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Begriff

Diskrete Bewerbung

Definition

Eine diskrete Bewerbung ist die Sondierung eines neuen Arbeitgebers aus einem bestehenden, ungekündigten Vertrag heraus, ohne dass das eigene Unternehmen davon erfährt. Auf Führungsebene geht es dabei selten um einen Sperrvermerk im Anschreiben, sondern um die Steuerung aller Kontakte, Unterlagen und Signale.

Wie es in der Praxis läuft

Wer als Geschäftsführer oder Bereichsvorstand sondiert, bewirbt sich selten auf eine Anzeige. Der Kontakt entsteht über Personalberater, über das eigene Netzwerk oder über eine gezielte Ansprache bei einem Zielunternehmen. Vertraulichkeit ist in diesem Markt die Regel, und seriöse Berater behandeln jeden Kandidaten so, als stünde er unter Vertrag. Trotzdem wandern Unterlagen durch mehrere Hände, und Gesprächstermine müssen irgendwie in einen vollen Kalender passen.

Der klassische Sperrvermerk mit der Bitte um Vertraulichkeit gehört in jede schriftliche Unterlage, die an ein Unternehmen geht. Er schafft aber keine Sicherheit, nur eine Erwartung. Entscheidend sind die Kanäle: private E-Mail-Adresse, privates Telefon, Gespräche außerhalb der Arbeitszeit und keine Unterlagen auf dem Dienstrechner.

Was das für Sie als Führungskraft bedeutet

Auf Ihrer Ebene ist der Kreis klein. Der Personalberater, der Sie anspricht, hat vermutlich auch Ihren Aufsichtsratsvorsitzenden im Adressbuch. Wenn Ihr Gesellschafter von einem Wechselwunsch erfährt, bevor Sie ihn selbst ansprechen, ist das Vertrauensverhältnis beschädigt, auch wenn aus dem Wechsel nichts wird. Deshalb lohnt sich vor der ersten Sondierung eine Überlegung: Wer darf es wann erfahren, und was sagen Sie, wenn jemand fragt?

Eine zweite Frage betrifft Ihre Sichtbarkeit. Ein plötzlich überarbeitetes LinkedIn-Profil, neue Kontakte zu fünf Personalberatern in einer Woche und das Häkchen bei „Open to Work“ sind für Eingeweihte lesbar. Sichtbarkeit, die nach Suche aussieht, kostet Verhandlungsposition.

Worauf Sie achten sollten

Der häufigste Irrtum: erst kündigen, dann sondieren, weil man „frei sein“ will. Wer aus ungekündigter Position verhandelt, hat den stärkeren Anker, und eine Eigenkündigung ohne Anschlussvertrag kann eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld auslösen. Prüfen Sie außerdem Ihren Vertrag auf Wettbewerbsverbote, Change-of-Control-Klauseln und Fristen, bevor Sie mit einem Wettbewerber sprechen. Bei vertraglichen Fragen ist ein Fachanwalt für Arbeitsrecht der richtige Ansprechpartner.

Sabines Blick

Ich habe in mehr als 28 Jahren keinen einzigen Fall erlebt, in dem Diskretion durch einen Sperrvermerk gescheitert ist. Gescheitert ist sie durch Unachtsamkeit: ein Anruf im Großraumbüro, ein Lebenslauf auf dem Firmenlaptop, ein Satz zu viel beim Kundenabend. Meine Klienten arbeiten deshalb mit einer einfachen Regel: Alles, was mit dem Wechsel zu tun hat, findet auf privaten Geräten und in privater Zeit statt. Das klingt banal und schützt mehr als jede Formulierung im Anschreiben.

Ihr nächster Schritt

Ein Begriff erklärt den Markt. Ihre Lage erklärt er nicht.

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