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KARRIERE-BLOG · BEWERBEN AUF ENGLISCH

Englisch bewerben auf Executive-Level Was wirklich überzeugt, und was die meisten unterschätzen.

Ein guter deutscher Lebenslauf wird auch auf Englisch gut. Aber nicht durch Übersetzen. Dieser Beitrag geht die Unterschiede durch, die zählen: Aufbau der Unterlagen, das Anschreiben als Brücke, das Gespräch als Kennenlernen, Behavioral Questions in fünf Sätzen, und die Haltung, mit der Sie auftreten, wenn Ihr Englisch nicht perfekt ist.
Von Sabine Lanius · Stand: September 2026 · Lesezeit rund zehn Minuten
Immer mehr Führungskräfte bewerben sich auf Englisch, auch in Deutschland. Und immer wieder sehe ich dieselben Unterlagen: ein deutscher Lebenslauf, Wort für Wort übertragen, mit Foto, Geburtsdatum und einer Zeile „References available upon request“. Alles korrekt übersetzt. Und alles falsch. Denn eine englische Bewerbung folgt anderen Lesegewohnheiten, und wer sie kennt, gewinnt mit weniger Aufwand mehr Wirkung.
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Eine Fassung reicht

Viele Führungskräfte pflegen drei englische Lebensläufe: einen für London, einen für New York, einen für den internationalen Konzern in Frankfurt. Das ist unnötig und macht die Unterlagen schlechter, weil niemand drei Fassungen sauber hält.
Auf Executive-Level reicht eine schlanke, international lesbare Fassung. Sie erfüllt die Anforderungen in Deutschland, wenn dort auf Englisch gearbeitet wird, und trägt genauso nach London, New York oder Paris. Die Unterschiede zwischen britischem und amerikanischem Stil sind auf dieser Ebene kleiner, als Ratgeber behaupten. Was zählt, ist an beiden Orten dasselbe: Klarheit, Wirkung, Kürze.
Was Sie davon haben: Eine gepflegte Fassung statt drei halbgepflegter. Sie senden mit einem Klick und wissen, was drinsteht.
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Die drei typischen Fehler bei der Übertragung

Ein guter deutscher Lebenslauf wird auch auf Englisch gut. Aber nur, wenn Sie beim Übertragen drei Dinge vermeiden.
• Eins zu eins übersetzen. Übersetzungswerkzeuge liefern heute brauchbare Rohfassungen. Sie ersetzen aber nicht Ihre Prüfung, und sie wissen nicht, dass eine englische Bewerbung anders gebaut sein darf. Geben Sie Raum für Abweichungen. Nicht alles, was auf Deutsch an einer Stelle steht, gehört auf Englisch an dieselbe.
• Substantive statt Verben. Deutsche Unterlagen leben von Nominalstil: „Implementierung eines Steuerungssystems“. Englische Unterlagen leben von Verben: implemented, led, negotiated, reduced. Wer die deutsche Struktur mitnimmt, klingt hölzern. Wer zum Infinitiv greift, klingt nach Schulbuch. Vergangenheitsform, aktiv, knapp.
• Wirkung nur andeuten. Im Deutschen darf der Erfolg zwischen den Zeilen stehen. Im Englischen erwartet der Leser, dass Sie ihn beim Namen nennen: was sich durch Sie verändert hat, in Zahlen, in Zeit, in Reichweite. Ohne diese Zeile ist jede Station nur eine Beschreibung von Zuständigkeit.
Der Prüfsatz für jede Station lautet: Erkennt man hier meinen Fingerabdruck? Wenn ein Vorgänger oder Nachfolger denselben Absatz schreiben könnte, fehlt er.
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Was nicht in den englischen Lebenslauf gehört

Ein paar Dinge sind eindeutig, und sie gelten für alle englischsprachigen Märkte:
• Kein Foto. Was für deutsche Leser ungewohnt ist, ist dort die Regel. Und es hat einen Vorteil: Niemand liest Ihre Unterlagen durch die Brille eines Bildes.
• Keine persönlichen Angaben wie Geburtsdatum, Familienstand, Kinder, Herkunft.
• Zunehmend keine Postadresse. In den USA ist das inzwischen üblich, international setzt es sich durch. E-Mail und Mobilnummer reichen. Wo Sie wohnen, geht den Leser zunächst nichts an.
• Keine Zeile „References available upon request“. Der Satz galt jahrzehntelang als Pflicht. Heute ist er selbstverständlich und deshalb überflüssig. Die Zeile ist wertvoller Platz auf zwei Seiten.
Referenzen selbst gehören weder in den Lebenslauf noch ins Anschreiben. Sie sind vertrauliche Daten und werden erst genannt, wenn das Unternehmen sie anfordert, meist vor dem zweiten Gespräch.
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Wie viel Persönlichkeit hineingehört

Darf im englischen Lebenslauf mehr Mensch sichtbar sein als im deutschen? Ja, in Maßen und mit Regeln.
Eine Zeile Interessen ist erlaubt, wenn sie kurz, konkret und vielfältig ist. Nicht „Sport“, sondern „Hockey“. Nicht drei Sportarten, sondern drei verschiedene Seiten von Ihnen. Manchmal ist ein einzelner Satz mehr wert als eine Liste, wenn er etwas über Ihre Werte sagt. Wer es nicht lesen will, überspringt die Zeile. Wer es liest, hat einen Gesprächseinstieg.
Im Profilabschnitt am Anfang dürfen auch weiche Kompetenzen stehen, aber nicht mehr als ein Fünftel des Textes. Zu viele Eigenschaftswörter sagen am Ende nichts mehr. Und die Reihenfolge folgt der Logik der Auswahl: zuerst fachliche Kompetenz, dann Methoden, dann Führung. So sortiert ein Headhunter, so sortiert eine Ausschreibung, so sollte auch Ihr Profil sortieren.
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Das Anschreiben: eine Brücke in wenigen Sätzen

Ein englisches Anschreiben ist kürzer als ein deutsches, und es ist eine Brücke zwischen genau Ihnen und genau diesem Unternehmen. Nicht zwischen Ihnen und der Branche. Der Aufbau folgt drei Fragen, die ich Sie-Ich-Wir nenne:
1. Sie. Woher kenne ich das Unternehmen, was verbindet mich mit ihm? Die stärkste Brücke ist eine Empfehlung: ein Name im Unternehmen, den Sie nennen dürfen. „Ich habe Ihre Anzeige auf LinkedIn gesehen“ ist die schwächste.
2. Ich. Warum sehe ich mich in dieser Rolle, was qualifiziert mich dafür? Zwei bis drei Sätze, auf den Punkt.
3. Wir. Was kann ich für Sie leisten, welche Probleme löse ich, was erreichen wir gemeinsam?
Wenn nach Gehalt oder Verfügbarkeit gefragt ist, ein Satz am Ende. Und ein Satz, der professionell wirkt und oft vergessen wird: die Einwilligung, dass Ihre Unterlagen gespeichert und verarbeitet werden dürfen. Das ist kein Muss, aber es zeigt, dass Sie wissen, wie Prozesse heute laufen.
Was Sie davon haben: Ein Anschreiben, das in dreißig Sekunden gelesen ist und trotzdem sagt, warum gerade Sie. Das ist mehr, als die meisten Anschreiben leisten.
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Das Gespräch: Kennenlernen, nicht Prüfung

Englischsprachige Vorstellungsgespräche fühlen sich anders an. Sie sind eher Dialog als Abfrage, oft entspannt, manchmal fast familiär. Für deutsche Kandidaten liegt darin eine Falle: Man glaubt, die Sympathie im Raum sei ein Signal für ein Angebot. Meist ist sie einfach die Art, wie dort gesprochen wird, mit jedem.
Zwei Dinge folgen daraus. Erstens: Sie dürfen mehr von sich zeigen als in einem deutschen Gespräch, das ist erwünscht. Zweitens: Geben Sie trotzdem nicht zu früh zu viel preis, weder über Gehalt noch über Ihre Wechselgründe. Locker ist nicht dasselbe wie unverbindlich.
Und bereiten Sie sich auf Überraschungen vor. Wer mit einem Gesprächspartner aus Alabama rechnet und einem Stereotyp begegnen will, sitzt schnell jemandem gegenüber, der das Gegenteil ist. Internationale Gespräche sind so verschieden wie die Menschen, die sie führen.
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Behavioral Questions: Geschichten in fünf Sätzen

„Tell me about a time when …“ Diese Frageform war lange der Klassiker amerikanischer Gespräche und ist inzwischen auch in Deutschland üblich. Sie zielt auf konkrete Situationen, nicht auf Selbstbeschreibung.
Für die Antwort gibt es bekannte Strukturen, die alle dasselbe leisten: STAR (Situation, Task, Action, Result), PAR (Problem, Action, Result) und OAR (Opportunity, Action, Result). Nehmen Sie die, die zu Ihrer Geschichte passt. Wichtig ist nicht das Akronym, sondern die Disziplin dahinter:
• Ein bis zwei Sätze pro Baustein. Schreiben Sie die Geschichten vorab aus, dann merken Sie, wo sie ausufern.
• Situation und Aufgabe zusammenfassen. Die meisten Antworten scheitern, weil der Kontext zu lang wird und der Zuhörer sich fragt: Und was haben Sie gemacht?
• Schnell zur Handlung, schnell zum Ergebnis. Das Ergebnis mit Zahl, Zeitraum, Wirkung.
• Insgesamt maximal fünf Sätze. Wer mehr wissen will, fragt nach. Das ist ein gutes Zeichen.
Das Schlimmste, was Sie im Gespräch tun können, ist Langeweile erzeugen. Fünf Sätze langweilen nie.
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Haltung: selbstbewusst ohne Aufblasen

Wo liegt die Grenze zwischen „nicht genug“ und „zu viel“? Die Antwort ist eine Haltung, keine Technik: Ich weiß, was ich kann und was ich nicht kann, und ich spreche über beides ohne Scheu. Mein Fokus liegt auf dem, was ich kann und will. Über den Rest rede ich wenig oder gar nicht. Wenn genau das gesucht wird, bin ich die falsche Person, und das ist in Ordnung.
Die deutsche Bescheidenheit, die uns anerzogen ist, hat im internationalen Gespräch kaum Platz. Sie wird nicht als Bescheidenheit gelesen, sondern als Unsicherheit. Umgekehrt ist der, der alles kann, ebenfalls unglaubwürdig. Wer alles kann, hat kein Profil.
Zwei praktische Hinweise dazu:
• Prüfen Sie, woher Ihr Englisch stammt. Wer seine Sprachkompetenz vor allem aus dem Austauschjahr hat, trägt oft unbemerkt eine Haltung aus dieser Zeit mit: zu viel Umgangssprache, zu viel Begeisterung. Executive-Englisch ist ruhiger.
• Entschuldigen Sie sich nie für Ihr Englisch. „Sorry, my English isn’t so good“ hilft niemandem und erzeugt genau die Unsicherheit, die Sie vermeiden wollen. Ihr Gegenüber spricht mit hoher Wahrscheinlichkeit weniger Deutsch als Sie Englisch.
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Wenn das Englisch nicht perfekt ist

Viele Führungskräfte kommunizieren täglich auf Englisch und haben trotzdem ein ungutes Gefühl vor einem englischen Vorstellungsgespräch, erst recht per Video. Zwei Dinge helfen.
Erstens: Je weniger Sie im Gespräch über Ihre eigenen Formulierungen nachdenken, desto freier sprechen Sie. Das klingt paradox und ist die wichtigste Regel. Geben Sie sich vorher das mentale grüne Licht: Ich kann das ausreichend gut. Von dort aus geht es aufwärts, nicht abwärts.
Zweitens, und das wissen die wenigsten: In Deutschland wird sprachliche Präzision höher bewertet als im englischsprachigen Raum, in Großbritannien deutlich, in den USA noch mehr. Die Messlatte, an der Sie sich messen, liegt in Ihrem Kopf, nicht im Raum. Der Druck ist selbst gemacht.
Was hilft: Üben Sie das Gespräch auf Englisch laut durch, am besten mit jemandem, der die Fragen kennt. Sprechen Sie über Ihre Stationen, Ihre Geschichten, ein paar Themen links und rechts davon, bis das nichts Fremdes mehr ist. Nervosität gehört dazu. Sicherheit kommt aus Vorbereitung, und nur daraus. Und diese Sicherheit spürt jeder geübte Interviewer, ob im Raum oder auf dem Bildschirm.
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Fazit

Eine englischsprachige Bewerbung auf Executive-Level ist kein übersetzter deutscher Lebenslauf und kein amerikanisches Schauspiel. Sie ist eine schlanke Fassung Ihrer Wirkung: Verben statt Substantive, Ergebnisse statt Zuständigkeiten, kein Foto, keine Privatdaten, ein Anschreiben als Brücke in drei Fragen, Geschichten in fünf Sätzen und eine Haltung, die sagt, was Sie können, ohne sich zu entschuldigen oder aufzublasen.
Mein einziger Rat, wenn ich nur einen geben dürfte: Machen Sie es nicht ganz allein. Auch wer seit Jahren international arbeitet, gewinnt in einer Stunde mit jemandem, der Unterlagen und Gespräche auf Englisch täglich sieht, mehr Sicherheit als in Wochen eigener Überarbeitung. Nicht der Nachbar mit der amerikanischen Mutter. Jemand, der das Handwerk kennt.
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ÜBER DIE AUTORIN
Sabine Lanius ist Executive Karriereberaterin und ehemalige Headhunterin. Aktiv im Bereich Executive Sparring, Executive Search und berufliche Neuorientierung seit 1998. Rund 1.500 Führungskräfte beraten. Unabhängig von Unternehmen und Personalberatungen.

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