Wirkung im Vorstellungsgespräch: Stimme, Präsenz und Zuhören. Mit Julian Treasure
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Warum dieses Thema?
Fachlich passte alles, das Gespräch lief aus Ihrer Sicht ordentlich, und dann bekommt ein anderer die Position. Wieder Nummer zwei, wieder ohne Feedback. Viele Executives, mit denen ich arbeite, kennen diese Irritation. Oft liegt die Ursache dort, wo kaum jemand hinschaut: in der Stimme, in der Präsenz und darin, wie gut jemand zuhört. Für diese Folge habe ich Julian Treasure eingeladen, TED-Speaker mit über 150 Millionen Aufrufen. Wir haben auf Englisch gesprochen, über Nervosität, Atmung, Haltung und das Gespräch als Begegnung zweier Menschen. Danach verstehen Sie besser, was im Interview tatsächlich ankommt, und wissen, woran Sie arbeiten können.
Das erfahren Sie in dieser Folge
Sprechen und Zuhören sind Fähigkeiten
Lesen und Schreiben lernen wir in der Schule, Sprechen und Zuhören nicht. Die meisten halten beides deshalb für etwas, das man eben kann. Genau hier liegt der Denkfehler, um den sich die Folge dreht. Es sind Fähigkeiten, und Fähigkeiten lassen sich üben. Niemand würde ohne Probe ein Klavierkonzert geben. Ins Vorstellungsgespräch gehen viele Führungskräfte aber, ohne je über ihre Stimme nachgedacht zu haben. Mir war wichtig, das für Ihre Lage zu übersetzen. Auf Ihrer Ebene ist die Fachlichkeit meist bei allen Finalisten gegeben. Den Unterschied macht dann, wie Sie wirken. Wer das als trainierbar begreift, hat einen Hebel, den die meisten Mitbewerber gar nicht kennen.
Nervosität als Verbündete
Nervosität vor einem wichtigen Gespräch ist normal, auch auf Top-Level. Sie ist der Körper, der sich auf Höchstleistung einstellt, schneller, wacher, schärfer. Sprinter am Start sind nervös und begrüßen das, weil es ihnen hilft. Problematisch wird es erst, wenn Sie gegen die Nervosität ankämpfen. Für den Moment selbst gibt es einfache Mittel: tief atmen, damit die Stimme wieder Boden bekommt, kein Blatt in der Hand, das ein Zittern sichtbar macht, die Hände ruhig ablegen. Und ein Gedanke, der vielen hilft: Ihr Gegenüber sieht Ihr Herzklopfen nicht. Sie spüren es, er nicht. Das nimmt dem Moment viel Druck.
Üben, vorbereiten, dann liefern
Die langfristige Lösung ist Vorbereitung in drei Stufen. Erstens üben, und zwar das Sprechen vor Menschen, die Sie nicht kennen, etwa in einer kleinen Gruppe, die sich regelmäßig trifft und Feedback gibt. Zweitens vorbereiten, mit einer Frage, die mir seither nicht aus dem Kopf geht: In welches Zuhören spreche ich hinein? Jeder hört anders, geprägt von Kultur, Erfahrung und Erwartungen. Recherchieren Sie das Unternehmen, seinen Ton und, wenn möglich, die Person, mit der Sie sprechen. Das entscheidet über Begrüßung, Kleidung und Inhalt. Drittens liefern, und dabei loslassen. Wer zu sehr am Ergebnis hängt, verkrampft und will nur noch das Richtige sagen.
Präsenz durch Haltung, Atmung und gute Fragen
Ruhige Präsenz entsteht über den Körper. Ein hilfreiches Bild aus der Folge: ein Faden am Scheitel, an dem Sie hängen. Die Schultern sinken, Sie sitzen aufrecht und entspannt zugleich. Dazu Atmung und Blickkontakt. Präsenz zeigt sich aber auch in Ihren Fragen. Ein Interview ist keine Einbahnstraße, in der Sie auf die nächste Frage warten. Wer klug nachfragt, wie etwas im Unternehmen funktioniert, zeigt echtes Interesse. Und wer offen sagt, dass er gerade nervös ist, durchbricht das Spiel und schafft oft sofort eine Verbindung. Stellen Sie sich vor, Ihr Gegenüber lacht kurz, nickt und erzählt, wie es ihm beim eigenen Wechsel ging. Ab da führen Sie ein Gespräch statt einer Prüfung.
Case Study und Präsentation: proben, bis Sie frei sind
Ab der dritten oder vierten Runde kommt auf Executive-Ebene oft eine Case Study oder eine Präsentation. Auch hier gilt: Inhalt vorbereiten und dann so oft proben, bis Sie ihn sicher beherrschen. Das Ziel ist kein auswendig gelernter Text. Wer seinen Stoff wirklich kennt, kann frei damit umgehen, wie eine Jazzband, die Akkorde und Melodie kennt und deshalb improvisieren kann. Sie lesen dann den Raum: Sind die Zuhörer formell, wirken sie skeptisch, passt ein Scherz oder lieber nicht? Für die Stimme selbst lohnt sich ein Training mit einem Profi für Sprechen oder Gesang. Davon profitieren Sie über das Interview hinaus, später in der Rolle selbst.
Der innere Dialog und die Kraft der Stille
Die Stimme im Kopf, die Ihnen sagt, dass Sie es wieder vermasseln, sind nicht Sie. Sie sind derjenige, der ihr zuhört. Aus dieser Position können Sie freundlich danken und trotzdem tun, was Sie vorhaben. Hilfreich ist, die Annahmen dahinter bewusst zu machen, denn sie färben, wie Sie Fragen im Gespräch deuten. Die tägliche Übung für die Phase zwischen zwei Positionen ist schlicht: einige Minuten Stille, mehrmals am Tag, gern in der Natur. Wer mit Stille vertraut ist, füllt Pausen nicht mehr mit Füllwörtern und spricht langsamer. Eine bewusste Pause wirkt im Gespräch souveräner als jeder weitere Satz.
Für wen ist diese Folge?
Diese Folge ist für Sie, wenn Sie wiederholt in der Endrunde gescheitert sind, ohne zu wissen, woran. Wenn Sie vor wichtigen Gesprächen stark nervös werden oder demnächst eine Präsentation oder Case Study im Auswahlverfahren halten, finden Sie hier konkrete Ansätze, die Sie bis zum Termin üben können.
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