Positionierung auf C-Level: authentisch sein oder sich verkaufen? Mit Björn Hasse
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Warum dieses Thema?
Vor einem wichtigen Gespräch stellen sich viele Führungskräfte dieselbe Frage: Sage ich, was ich wirklich denke, oder sage ich, was die andere Seite vermutlich hören will? Und lieber möglichst breit aufstellen, damit für jeden etwas dabei ist? Wer auf C-Level wechselt, steht vor dieser Wahl in jedem Interview. In dieser Folge spreche ich mit Björn Hasse, Co-CEO der Kommunikationsagentur BCW Global, der Executives auf Medieninterviews vorbereitet. Sie erfahren, warum Authentizität und gutes Verkaufen kein Widerspruch sind und wie Sie mit Ihrer Botschaft im Gedächtnis Ihrer Gesprächspartner bleiben.
Das erfahren Sie in dieser Folge
Kein Gegensatz: Wer authentisch ist, vermarktet sich besser
Die Ausgangsfrage dieser Folge löst sich schnell auf. Wer im Interview nur sagt, was er für erwartet hält, läuft gleich doppelt Gefahr. Die Vermutung kann falsch sein. Und wenn Sie die Position bekommen, müssen Sie ohnehin mit Ihrem Gesicht für Ihre Aussagen einstehen. Mir war deshalb wichtig, das von Anfang an klar zu sagen: Bleiben Sie bei dem, was Sie wirklich denken. Begeisterung für ein Thema ist dabei ein Signal, das sich weiter stärken lässt. Für Sie heißt das: Ihre ehrliche Haltung ist kein Risiko, sondern das, was Sie von anderen Kandidaten unterscheidet.
Ihre Handschrift: vom Allgemeinplatz zur eigenen Botschaft
Nehmen wir das Beispiel Digitalisierung. Dass sie wichtig ist, haben vor Ihnen schon viele andere Kandidaten gesagt. Im Gedächtnis bleibt erst, was Sie daraus machen. Die Folge zeigt einen Dreischritt: Zuerst die allgemeine Aussage, die jeder teilt. Dann wird sie zugespitzt, im Stil einer Schlagzeile. Und schließlich machen Sie sie persönlich, mit eigener Sprache, einem Bild, einer eigenen Erfahrung: So würde ich es angehen, so habe ich es gemacht. Diese Handschrift ist es, die beim Gegenüber hängen bleibt, wenn am Abend alle Gespräche des Tages verglichen werden.
Ihre besten Geschichten brauchen Vorbereitung
Auch rhetorisch starke Führungskräfte finden im Interview nicht spontan die beste Geschichte. Unter Stress fallen einem die passenden Beispiele selten ein. Ich habe vor kurzem mit einem Klienten eine Positionsbeschreibung durchgearbeitet. Bei einer Anforderung brauchten wir mehrere Anläufe, bis die Geschichte stand, die seine Kompetenz wirklich belegte. Stellen Sie sich danach das Gespräch vor: Die Frage zu genau diesem Punkt kommt, Sie erzählen Ihre vorbereitete Geschichte in zwei Minuten, und der Personalberater schreibt mit. Abends erinnert er sich an Sie und nicht an den Kandidaten davor. Genau deshalb lohnt es sich, Ihre Erfolgsgeschichten vorher auszugraben und zu polieren.
Die Pizza mit allem: warum zu viel Breite gesichtslos macht
Ist es nicht sicherer, möglichst vieles abzudecken? Die Folge liefert dafür ein Bild: die Pizza mit allem. Ich habe einmal ein Restaurant gesehen, das deutsch-griechische Küche mit indischen Spezialitäten anbot. Wer allen gefallen will, überzeugt niemanden. Einzigartig muss niemand sein, denn auf der Shortlist stehen ohnehin mehrere fachlich passende Kandidaten. Der Unterschied liegt in den Nuancen: Der eine war lange in Asien, der andere hat Erfahrung aus einer anderen Branche. Genau darin steckt ein Schatz, den Sie im Gespräch heben können, ohne in der Masse unterzugehen, die man im Englischen die „Sea of Sameness“ nennt.
Purpose ohne Pflichtprogramm
Zum Schluss geht es um Purpose. Auch hier lauert die Falle der Beliebigkeit: Wer meint, zu fünf aktuellen Themen eine Haltung zeigen zu müssen, stapelt die Pizza wieder voll. Überzeugend wird Purpose erst, wenn er wirklich zu Ihnen gehört und erklärt, was Sie antreibt, idealerweise im Einklang mit dem Purpose des Unternehmens. Das verlangt Mut, denn wer etwas von sich zeigt, macht sich angreifbar. Gleichzeitig ist genau das Ihre Stärke. Am Ende haben Sie sich gut verkauft und gehen trotzdem mit dem Gefühl aus dem Gespräch, ganz Sie selbst gewesen zu sein.
Für wen ist diese Folge?
Diese Folge ist für Sie, wenn Sie sich auf ein Interview für eine Position auf C-Level vorbereiten und merken, dass Ihre Antworten zu glatt klingen. Und für Sie, wenn Sie viel können und sich fragen, ob Sie das alles zeigen oder sich zuspitzen sollten, damit Personalberater und Entscheider Sie klar einordnen können.
Welche Erfahrung aus Ihrer Laufbahn hat außer Ihnen kaum jemand auf der Shortlist, und erzählen Sie sie im Gespräch?