Zum Inhalt springen
Podcastfolge · Neuorientierung & Trennung

Stress im Bewerbungsprozess: Fünf Wege zu mehr Ruhe beim Jobwechsel. Mit Felix Müller

Erschienen
Dauer
41 Minuten
Gast
Felix Müller, Stressexperte
Als Video auf YouTube
Zum Hören auf Spotify

Auch bei Apple Podcasts und Audible.

Warum dieses Thema?

Tagsüber haben Sie alles im Griff. Nachts wachen Sie auf und gehen im Kopf die Gespräche der Woche durch, die Absage von gestern, die Mail, auf die keine Antwort kommt. Ein Wechsel auf Top-Level ist eine Phase, in der viel auf dem Spiel steht, beruflich und privat. Viele Führungskräfte, mit denen ich arbeite, erleben das zum ersten Mal und halten den Druck für ein Zeichen von Schwäche. Mein Gast in dieser Folge ist der Stressexperte Felix Müller, der Führungskräfte mit kognitiven Verhaltensmethoden unterstützt. Gemeinsam haben wir fünf Tipps entwickelt. Danach wissen Sie, wie Sie Ihren Wechsel mit ruhigerem Kopf steuern.

Das erfahren Sie in dieser Folge

Den Stress anerkennen, statt ihn wegzudrücken

Der erste Tipp klingt banal und ist doch der wichtigste. Wer sich einredet, das Ganze sei kein Stress, kämpft gegen das eigene Unterbewusstsein. Das sucht unablässig nach Risiken und meldet sich, wenn viel auf dem Spiel steht. Ein Bewerbungsprozess ist genau so eine Lage: Andere beurteilen Sie, und Absagen gehören dazu. Unser Gehirn reagiert auf die Angst, beurteilt zu werden, ähnlich wie auf echte Gefahr. Diesen Kampf können Sie nicht gewinnen, er kostet nur Energie. Wer anerkennt, dass die Phase anstrengend ist, kann sich dem zuwenden, was er tun kann. Damit werden Sie wieder Herr des Prozesses, und das allein bringt schon Ruhe.

Stress als Warnlampe lesen

Ein Bild aus der Folge trägt weit: Stress ist wie die gelbe Lampe im Armaturenbrett. Sie zeigt an, dass etwas nicht stimmt, und fordert Sie auf, hinzusehen. Manche kleben die Lampe zu. Sie leuchtet trotzdem weiter. Beim Auto steht dabei, ob es um Öl oder Reifendruck geht. Beim Stress müssen Sie selbst herausfinden, was dahintersteckt, oft eine frühere Erfahrung, etwa das letzte schwierige Gespräch. Für den akuten Moment, mitten in einem Interview, helfen einfache Techniken wie bewusstes Atmen oder die Bitte, eine Frage zu präzisieren. Das verschafft Ihnen Zeit, bis die Stressreaktion abklingt und Sie wieder klar denken.

Ein Plan, der regelmäßig geprüft wird

Das Unterbewusstsein mag keine Unklarheit und keinen Kontrollverlust. Ein strukturierter Plan beruhigt es. SMART-Ziele helfen, den Prozess in machbare Schritte zu teilen. Der Kniff aus der Folge: Machen Sie die Gestaltung des Prozesses zum Ziel, nicht nur die neue Position am Ende. Dazu gehört ein realistischer Blick auf den Markt. Zwischen Nikolaus und Anfang Januar geht wenig voran, in den Sommerferien vieles langsamer, weil Entscheider fehlen. Das hat nichts mit Ihrer Attraktivität zu tun. Wer das einplant, nutzt die ruhigen Wochen zur Vorbereitung. Und am Abend sagen zu können, dass Sie getan haben, was auf dem Plan stand, nimmt der Unruhe viel von ihrer Kraft.

Eine Peergroup statt Einsamkeit

Im Job tragen uns Kollegen. Im Wechsel fällt dieses Netz weg. Wer noch in Position ist, kann mit dem Team nicht darüber sprechen. Die Familie hört zu, fragt sich aber auch, was der Wechsel für sie bedeutet. Das kann einsam werden. Eine Gruppe von Menschen in derselben Lage hilft dagegen. Sie entlastet emotional, liefert ehrliches Feedback und ist ein Übungsraum für den Pitch und schwierige Interviewfragen. Und manchmal kennt einer genau den Personalberater oder den Entscheider, der Ihnen eine Tür öffnen kann. Stellen Sie sich den Donnerstagabend vor, an dem Sie nach so einem Treffen nach Hause fahren und merken, dass Sie heute zum ersten Mal seit Wochen über Ihren Wechsel gesprochen haben, ohne sich zu erklären.

Gespräche vorbereiten wie im Simulator

Unter Stress schaltet das Gehirn auf Flucht oder Kampf. Kreativität und Schlagfertigkeit sind dann kaum verfügbar. Die Lösung ist Vorbereitung, so wie Piloten Notfälle im Simulator üben, bis die Handgriffe sitzen. Üben Sie Anfang und Ende eines Gesprächs und genau die Fragen, die Sie erfahrungsgemäß aus dem Takt bringen. Hilfreich ist auch ein Reframing des Ziels. Das erste Gespräch muss Ihnen noch keinen Vertrag bringen. Es soll klären, ob Aufgabe, Unternehmen und vor allem der künftige Vorgesetzte zu Ihnen passen. Wer so hineingeht, ist neugierig statt angespannt und stellt die Fragen, die ihm wirklich wichtig sind.

Geduld mit Aktivität verbinden

Zum Schluss ein Zusatztipp: Geduld, aber eine aktive. Die Schlüsselfrage lautet, ob Sie genug vom Richtigen tun. Mir war in der Folge wichtig, das zu ergänzen. Ein Gespräch im laufenden Prozess ist kein Grund, alle anderen Aktivitäten ruhen zu lassen. Und ein einzelner Kanal genügt nicht. Headhunter besetzen nur einen Teil der Top-Positionen. Den Rest erreichen Sie über Entscheider in Ihrem Zielmarkt und ein Netzwerk in den Branchen und Unternehmen, die Sie interessieren. Wer diese Wege regelmäßig bedient, kann am Ende der Woche ruhig sagen: Ich habe meinen Teil getan. Wann die Antwort kommt, liegt dann nicht mehr bei Ihnen.

Für wen ist diese Folge?

Diese Folge ist für Sie, wenn Sie mitten im Wechsel stecken und der Druck an Ihrem Schlaf, Ihrer Laune oder Ihrer Familie nagt. Ebenso, wenn Sie zum ersten Mal seit vielen Jahren aktiv suchen müssen, im Sommerloch auf Antworten warten oder vor einem wichtigen Gespräch merken, dass die Nervosität Sie mehr bremst als die Fragen.

Impuls für heute

Tun Sie in dieser Woche genug vom Richtigen, oder vor allem viel?

Jetzt reinhören

Ihre Gastgeberin

Sabine Lanius ist Executive Karriereberaterin und ehemalige Headhunterin. Aktiv im Bereich Executive Sparring, Executive Search und berufliche Neuorientierung seit 1998. Rund 1.500 Führungskräfte beraten.

Zuhören ist der erste Schritt.

Der zweite ist ein Gespräch über Ihre Situation.

Zwanzig Minuten am Telefon, kostenfrei und vertraulich. Sie schildern Ihre Lage und wissen am Ende, ob und wie ich Sie auf dem Weg in die nächste Position unterstützen kann.

20 Minuten, kostenfrei und vertraulich