Wechsel ins Top-Management: Warum Persönlichkeit mehr zählt als Leistung
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Warum dieses Thema?
<p>Ihr Lebenslauf ist stark, die Erfolge sind belegt, und trotzdem entscheidet sich ein Gremium für jemand anderen. Viele Führungskräfte suchen den Grund dann in fehlender Kompetenz. Auf Top-Level liegt er oft woanders. Ich spreche in dieser Folge mit Dorothea Assig und Dorothee Echter, die seit vielen Jahren Top-Manager beraten und deren Buch „Ambition“ ich Klienten gern empfehle. Sie arbeiten mit Führungskräften in ihrer laufenden Position, ich mit denen im Wechsel. Die Themen sind dieselben. Sie erfahren, welche Spielregeln in der Top-Liga gelten und wie Sie im Wechsel danach handeln.</p>
Das erfahren Sie in dieser Folge
Ambition statt Bescheidenheit
Wer ganz nach oben will, darf nicht warten, bis andere sein Können bemerken. In der Folge geht es um das Bewusstsein für die eigene Größe und um wenige, klare Bemerkungen, die zeigen, wo jemand steht und wohin er will. Der Antrieb dahinter sollte ein Anliegen sein: etwas aufbauen, etwas verbessern, eine Firma voranbringen. Geld, Macht und Status allein tragen nicht. Diese Ambition macht die individuelle Positionierung aus. Entscheider fragen sich bei jeder Besetzung, wohin diese Person das Unternehmen bringt. Wenn Sie darauf eine Antwort haben, die über Ihren Lebenslauf hinausgeht, heben Sie sich von gleich gut qualifizierten Kandidaten ab.
Ab einer gewissen Ebene ist Leistung vorausgesetzt
Im mittleren Management überzeugen Kompetenz und Erfolge. An der Schwelle zum Top-Management sind sie Voraussetzung, entschieden wird über die Persönlichkeit. Ist jemand unkompliziert im Umgang? Passt der Habitus? Wird diese Person auch mich erfolgreich machen? Eigenschaften und Kompetenzen sind austauschbar, eine Persönlichkeit ist es nicht. In dieser Liga sind alle sehr gut. Deshalb geben am Ende oft Nuancen den Ausschlag, manchmal ein Bauchgefühl der Entscheider. Für Sie heißt das: Sie investieren in die Gespräche mindestens so viel Vorbereitung wie in die Unterlagen, weil dort die Entscheidung fällt.
Vom Beeindrucken zum Anerkennen
Der vielleicht schwierigste Wechsel findet im Kopf statt. Jahrelang hat Leistung zum Aufstieg geführt, man wollte beeindrucken und gute Noten bekommen. Im Top-Management verschiebt sich das: Die eigene Leistung ist erwiesen, jetzt zählt, bei anderen ein gutes Gefühl auszulösen. Anerkennung geben, Komplimente machen, andere groß herausbringen, in Meetings ebenso wie in Netzwerken. Wer gerade eine Trennung erlebt hat, findet diesen Schritt besonders schwer, weil die eigene Unsicherheit nach Bestätigung ruft. Sie gewinnen mit dieser Haltung Menschen, die Sie später empfehlen, und genau über Empfehlungen werden Positionen auf dieser Ebene besetzt.
LinkedIn mit Wohlwollen nutzen
Viele Führungskräfte ringen mit der Sichtbarkeit auf LinkedIn. Die Empfehlung der Folge ist ungewöhnlich ehrlich: Wer keine Freude daran hat, lässt es besser. Wer es nutzt, sollte vor allem wertschätzend kommentieren, nie besserwisserisch. Ein Gespräch mit einem Interessenten ist mir dazu in Erinnerung geblieben. Er war stolz auf einen Beitrag mit enormer Reichweite, eine polemische Abrechnung mit einem politischen Thema. Meine Frage war, was ein künftiger Arbeitgeber darüber denkt. Reichweite und Empörung haben mit einer Karriere im Top-Management nichts zu tun. Für Sie zählen wohlwollende Verbindungen, im virtuellen wie im realen Raum.
Eine kleine Community statt eines großen Netzwerks
Ohne Nähe zu einflussreichen Menschen gibt es keine Position in der Top-Liga. Gemeint ist eine kleine Gemeinschaft mit echter Verbindung, nicht die Zahl der Kontakte. Der Aufbau beginnt niedrigschwellig. Stellen Sie sich vor, Sie sind beruflich in einer anderen Stadt und schreiben einem früheren Kollegen, der heute eine Top-Position hat, ob er Zeit für einen kurzen Cappuccino hat. Sie kommen ohne Lebenslauf, erzählen beiläufig, woran Sie gerade arbeiten und was Sie interessiert, und erwähnen, dass Sie in vielen guten Gesprächen sind. Keine Bitte um Kontakte, keine Bitte, sich zu melden, falls er etwas hört. Er geht mit einem guten Gefühl und einem klaren Bild von Ihnen nach Hause.
Unkompliziert sein ist schwerer, als es klingt
Zum Schluss fragte ich nach der wichtigsten Eigenschaft auf Top-Level. Die Antwort klingt harmlos und hat es in sich: unkompliziert sein. Das heißt, sich auf Kritik nicht zu rechtfertigen, nie schlecht über andere zu sprechen, sich auf das Gegenüber einzustellen, und das mit Bewusstsein für die eigene Größe. Unkompliziertheit ist eine Form der Wertschätzung. Wer nach einer Absage nachbohrt, warum er nicht genommen wurde, wirkt dagegen kompliziert, zumal kaum jemand die Gründe offen nennen kann. Wenn Sie diese Haltung leben, werden Sie zu der Person, mit der andere gern zusammenarbeiten, und genau diese Person suchen Gremien.
Für wen ist diese Folge?
<p>Für Führungskräfte an der Schwelle zur ersten oder zweiten Ebene, die merken, dass gute Ergebnisse allein nicht mehr reichen. Für alle, die wiederholt in der Endrunde scheitern und den Grund nicht verstehen. Und für Sie, wenn Netzwerken sich für Sie unangenehm anfühlt und Sie einen Weg suchen, der zu Ihnen passt.</p>
Wem haben Sie in den letzten Wochen ehrlich Anerkennung ausgesprochen, ohne etwas dafür zu erwarten?