Retained Search
Retained Search ist das Mandatsmodell der Executive Search: Ein Unternehmen beauftragt eine Personalberatung exklusiv mit der Besetzung einer Position und zahlt das Honorar in festen Raten, unabhängig vom Erfolg. Der Berater sucht systematisch per Direktansprache und präsentiert eine Shortlist.
Wie es in der Praxis läuft
Das Unternehmen und die Beratung einigen sich auf Position, Profil, Zeitplan und Honorar. Üblich ist ein Drittel des Jahreszielgehalts der Position, gezahlt in drei Raten: beim Start, bei Vorlage der Shortlist, bei Vertragsunterschrift. Danach beginnt die eigentliche Suche: Der Berater definiert Zielunternehmen, identifiziert dort die passenden Positionsinhaber, oft 80 bis 150 Namen auf einer Longlist, und spricht sie direkt an. Nach Erstgesprächen und Interviews bleiben drei bis fünf Kandidaten, die dem Unternehmen vorgestellt werden.
Exklusivität ist der Kern. Nur eine Beratung arbeitet am Mandat, dafür verpflichtet sie sich zu Vertraulichkeit und zur Off-Limits-Regel: Bei eigenen Kunden wirbt sie nicht ab. Die großen internationalen Häuser arbeiten ausschließlich so, ebenso die meisten spezialisierten Boutiquen auf Geschäftsführungsebene.
Was das für Sie als Führungskraft bedeutet
Fast jede Position, die für Sie infrage kommt, wird über Retained Search besetzt. Das bedeutet: Es gibt keine Ausschreibung, auf die Sie sich bewerben könnten, und keine Datenbank, in die Sie sich eintragen. Sie kommen in den Prozess, wenn der Berater Sie auf seiner Longlist hat. Dafür muss er Sie kennen oder bei seiner Recherche finden.
Der Berater arbeitet gegen eine Frist und ein Profil. Ein Anruf von ihm ist deshalb immer konkret; er sucht jemanden mit Ihrem Werdegang für eine bestimmte Aufgabe. Ob Sie passen, entscheidet sich in den ersten Minuten an Verantwortung, Branche, Zahlen und Verfügbarkeit.
Worauf Sie achten sollten
Ein häufiger Irrtum: Der Berater könne Sie „aufnehmen“ und bei passender Gelegenheit anrufen. Retained-Berater pflegen zwar Netzwerke, suchen aber mandatsbezogen. Ein Kontakt ohne laufendes Mandat ist eine Investition in Bekanntheit, kein Platz in einer Warteschlange. Entsprechend gehört Ihre Ansprache an Berater, die regelmäßig Positionen Ihrer Ebene und Branche besetzen, nicht an alle.
Achten Sie auf die Off-Limits-Regel: Wenn ein Haus Ihren aktuellen Arbeitgeber betreut, wird es Sie nicht ansprechen. Das erklärt manche Funkstille und spricht dafür, mehrere Häuser zu kennen.
Sabines Blick
Ich habe selbst Mandate dieser Art geführt. Die Longlist entsteht in wenigen Tagen aus Recherche und Gedächtnis des Beraters. Wer darauf will, muss zu diesem Zeitpunkt auffindbar und verortbar sein. Das ist der Punkt, an dem ich mit Klienten ansetze: nicht bei der Bewerbung, sondern beim Profil, das ein Berater in seiner Recherche findet.