Zwischenzeugnis
Ein Zwischenzeugnis ist eine Beurteilung von Tätigkeit, Leistung und Verhalten, die der Arbeitgeber während des laufenden Arbeitsverhältnisses ausstellt. Es steht im Präsens, nennt kein Austrittsdatum und bindet den Arbeitgeber später beim Endzeugnis für denselben Zeitraum.
Wie es in der Praxis läuft
Einen allgemeinen gesetzlichen Anspruch gibt es nicht. Er ergibt sich aus Tarif- oder Arbeitsvertrag oder aus einem triftigen Grund, etwa einem Wechsel des Vorgesetzten, einer Umstrukturierung, einer Versetzung, einem Betriebsübergang oder einem angekündigten Stellenabbau. Bei Streit über den Anspruch berät ein Fachanwalt für Arbeitsrecht.
Formal entspricht das Zwischenzeugnis dem Endzeugnis: Aufgaben, Verantwortung, Leistungs- und Verhaltensbeurteilung, nur ohne Schlussformel zum Ausscheiden. Üblich sind zwei bis drei Wochen Bearbeitungszeit.
Was das für Sie als Führungskraft bedeutet
Für Sie ist das Zwischenzeugnis vor allem eine Absicherung. Wenn der Vorstand wechselt, ein neuer CEO kommt oder Ihr Bereich in eine Matrix überführt wird, beurteilt Sie künftig jemand, der Ihre Ergebnisse der letzten Jahre nicht kennt. Das Zwischenzeugnis hält die Bewertung Ihres bisherigen Vorgesetzten fest. Weicht das Endzeugnis später ohne sachlichen Grund erheblich davon ab, haben Sie eine starke Position.
In Gesprächen mit Personalberatern spielt es eine Nebenrolle. Es bestätigt Verantwortung und Zahlen, mehr nicht. Verlangt wird es selten, mitgeschickt werden sollte es nur, wenn es einen Bruch im Lebenslauf erklärt.
Worauf Sie achten sollten
Der Zeitpunkt entscheidet. Ein Zwischenzeugnis, das Sie nach dem Antritt des neuen Vorgesetzten verlangen, bewertet er, nicht Ihr bisheriger Chef. Sprechen Sie es an, sobald ein Wechsel angekündigt ist, und begründen Sie es mit dem Anlass. Das wirkt professionell und löst keine Wechselvermutung aus.
Ein häufiger Irrtum: Das Zwischenzeugnis gelte als Signal, dass Sie gehen wollen. Bei einem benannten Anlass wie Umstrukturierung oder Chefwechsel ist es Routine, in vielen Konzernen sogar üblich. Ohne Anlass und mit Nachdruck verlangt, wirkt es dagegen tatsächlich wie eine Ankündigung.
Sabines Blick
Ich erlebe immer wieder, dass Führungskräfte ihre Trennung erst Monate nach einem CEO-Wechsel erleben und dann mit einem Endzeugnis dastehen, das jemand geschrieben hat, der sie kaum kannte. Wer beim Wechsel oben ein Zwischenzeugnis einholt, hat später eine Verhandlungsgrundlage. Das kostet eine E-Mail.