Karrierewechsel ins Ungewisse: vom IBM-Consultant zum Trader. Mit Markus Heitkoetter
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Warum dieses Thema?
Von außen sieht alles nach Erfolg aus: steile Karriere, internationale Verantwortung, ein Kalender voller Termine. Innerlich fragen sich viele Führungskräfte trotzdem, wie lange sie das noch wollen, und schieben den Gedanken beiseite, weil er unvernünftig klingt. In dieser Folge spreche ich mit Markus Heitkoetter, der vor knapp 20 Jahren seinen Top-Job bei IBM in Deutschland aufgegeben hat und in den USA Vollzeit-Trader wurde. Sie erfahren, welche typisch deutschen Denkmuster ihm im Weg standen und mit welchen drei Fragen Sie das Risiko eines ungewöhnlichen Wechsels nüchtern abwägen.
Das erfahren Sie in dieser Folge
Der Abend im Hotelzimmer
Mein Gast war als Consultant bei IBM für ein großes Gebiet verantwortlich und fast die ganze Woche unterwegs. Erfolgreich, auf dem Weg nach oben, aber frustriert: Für Familie, Freunde und das, was er selbst am liebsten tun wollte, blieb kaum Zeit. Der Wendepunkt kam an einem Abend allein in einem Hotelzimmer, als zu Hause Freunde ohne ihn feierten. Da war ihm klar, dass er so nicht weitermachen will. Mir gefällt an dieser Geschichte, wie konkret sie ist. Für Sie zeigt sie: Der Impuls für eine Veränderung kommt oft in einem unscheinbaren Moment. Entscheidend ist, ihn ernst zu nehmen, statt ihn wegzuschieben.
Der Schritt nach Austin
Mit 33 Jahren und 30 000 Dollar zog er nach Austin in Texas, um als Trader zu arbeiten. Gehandelt hatte er schon vorher, aber nur nebenbei. Ursprünglich wollte er zwei Jahre bleiben. Heute ist er 53, lebt noch immer dort, betreibt eine eigene Trading-Akademie und einen YouTube-Kanal und schreibt Bücher. Für Sie als Führungskraft ist dabei weniger der Ort interessant als die Konsequenz: Er hat eine Leidenschaft, die lange nebenher lief, zur Hauptsache gemacht. Vielleicht gibt es auch in Ihrer Laufbahn so ein Thema, das Sie seit Jahren beschäftigt und mehr Raum verdient.
Typisch deutsche Stolpersteine
Im ersten Jahr stand sich mein Gast selbst im Weg. Er übertrug die Logik aus dem Konzern auf sein neues Feld: Wer mehr arbeitet, ist erfolgreicher. Beim Trading ist das kontraproduktiv, denn mehr Trades bedeuten mehr Fehler. Der zweite Stolperstein war der Hang zum detaillierten Plan. Er analysierte so lange, bis er vor lauter Analyse wie gelähmt war, und verlor sich in immer neuen „rabbit holes“. Erst nach Monaten änderte er den Ansatz: ein einfacher Plan, dann beobachten, was funktioniert, mehr davon machen und den Kurs laufend korrigieren. Das gilt auch für Ihren Wechsel: Ein guter erster Schritt bringt Sie weiter als die zehnte Analyse.
Die Zahl drei und das Ende der Lähmung
Strukturiert ist mein Gast bis heute, nur anders. Er zerlegt jede Aufgabe in drei, höchstens fünf Schritte. Für sein Geschäft braucht er einen Plan, die richtigen Werkzeuge und die richtige Einstellung. Der Plan selbst hat wieder drei Elemente. So bleibt alles überschaubar und handhabbar. Dazu kommt eine Haltung, die er in den USA gelernt hat: erst nach Möglichkeiten suchen, dann nach Problemen. Wer überzeugt ist, dass es geht, findet einen Weg. Und wer von Menschen lernt, die den Weg schon gegangen sind, spart sich viele Umwege. Auch die Rolle von Grobi aus der „Sesamstraße“ erklärt er in der Folge.
Worst Case, Sicherheitsleine und Best Case
Sein Rat für alle, die über einen solchen Schritt nachdenken, besteht aus drei Fragen. Was ist das Schlimmste, das passieren kann? Sind Sie bereit, dieses Risiko einzugehen? Und was ist Ihre Sicherheitsleine, wenn es schiefgeht? Er vergleicht das mit dem Kletterwald: Mit dem Seil traut man sich mehr. Ebenso wichtig ist der Blick auf den besten Fall, denn der liefert die Motivation. Stellen Sie sich vor, Sie haben alle drei Fragen für sich beantwortet. Sie sitzen abends zu Hause, sprechen mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner über den Plan B und merken, dass die Angst kleiner geworden ist. Ab da wird aus einem Gedankenspiel eine Entscheidung.
Für wen ist diese Folge?
Diese Folge ist für Sie, wenn Sie in Ihrer Position erfolgreich sind und trotzdem spüren, dass der Preis zu hoch geworden ist. Und für Sie, wenn Sie über einen ungewöhnlichen Karriereweg nachdenken, etwa in die Selbstständigkeit oder ins Ausland, und sich bisher von der Angst vor dem Risiko oder vom endlosen Planen haben bremsen lassen.
Was wäre in Ihrer Situation der schlimmste Fall, und könnten Sie damit leben?