Sandwich-Position
Die Sandwich-Position beschreibt die Lage von Führungskräften, die zwischen den Erwartungen der Ebene über ihnen und den Bedürfnissen der Ebene unter ihnen stehen. Sie setzen Vorgaben um, die sie nicht getroffen haben, und verantworten Ergebnisse, über deren Rahmenbedingungen andere entscheiden.
Wie es in der Praxis läuft
Der Begriff stammt aus der Beschreibung des mittleren Managements, trifft aber bis in die erste Ebene unter Geschäftsführung oder Vorstand. Von oben kommen Zielvorgaben, Budgetkürzungen und Strategiewechsel, die Sie vertreten müssen, auch wenn Sie anderer Meinung waren. Von unten kommen Erwartungen an Schutz, Klarheit und Perspektive. Dazwischen liegt Ihre Loyalitätsfrage, jeden Tag neu.
Rechtlich kommt hinzu, dass leitende Angestellte weniger Schutz genießen als die Belegschaft: kein Betriebsrat, oft kein Sozialplan, und bei Pflichtverstößen schneller die fristlose Kündigung. Eine Langzeitstudie der Universität Melbourne mit rund 2.700 Beschäftigten zeigte, dass Beförderungen nach etwa drei Jahren keinen Zuwachs an Zufriedenheit mehr brachten, der empfundene Stress aber dauerhaft höher blieb.
Was das für Sie als Führungskraft bedeutet
Die Sandwich-Position ist kein Fehler im System, sie ist das System. Wer gute Arbeit darin leistet, wird oft genau deshalb nicht befördert: Der Vorgesetzte will auf jemanden, der Vorgaben verlässlich umsetzt und Unruhe abfängt, nicht verzichten. Das ist die gläserne Decke des mittleren Managements, und sie hat nichts mit Ihrer Leistung zu tun.
Zugleich ist die Position der Ort, an dem die Fähigkeiten entstehen, die auf der nächsten Ebene zählen: Widersprüche aushalten, Entscheidungen übersetzen, nach oben und unten gleichzeitig verhandeln. Entscheidend ist, ob Sie das als Zwischenstation leben oder als Dauerzustand.
Worauf Sie achten sollten
Ein häufiger Irrtum: Loyalität nach oben werde irgendwann belohnt. Belohnt wird, was sichtbar ist. Wer über Jahre Konflikte abfängt, ohne dass die Ebene darüber es bemerkt, hat einen Job gut gemacht, den niemand kennt. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Ergebnisse dort ankommen, wo über Ihre nächste Rolle entschieden wird, und das ist meist zwei Ebenen über Ihnen.
Zweiter Irrtum: Der Weg aus dem Sandwich führe nur nach oben. Er führt auch nach außen, zu einem Unternehmen, in dem dieselbe Funktion eine Ebene höher angesiedelt ist. Ein Bereichsleiter im Konzern ist im Mittelstand oft Geschäftsführer.
Sabines Blick
Viele meiner Klienten aus der zweiten Ebene beschreiben ihre Lage mit demselben Satz: „Ich bin derjenige, der es ausbadet.“ In der Standortbestimmung zeigt sich dann, dass sie das Unternehmen seit Jahren tragen, aber niemand außerhalb ihres Bereichs das weiß. Daran arbeiten wir zuerst, bevor über einen Wechsel gesprochen wird.