Worauf Personaler im Interview mit Führungskräften achten. Mit Birgit Kiessler
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Warum dieses Thema?
Was will ein erfahrener Personaler im Gespräch mit einer Führungskraft eigentlich wissen? Und was heißt authentisch sein, wenn man gerade eine Trennung hinter sich hat und an sich zweifelt? In dieser Folge spreche ich mit Birgit Kiessler, seit mehr als 20 Jahren Personalleiterin beim Privatbankhaus Metzler. Mich hat schon bei unserer ersten Begegnung beeindruckt, wie sie Fragen stellt. Sie erfahren, welche Fragen hinter einem guten Interview stehen, warum Nähe für Führungskräfte das zentrale Kriterium ist und wie Sie Ihre eigene Geschichte so erzählen, dass sie trägt.
Das erfahren Sie in dieser Folge
Führung lebt von Freiwilligkeit
Der Ausgangspunkt der Folge ist schlicht. Hochleistung lässt sich nicht erzwingen, Menschen geben sie freiwillig, wenn sie ihrer Führungskraft vertrauen. Deshalb achtet eine gute Personalerin im Interview vor allem darauf, ob jemand echte Nähe herstellen kann, mehr als Höflichkeit und gute Umgangsformen. Erfragt wird das über erlebte Führungssituationen, gute wie schwierige, und über das, was Sie daraus gelernt und verändert haben. Daran zeigt sich Ihre Fähigkeit zur Selbstreflexion. Bereiten Sie zwei, drei solcher Situationen vor, jeweils mit der Konsequenz, die Sie gezogen haben.
Über den Jobverlust offen sprechen
Viele Führungskräfte glauben, sie müssten eine Trennung im Gespräch kleinreden. Die Erfahrung aus der Personalarbeit spricht dagegen. Ein Jobverlust gehört zu den großen Lebenskrisen, und wer behauptet, das habe ihm nichts ausgemacht, wirkt selten glaubwürdig. Überzeugender ist eine ehrliche, kurze Erzählung: Das war schwer, ich hatte Zweifel, und dann habe ich Folgendes getan. Das wird eher als mutig wahrgenommen. Stellen Sie sich die Szene vor: Die Frage nach dem Ausscheiden kommt, und Sie antworten in vier Sätzen, ruhig und ohne Rechtfertigung. Ihr Gegenüber nickt und geht zum nächsten Thema über. Die Frage, vor der Sie sich gefürchtet haben, ist beantwortet.
Fragen, die über den Lebenslauf hinausgehen
Den Lebenslauf haben alle gelesen. Ein guter Einstieg überrascht deshalb mit der Frage, was man über Sie als Person wissen sollte, oder was Ihre Schwester über Sie sagen würde. Weitere Fragen aus der Folge: Wann gehen Sie abends zufrieden nach Hause? Welche Erfahrung hat Sie zum Umdenken gebracht? Was haben Sie als größte Auszeichnung erlebt? Was können Sie besser als Ihre Kollegen? Die Antworten zeigen, wo jemand gern und deshalb gut arbeitet. Wer darauf mit kleinen, echten Erfolgsgeschichten antwortet, hebt sich von auswendig gelernten Stärkenlisten ab.
Stärken, die Sie belegen können
Die klassische Frage nach den drei größten Stärken lädt zu Auswendiggelerntem ein. Wenn sie kommt, nennen Sie nur Stärken, die Sie mit Ihrer Vita belegen können, denn die Nachfrage nach einem konkreten Beispiel folgt. Überlegen Sie vorher, welche Stärken die Position wirklich braucht. Dieser ehrliche Abgleich schützt Sie vor Rollen, in denen Sie nicht glücklich würden. Gute Fragen gehören auch auf Ihre Seite: Wie geht das Unternehmen mit Fehlern um, was tut es, um besser zu werden? So prüfen Sie, ob der Weg des Unternehmens zu Ihrem passt.
Erst die Standortbestimmung, dann die erste Bewerbung
Der wichtigste Rat der Folge betrifft die Zeit vor der ersten Bewerbung. Wo komme ich her, was habe ich gelernt, wo stehe ich, und was passt in den nächsten Jahren in mein Leben? Viele überspringen diesen Schritt aus dem ersten Schock heraus und rufen sofort ihr Netzwerk an. Das hat einen Preis: Wen Sie einmal ohne klare Richtung angerufen haben, können Sie so bald nicht wieder fragen. Überlegen Sie deshalb genau, wen Sie wann und mit welcher Information ansprechen. Oft gibt es nur eine Chance, und die nutzen Sie besser mit einem klaren Anliegen.
Für wen ist diese Folge?
Diese Folge ist für Sie, wenn Sie nach einer Trennung vor den ersten Vorstellungsgesprächen stehen und unsicher sind, wie offen Sie über Ihr Ausscheiden sprechen sollen. Ebenso, wenn Sie kurz nach dem Jobverlust am liebsten sofort Ihr ganzes Netzwerk anrufen würden.
Was würde Ihre Schwester antworten, wenn ein Personaler sie fragt, wodurch Sie sich auszeichnen?