Wirkung im Online-Vorstellungsgespräch: Was am Bildschirm zählt. Mit Markus Tirok
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Warum dieses Thema?
Sie haben Hunderte Videokonferenzen geleitet. Ein Vorstellungsgespräch am Bildschirm fühlt sich trotzdem anders an: Sie sehen nicht, wie Ihre Antwort ankommt, und irgendwo im Hinterkopf läuft die Frage mit, ob die Technik hält. Genau dort entsteht aber oft der erste Eindruck. In dieser Folge spreche ich mit Markus Tirok, TV-Moderator, Dozent und Medientrainer, darüber, wie Sie im Online-Interview so natürlich wirken wie im persönlichen Gespräch. Sie bekommen konkrete Hinweise zu Ton, Bild und Auftritt, die sich mit wenig Aufwand umsetzen lassen und dafür sorgen, dass Ihr Gegenüber über Ihre Inhalte spricht statt über Ihre Kamera.
Das erfahren Sie in dieser Folge
Erst die Rolle klären, dann die Technik
Bevor es um Mikrofone ging, ging es uns um die Haltung. Im Online-Interview sind Sie derjenige, der Antworten gibt und seine Expertise so zeigt, dass die Gegenseite etwas davon hat. Wer sich das vorher bewusst macht, stellt sich zwei Fragen: Was soll mein Gegenüber nach diesem Gespräch über mich wissen? Und woran wird es sich erinnern? Diese Fragen ordnen alles andere. Die Technik wird dann zum Werkzeug, das Ihre Inhalte ungestört ankommen lässt. Für Sie heißt das: Sie gehen mit einer Botschaft ins Gespräch, nicht mit einer Checkliste.
Der Ton zählt mehr als das Bild
Für viele überraschend: Am wichtigsten ist ein guter Ton. Das eingebaute Mikrofon im Laptop sitzt meist zu weit weg. Ein externes USB-Mikrofon ist schnell eingesteckt und kostet nicht viel. Der Haken daran: Sie selbst hören den Unterschied nie, Ihr Gegenüber dagegen eine ganze Stunde lang. Dazu kommt das Bild. Die Kamera gehört auf Augenhöhe, notfalls mit ein paar Büchern unter dem Laptop, damit niemand auf den Rauchmelder an der Decke blickt. Das Licht sollte gleichmäßig sein. Wer eine Brille trägt, lässt die Ringleuchte indirekt über die Wand oder schräg von oben strahlen. Dann spiegelt sich nichts in den Gläsern, und Ihr Gesicht bleibt das, worauf man achtet.
Blickkontakt lässt sich üben
Das eigentliche Dilemma am Bildschirm: Wer in die Kamera schaut, sieht nicht, wie das Gegenüber reagiert. Wer auf das Bild schaut, wirkt abwesend. In der Folge geht es um eine einfache Hilfe, ein Post-it mit Pfeil direkt unter der Kamera. Während Sie sprechen, schauen Sie in die Kamera, während der andere spricht, auf ihn. Das braucht etwas Training. Ich habe es selbst ausprobiert, bei mir klebt ein Smiley, und nach einigen Wochen ging es deutlich leichter. Ihr Gegenüber hat dann genau in den Momenten, in denen es darauf ankommt, das Gefühl, dass Sie es ansehen.
Ein echter Hintergrund wirkt ruhiger als jede Skyline
Virtuelle Hintergründe ohne Greenscreen erzeugen Fehler: Die halbe Brille verschwindet, ein Buch in der Hand löst sich auf. Das lenkt mehr ab als jede Bürowand. Besser ist ein ruhiger, echter Hintergrund, in dem nichts zu sehen ist, was Sie nicht zeigen möchten. Ein Glas Wasser zwischendurch ist übrigens kein Problem. Im Büro hätte man Ihnen auch eines angeboten, und es wirkt normal und souverän. Gepflegt und angemessen gekleidet erscheinen Sie online genauso wie vor Ort. So zeigt Ihr Auftritt dem Unternehmen nebenbei, wie selbstverständlich Sie mit digitaler Kommunikation umgehen.
Vorbereitet, ohne auswendig gelernte Sätze
Wer fünf Minuten vor dem Termin merkt, dass die Kamera nicht läuft, startet aufgeregt und braucht lange, um wieder bei sich anzukommen. Deshalb lohnt eine Probe am Vortag. Inhaltlich gilt dasselbe: Überlegen Sie, welche Fragen kommen und welche Antworten für genau dieses Unternehmen relevant sind. Greifen Sie einzelne Stationen heraus, statt die Biografie herunterzuerzählen. Sätze aus dem Bewerbungsratgeber erkennt jeder Interviewer sofort. Stellen Sie sich das Ergebnis vor: Der Call beginnt, Ton und Bild stehen, und auf die erste Frage erzählen Sie eine konkrete Situation aus Ihrer letzten Position. Ihr Gegenüber lehnt sich vor und fragt nach, weil es mehr wissen will.
Für wen ist diese Folge?
Für Führungskräfte, die demnächst ein Interview per Video führen, etwa mit einem Personalberater oder der Geschäftsführung eines Zielunternehmens, und sicher sein wollen, dass Technik und Auftritt nicht von ihren Inhalten ablenken. Und für Sie, wenn Sie Videocalls zwar täglich nutzen, aber noch nie bewusst darauf geachtet haben, wie Sie dort auf andere wirken.
Wann haben Sie zuletzt gesehen, wie Sie selbst in einem Videocall auf Ihr Gegenüber wirken?