatz.
Was hinein gehört, habe ich in einem eigenen Beitrag ausführlich beschrieben: das Anschreiben als Angebot, nicht als Bitte. Aus Beratersicht kommen zwei Punkte dazu. Erstens: die Lücke benennen, die das Unternehmen mit dieser Position schließen will, und zeigen, dass Sie sie füllen. Zweitens: die eigene Motivation als wahre Geschichte erzählen. „Ich komme in meinem Haus nicht weiter, weil mein Vorgesetzter genauso alt ist wie ich“ ist eine ehrliche Brücke. „Ich suche eine neue Herausforderung“ ist keine.
Und: nicht schönen. Wer sich in Unterlagen ein Idealbild zurechtlegt, dem er nicht entspricht, fällt im Gespräch in sich zusammen. Berater prüfen genau das. Authentisch sein ist hier kein Ratgeberwort, sondern Risikomanagement.
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Fünf Punkte statt 35: das Online-Profil

Berater suchen auf LinkedIn und ähnlichen Plattformen. Deshalb ist Ihr Profil dort nicht Ihr Schaufenster, sondern Ihre Karteikarte in der Datenbank der Headhunter. Drei Hinweise aus der Praxis:
Aktualität. Wer die letzte Position nicht nachgepflegt hat, existiert für die Suche nicht. Positionen, Zeiträume, Verantwortung müssen mit dem Lebenslauf übereinstimmen. Abweichungen fallen auf und werfen Fragen auf.
Die Wechselbereitschaft. Wer gerade gewechselt hat und die Anzeige „offen für neue Aufgaben“ noch aktiv hat, sendet ein Signal, das er nicht senden will: entweder Nachlässigkeit oder ein Fehlstart. Wer im Amt den Markt sondieren will, tut es diskret, nicht über den öffentlichen Schalter.
„Ich biete“ mit fünf Punkten. Der häufigste Fehler in Profilen ist der Bauchladen: 35 Kompetenzen, von Change Management bis Excel. Niemand kann 35 Dinge gleich gut. Berater lesen eine solche Liste als Unentschiedenheit. Fünf Dinge, die Sie wirklich auszeichnen, präzise formuliert, sind ein Suchtreffer. 35 sind Rauschen.
Und das Video? Kurze Vorstellungsvideos in der Bewerbung sind in der Old Economy bis heute kein Trend, den Berater erkennen. Für eine Geschäftsführung wirkt es eher fremd. Investieren Sie die Zeit lieber in ein Profil, das man ablegen kann. Das bringt mehr.
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Hobbys und Ehrenamt: die unterschätzte Zeile

Viele Führungskräfte streichen Hobbys und Ehrenamt aus dem Lebenslauf, weil sie unprofessionell wirken könnten. Die Berater, mit denen ich gesprochen habe, sehen es umgekehrt. Sie wollen den Menschen als Ganzes erleben, nicht nur als Arbeitskraft. Und zwei Zeilen am Ende des Lebenslaufs erzählen mehr, als man denkt.
Hobbys zeigen, wo jemand sich erholt: Einzelsport oder Mannschaft, mit Familie oder allein, ein Ausgleich oder gar keiner. Wer sagt „für Hobbys habe ich keine Zeit“, sagt einem Berater: Dieser Mensch findet keine Balance. Das ist auf Führungsebene ein Risiko, kein Ehrenzeichen. Und es sind schon Positionen an einer gemeinsamen Wellenlänge entschieden worden, wenn die Fachlichkeit gleich war und das Hobby zum künftigen Vorgesetzten passte.
Ehrenamt zeigt, ob jemand bereit ist, sich über das Notwendige hinaus zu engagieren, und welche Werte ihn tragen. Für die ausgeschriebene Position ist das vielleicht nicht gefragt. Aber Unternehmen denken bei Besetzungen oft an den übernächsten Schritt, und dort zählt genau das.
Ergebnis vom Ergebnis: Der Berater legt Ihre zwei Seiten neben vier andere und sagt: „Der hier ist sofort lesbar, die Zahlen stimmen, und ich weiß nach einer Minute, was er bewegt hat.“ Ihre Unterlagen gehen als erste zum Mandanten. Nicht, weil sie schöner waren. Weil sie Arbeit gespart haben.
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Sabine Lanius
ÜBER DIE AUTORIN
Sabine Lanius ist Executive Karriereberaterin und ehemalige Headhunterin. Aktiv im Bereich Executive Sparring, Executive Search und berufliche Neuorientierung seit 1998. Rund 1.500 Führungskräfte beraten. Unabhängig von Unternehmen und Personalberatungen.

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