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Karriere-Blog · Neuorientierung

Diskret wechseln aus ungekündigter Position: Ihr 90-Tage-Plan

Veröffentlicht
Lesezeit
rund sieben Minuten
Für wen
Für Führungskräfte der ersten und zweiten Ebene sowie Geschäftsführer, die aus einer laufenden Position heraus wechseln wollen, ohne ihr Umfeld zu beunruhigen.

Sie sind noch in Position, und Sie wissen, dass Sie gehen wollen. Gleichzeitig darf niemand im Haus davon erfahren, nicht der Aufsichtsrat, nicht das eigene Team, nicht der Kollege, der gern über Personalien spricht. Diese Ausgangslage ist die stärkste, die Sie im Markt haben, und zugleich die heikelste. Ein Jobwechsel aus ungekündigter Position braucht deshalb einen Plan, der Tempo und Vertraulichkeit zusammenbringt. Der folgende 90-Tage-Plan zeigt Ihnen, in welcher Reihenfolge Sie Profil, Netzwerk und Personalberater aktivieren und wie Sie Termine legen, die keine Fragen aufwerfen. Dadurch kommen Sie zu Gesprächen über die nächste Position, ohne dass Ihre jetzige wackelt.

Warum Diskretion einen Plan braucht

Aus einer ungekündigten Position heraus verhandeln Sie aus Stärke. Sie müssen nichts annehmen, Sie können prüfen. Diese Stärke hält aber nur, solange Ihr Wechselwunsch nicht vorzeitig bekannt wird. Ein Gerücht im Haus kann Ihre Rolle schneller verändern, als ein neues Angebot kommt. Wer schon einmal erlebt hat, wie ein Vorstand plötzlich an einem vorbei entscheidet, weiß, wie still so etwas abläuft.

Die meisten Fehler entstehen aus Hektik. Ein Profil wird über Nacht komplett umgebaut, plötzlich erscheinen Likes unter Beiträgen von Personalberatern, im Kalender tauchen Arzttermine auf, die es nicht gibt. Jedes Signal für sich ist harmlos. Zusammen erzählen sie eine Geschichte. Eine diskrete Bewerbung folgt deshalb einer Reihenfolge: erst das Fundament, dann die Ansprache, dann die Gespräche.

Tag 1 bis 30: Fundament, das niemand bemerkt

Die ersten Wochen gehören Ihnen allein. Klären Sie, welche Position Sie suchen: Ebene, Branche, Unternehmensgröße, Eigentümer, Standort. Wer diese Frage nicht in zwei Sätzen beantworten kann, wird von Personalberatern schwer eingeordnet. Daraus entsteht eine erste Zielfirmenliste mit Unternehmen, für die Ihr Profil einen erkennbaren Nutzen hat.

Auf LinkedIn arbeiten Sie in kleinen Schritten. Schalten Sie in den Einstellungen die Benachrichtigung an Ihr Netzwerk über Profiländerungen aus, bevor Sie etwas anpassen. Verändern Sie dann Headline, Info-Text und Stationen nacheinander über mehrere Wochen, nicht an einem Abend. Ihr Profil darf schärfer werden, es soll aber weiter nach Ihrer aktuellen Rolle aussehen, nur deutlicher. Wie ein Profil für Entscheider gelesen wird, beschreibt der Eintrag LinkedIn-Profil als Landingpage. Die Funktion, mit der Sie Recruitern Ihre Wechselbereitschaft signalisieren, bietet LinkedIn auch in einer Variante an, die nur für Recruiter sichtbar ist. Eine Garantie, dass niemand aus dem eigenen Haus davon erfährt, gibt es dabei nicht. Auf Top-Level ist die persönliche Ansprache ohnehin der sicherere Weg.

Legen Sie in dieser Phase auch Ihre Kanäle fest: private Mailadresse, private Telefonnummer, privates Gerät. Kein Schritt Ihres Wechsels läuft über den Firmenlaptop oder das Diensthandy.

Tag 31 bis 60: Netzwerk und Personalberater ansprechen

Jetzt gehen Sie nach außen, aber gezielt. Wählen Sie aus Ihrem Netzwerk eine kleine Zahl von Menschen, denen Sie vertrauen und die nah an Entscheidern sitzen: ehemalige Vorgesetzte, Beiräte, Kollegen, die inzwischen in anderen Häusern Verantwortung tragen. Mit ihnen sprechen Sie persönlich, nicht per Rundmail. Bitten Sie nicht um eine Stelle. Fragen Sie nach ihrer Einschätzung des Marktes und danach, wen Sie kennen sollten. Wie Sie das Netzwerk aktivieren, ohne dass es nach Suche aussieht, ist eine Frage der Formulierung.

Parallel sprechen Sie Personalberater an, die in Ihrer Branche und auf Ihrer Ebene arbeiten. Wenige, gut ausgewählte Kontakte bringen hier mehr als eine breite Streuung. Sagen Sie offen, dass Sie in ungekündigter Position sind und Vertraulichkeit erwarten. Seriöse Berater stellen Ihren Namen keinem Auftraggeber vor, ohne Sie vorher zu fragen. Fragen Sie trotzdem nach, und notieren Sie, wer welche Unterlagen von Ihnen hat.

Was Sie davon haben: Sie bewegen sich auf dem verdeckten Stellenmarkt, auf dem Positionen Ihrer Ebene häufig besetzt werden, und Ihr Name erscheint nirgends öffentlich.

Tag 61 bis 90: Gespräche führen, ohne aufzufallen

Die ersten Gespräche kommen. Legen Sie sie auf Randzeiten, frühe Morgenstunden oder den späten Nachmittag, und nutzen Sie, wo es geht, Video. Ein Termin in einer anderen Stadt lässt sich mit einem Urlaubstag besser erklären als mit einem erfundenen Anlass. Bitten Sie Personalberater und Unternehmen, Einladungen ausschließlich an Ihre private Adresse zu schicken, und erwähnen Sie das bei jedem neuen Kontakt.

Referenzen sind der Punkt, an dem Vertraulichkeit am häufigsten bricht. Vereinbaren Sie früh, dass Referenzen erst in der Schlussphase eingeholt werden und nur mit Ihrer ausdrücklichen Zustimmung. Benennen Sie dafür Menschen außerhalb Ihres aktuellen Hauses. Und behalten Sie Ihre eigene Leistung im Blick. Wer im Wechsel innerlich schon gegangen ist, fällt im Haus schneller auf als jedes Profil auf LinkedIn.

Ergebnis vom Ergebnis: Freitagabend, die Woche war wie immer, niemand im Haus hat etwas bemerkt. In Ihrem privaten Postfach liegt die Einladung zum zweiten Gespräch mit dem Beirat eines Unternehmens, das auf Ihrer Liste ganz oben stand. Sie entscheiden in Ruhe, ob Sie hingehen.

Was der Plan Ihnen erspart

Neunzig Tage klingen lang, wenn man gehen will. Sie sind kurz im Vergleich zu dem, was ein unkoordinierter Wechsel kosten kann: ein bekannt gewordener Wechselwunsch, eine geschwächte Position im Haus, Verhandlungen unter Zeitdruck. Wer dagegen strukturiert vorgeht, verhandelt mit einem stabilen Marktwert und spart sich Monate, in denen er auf Signale wartet, die nicht kommen.

Ein Plan dieser Art ist kein starres Raster. Manche Gespräche kommen früher, manche Kontakte brauchen länger. Wichtig ist die Reihenfolge: Wer seine Zielrolle kennt, bevor er Personalberater anruft, wird von ihnen richtig eingeordnet. Wer sein Profil geschärft hat, bevor ihn ein Entscheider aufruft, muss im ersten Gespräch weniger erklären. Und wer seine Kanäle vorher getrennt hat, muss sich nie fragen, ob eine Mail im falschen Postfach gelandet ist. Diese Ruhe merkt man Ihnen im Haus an, und auch in jedem Gespräch draußen.

Häufige Fragen

Merkt mein Arbeitgeber, wenn ich mein LinkedIn-Profil überarbeite?

Wenn Sie die Benachrichtigung über Profiländerungen ausschalten und in kleinen Schritten vorgehen, fällt das in der Regel nicht auf. Auffälliger sind plötzliche Aktivität, viele neue Kontakte zu Personalberatern oder ein Profil, das über Nacht eine andere Richtung zeigt.

Wie viele Personalberater sollte ich ansprechen?

So viele, wie wirklich auf Ihrer Ebene und in Ihrer Branche arbeiten. Eine feste Zahl gibt es nicht. Wichtiger als die Menge ist, dass jeder Berater Ihre Zielrolle kennt und weiß, dass Sie Vertraulichkeit erwarten.

Soll ich meinen Vorgesetzten irgendwann einweihen?

In der Regel erst, wenn ein unterschriebener Vertrag vorliegt. Vorher gibt es selten einen Vorteil, aber viele mögliche Nachteile. Ausnahmen sind Situationen, in denen ein offenes Gespräch über die eigene Zukunft im Haus ohnehin ansteht.

Sabine Lanius
Über die Autorin

Sabine Lanius ist Executive Karriereberaterin und ehemalige Headhunterin. Aktiv im Bereich Executive Sparring, Executive Search und berufliche Neuorientierung seit 1998. Rund 1.500 Führungskräfte beraten. Unabhängig von Unternehmen und Personalberatungen.

Welche Ihrer Kontakte würden Sie heute anrufen, wenn niemand davon erfahren darf?

Ein Erstgespräch mit Sabine Lanius.

Zwanzig Minuten am Telefon, vertraulich, kostenfrei. Sie schildern Ihre Lage, ich frage nach und höre zu. Am Ende sage ich Ihnen offen, ob ich für Ihren Weg die Richtige bin.

20 Minuten, kostenfrei und vertraulich