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Podcastfolge · Lebenslauf & Unterlagen

Motivationsschreiben aus Headhunter-Sicht: Inside Headhunting, Teil 2

Erschienen
Dauer
17 Minuten
Gast
Gerhard Dobrowolski und Uwe Happel, Personalberater bei Dr. Weber & Partner
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Warum dieses Thema?

Muss ich als Führungskraft überhaupt noch ein Anschreiben schreiben? Diese Frage kommt in meinen Beratungen sehr oft, meist mit der leisen Hoffnung auf ein Nein. Im zweiten Teil der Reihe „Inside Headhunting“ habe ich sie den Personalberatern Gerhard Dobrowolski und Uwe Happel von Dr. Weber & Partner gestellt. Ihre Antwort reicht weiter als bis zum Schreiben. Dahinter steht die Frage, wie gründlich Sie sich mit einem Unternehmen befasst haben, und genau das prüfen Berater auch im ersten persönlichen Termin. Sie erfahren, was ins Schreiben gehört, was entfallen kann und wie Sie heikle Punkte wie Gehalt und Umzug beantworten.

Das erfahren Sie in dieser Folge

Das Schreiben zeigt Ihre Auseinandersetzung

Für die beiden Berater ist das Motivationsschreiben keine Gängelei. Es zeigt, wie intensiv Sie sich mit der Stelle beschäftigt haben: Was braucht das Unternehmen, welche Lücke soll gefüllt werden, und was liefern Sie dafür? Deshalb nennen sie es die Königsdisziplin der Bewerbung. Der Dreizeiler „anbei meine Unterlagen zur Position“ verschenkt diese Chance. Hat es vorher ein Telefonat gegeben, genügt oft eine knappe E-Mail mit Bezug darauf und eine Zusammenfassung Ihrer Erfolgsmacher. Für Sie heißt das: weniger Text, aber jeder Satz zeigt, warum gerade Sie für diese Aufgabe passen.

Wenn Gehalt und Umzug abgefragt werden

Fragt die Anzeige ausdrücklich nach Gehaltsvorstellung oder Umzugsbereitschaft, gehört die Antwort ins Schreiben. Wer eine direkte Frage des Unternehmens übergeht, landet nach Erfahrung der Berater meist wieder auf dem Stapel. Beim Gehalt genügt eine Spanne, gern mit Hinweis auf Dienstwagen und Altersversorgung. Die Berater kennen das Gesamtpaket ihres Auftraggebers und können so früh abgleichen, ob es zusammenpasst. Bei Residenzpflicht wollen sie wissen, ob die Familie den Umzug mitträgt. Nichts ist für alle Beteiligten ärgerlicher als ein Kandidat, der kurz vor der Präsentation an genau dieser Frage scheitert.

Vorbereitung: Website, Meldungen, Bilanz

Ein Punkt hat mich in diesem Gespräch besonders beschäftigt. In Direktgesprächen fragen Kandidaten oft nach Dingen, die sie mit einem Blick auf die Website, die aktuellen Meldungen oder den Bundesanzeiger selbst hätten beantworten können. Auf Geschäftsführungsebene erwarten Berater, dass Sie die Lage kennen: eine neue Tochtergesellschaft, ein großer Auftrag, Aussagen der Spitze zu einem Zukunftsthema. Die Szene, die Sie anstreben: Der Berater beginnt mit der Situation des Unternehmens, und Sie ergänzen die Meldung von letzter Woche samt Ihrer Einschätzung dazu. Ab da wird nicht mehr abgefragt. Ab da sprechen zwei Menschen über eine Aufgabe.

Wie gute Berater kritische Punkte ansprechen

Seriöse Personalberater spiegeln Ihnen auch, wenn ein künftiger Vorgesetzter eine sehr eigene Persönlichkeit hat. Sie tun das andeutungsweise, ohne jemanden herabzusetzen, und fragen: Halten Sie das aus, ohne Ihre Sicherheit zu verlieren? Die Folge erzählt dazu einen Fall aus einer Bank, in dem genau dieses offene Wort die Entscheidung des Kandidaten getragen hat. Nehmen Sie solche Hinweise ernst. Sie zeigen, dass der Berater das Unternehmen kennt, und sie bewahren Sie vor einer Position, in der Sie nicht glücklich würden. Ein Berater, der so offen spricht, arbeitet auch in Ihrem Interesse.

Der erste Termin beim Berater

Berater merken schnell, ob jemand vorbereitet kommt oder den Termin nur wahrnimmt. Dabei liegt die Vorbereitung im eigenen Interesse: Sie gehen in ein Unternehmen, in dem Sie lange bleiben oder den nächsten Karriereschritt machen wollen. Gute Personalberater kennen ihren Auftraggeber sehr genau, bis hin zu Eigenheiten, die in keiner Anzeige stehen. Die Folge zeigt an einigen Beispielen, wie weit das reichen kann. Nutzen Sie diesen Termin deshalb auch für Ihre eigenen Fragen zu Kultur, Führung und Erwartungen. Was Sie hier erfahren, steht später in keiner Stellenbeschreibung und entscheidet oft darüber, ob Sie sich dort wohlfühlen werden.

Für wen ist diese Folge?

Diese Folge ist für Sie, wenn Sie vor einer Bewerbung auf eine ausgeschriebene Position auf Geschäftsführungsebene sitzen und unsicher sind, wie viel Anschreiben noch nötig ist. Und wenn eine Anzeige nach Gehalt oder Umzugsbereitschaft fragt und Sie überlegen, ob Sie das lieber erst im Gespräch klären.

Impuls für heute

Was würde ein Berater über das Unternehmen von Ihnen erwarten, das Sie im Moment noch nicht wissen?

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Ihre Gastgeberin

Sabine Lanius ist Executive Karriereberaterin und ehemalige Headhunterin. Aktiv im Bereich Executive Sparring, Executive Search und berufliche Neuorientierung seit 1998. Rund 1.500 Führungskräfte beraten.

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