Lebenslauf für Führungskräfte: Drei Mythen über Länge, Foto und Hobbys
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Warum dieses Thema?
Sie überarbeiten zum ersten Mal seit Jahren Ihren Lebenslauf, und von allen Seiten kommen Regeln: höchstens zwei Seiten, kein Foto mehr, Hobbys bloß weglassen. Jeder Ratschlag klingt sicher, und trotzdem widersprechen sie sich. Am Ende sitzen Sie vor dem Dokument und wissen nicht, wem Sie glauben sollen. In dieser Folge nehme ich mir drei Fragen vor, die mir zu Lebensläufen immer wieder gestellt werden. Sie erfahren, was davon Mythos ist, was auf Ihrer Ebene tatsächlich zählt und wie Sie Ihren Lebenslauf so gestalten, dass er Lust aufs Lesen macht.
Das erfahren Sie in dieser Folge
Mythos eins: höchstens zwei Seiten
Lebensläufe folgen Trends. Als ich als Kind die ersten bei meiner Mutter sah, die Menschen in der beruflichen Neuorientierung beriet, passten Datum, Titel, Firma und Ort auf eine Seite. Heute gehören Verantwortung, Budget, Projekte und Erfolge dazu, und nach vielen Berufsjahren reichen zwei Seiten dafür nicht immer aus. Das ist völlig in Ordnung, solange der Lebenslauf leserfreundlich bleibt. Ein gequetschtes Dokument wirkt abschreckend, eine aufgeblähte Vorlage ebenso. Entscheidend ist Relevanz statt Vollständigkeit: Bewerben Sie sich als CFO, stehen die Stationen und Ergebnisse vorn, die genau dafür sprechen. Dann liest Ihr Gegenüber gern auch eine Seite mehr.
Mythos zwei: Ein Foto ist nicht mehr erlaubt
Seit das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gilt, dürfen Unternehmen kein Bewerbungsfoto mehr verlangen. Daraus folgt aber nicht, dass Sie keines verwenden dürfen. In Deutschland sehen die meisten Entscheider, mit denen ich spreche, ein Foto gern. Eine Ausnahme sind stark amerikanisch oder britisch geprägte Unternehmen, dort ist ein Foto unüblich und wirkt eher befremdlich. Ich halte ein gutes Foto für eine Chance. Ihr Lebenslauf ist so etwas wie Ihre persönliche Broschüre, und das Bild gibt ihr ein Gesicht. Format, Farbe und Ausschnitt verraten schon etwas über Sie, bevor Ihr Gegenüber die erste Zeile liest.
Das Foto, an dem man Sie wiedererkennt
Farbig wirkt im normalen Geschäftsleben nahbarer, Schwarz-Weiß elegant, manchmal aber auch hart. Ein dezenter, heller Hintergrund ist meist besser als Schwarz. Nehmen Sie mehrere Oberteile zum Fotografen mit, und kleiden Sie sich so, wie man sich im Zielunternehmen kleidet, gern eine Spur schicker, aber nie verkleidet. Vor allem muss das Foto aktuell sein. Aus meiner Zeit als Headhunterin erinnere ich mich an einen Kandidaten, den ich beim Hereinkommen schlicht nicht erkannte, und für einen Moment glaubte ich, der Falsche sitze vor mir. Tragen Sie also auf dem Bild dieselbe Brille wie im Gespräch. Dann erkennt Ihr Gegenüber Sie sofort, und das Gespräch beginnt mit Vertrautheit statt mit Irritation.
Mythos drei: Hobbys gehören nicht hinein
Interessen und Ehrenamt zeigen, wer Sie als Mensch sind. Passive Angaben wie Lesen oder Kino sagen wenig. Aktive Beschäftigungen zeigen, dass Sie sich körperlich und geistig fit halten. Extremsportarten lösen bei manchem Arbeitgeber eher Sorge aus. Golf oder Segeln verraten etwas über Ihr Umfeld und Netzwerk, und wenn ein Unternehmen Kunst fördert und Sie sich dort auskennen, ergibt sich ein natürlicher Gesprächsanlass. Ehrenamtliches Engagement gewinnt an Gewicht. Wichtig ist nur, dass es echt ist. Ich habe einmal im Lebenslauf einer Kandidatin Önologie gelesen und nach ihrem Lieblingswein gefragt. Von da an sprach sie mit Begeisterung, das Gespräch wurde offen, und genau dieser Moment blieb in Erinnerung, als die Entscheidung anstand.
Für wen ist diese Folge?
Für Führungskräfte, die ihren Lebenslauf nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder in die Hand nehmen und sich zwischen widersprüchlichen Ratschlägen nicht entscheiden können. Besonders hilfreich, wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Unterlagen zu lang geraten sind, ob ein Foto dazugehört oder ob Ihre privaten Interessen auf dieser Ebene noch eine Rolle spielen.
Welche Zeile in Ihrem Lebenslauf würde ein Gespräch eröffnen, auf das Sie sich freuen?