Berufsleben nach 60: Welche Wege Führungskräften offenstehen. Mit Thomas Landwehr
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Warum dieses Thema?
Mit Ende fünfzig kam das Aufhebungsangebot, die Umstrukturierung oder der Merger. Finanziell müssten Sie vielleicht nicht mehr. Aber Sie sehen sich nicht beim Rosenschneiden, Sie wollen weiter gestalten. Und dann merken Sie, dass eine Festanstellung mit sechzig plus schwieriger zu bekommen ist als früher. Mir war wichtig, dieses Thema ohne Schönfärberei und ohne Resignation zu besprechen. Mein Gast, der Berater und Buchautor Thomas Landwehr, hat sich selbst mit über fünfzig selbstständig gemacht. Sie hören in dieser Folge, welche Wege es tatsächlich gibt und was Sie brauchen, um einen davon zu gehen.
Das erfahren Sie in dieser Folge
Der Arbeitsmarkt mit 60 plus: schwieriger, nicht verschlossen
Thomas Landwehr und ich kennen uns seit über zwanzig Jahren aus der Beratung von Top-Führungskräften. In unserer Arbeit begegnen uns immer wieder Menschen zwischen 55 und 60, die nach einem Aufhebungsvertrag weiterarbeiten wollen, weil sie Energie und Lust haben, etwas zu bewegen. Wir sind uns einig: Im Anstellungsverhältnis wird es mit sechzig plus schwieriger, es ist eine andere Liga. Chancenlos sind Sie damit nicht. Wer das nüchtern annimmt, kann den Blick auf die Wege richten, die gerade in dieser Phase gut funktionieren.
Die Landkarte der Möglichkeiten
Aus den Wegen unserer Klienten ergibt sich ein breites Bild. Manche wechseln auf die Seite der Personalberatung, oft mit einem großen Netzwerk in ihrer Branche. Andere gehen in die Unternehmensberatung, ins Interim Management, in Aufsichtsrats- oder Lehrtätigkeiten oder in ein Ehrenamt. Thomas Landwehr unterscheidet dabei zwei Richtungen: die Selbstständigkeit im angestammten Fachgebiet und den echten Spurwechsel. Bei Letzterem folgen Menschen einer Leidenschaft, die oft seit Jahren neben dem Beruf lebt. Für Sie heißt das: Ihre Optionen sind zahlreicher, als der Blick auf Stellenanzeigen vermuten lässt.
Interim Management: mehr als Sanierung
Viele haben beim Interim Management noch das Bild von Restrukturierung im toxischen Umfeld. Das stimmt so nicht. Es gibt Projekte im Ausland, in der Digitalisierung, im HR-Bereich, Werkleitungen auf Zeit, in fast jeder Branche. Die Strategie dahinter: weg vom Generalisten, hin zu den Problemlösungen, die Sie mehrfach erfolgreich bewältigt haben und die Ihnen liegen. Wer die Akquise nicht selbst machen möchte, arbeitet mit Providern zusammen. Ein guter Startpunkt ist die Website der Dachgesellschaft Deutsches Interim Management, wo Sie Branchen und Anbieter im Überblick finden.
Franchise als unterschätzte Form der Selbstständigkeit
Wer sich selbstständig machen möchte, aber nicht alles von Grund auf aufbauen will, findet im Franchise eine Alternative, die in Deutschland noch zu wenig beachtet wird. Sie kaufen sich in ein funktionierendes Konzept ein, mit Marke, Vermarktung, Organisation und Vertragsmustern. Das kostet Geld, und die Gewinne werden geteilt. Je reifer das Konzept, desto höher die Investition und desto geringer das Risiko. Der Deutsche Franchiseverband bietet auf seiner Website eine anonyme Checkliste und im Anschluss ein kostenfreies Beratungsgespräch. So prüfen Sie diesen Weg gründlich, bevor Sie sich festlegen.
Die Haltung: vom Weg-von zum Hin-zu
Den Gedanken durchzuspielen ist leicht, den Schritt zu gehen nicht. Gerade wer aus großen Konzernen kommt, trägt plötzlich selbst die Verantwortung für Entscheidungen und Risiken. „Auf keinen Fall wieder Konzern“ ist schnell gesagt. Tragfähig wird ein Plan erst mit einer Hin-zu-Motivation. Dazu gehört ein Umfeld, das Sie unterstützt, und der ehrliche Blick darauf, was Sie gut können und was jemand anderes übernimmt. Stellen Sie sich einen Montag in einem Jahr vor: Ein früherer Kollege ruft an und fragt, ob Sie ein Projekt übernehmen. Sie sagen zu, weil es passt, und nicht, weil Sie müssen.
Für wen ist diese Folge?
Diese Folge ist für Sie, wenn Sie Ende fünfzig oder Anfang sechzig sind, ein Aufhebungsangebot bekommen haben oder bald ausscheiden und noch einige Jahre gestalten wollen. Ebenso, wenn Sie zwischen Festanstellung, Interim und Selbstständigkeit abwägen und eine nüchterne Übersicht suchen, bevor Sie sich für einen Weg entscheiden.
Wofür würden Sie sich morgens gern ins Zeug legen, wenn Sie es nicht mehr müssten?