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Podcastfolge · Karrierewege

Selbstständig nach dem Jobverlust: Ein neuer Weg aus der Wirtschaftskrise. Mit Bernd Pohl

Erschienen
Dauer
26 Minuten
Gast
Bernd Pohl, früher Leiter Produktion und Technik, heute selbstständig
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Warum dieses Thema?

Der Arbeitgeber ist insolvent, der Markt ist zu, und die Stellenanzeigen werden weniger. In so einer Lage will man vor allem eines: schnell wieder eine Position finden, die der bisherigen entspricht. Dass am Ende ein ganz anderer Weg stehen könnte, liegt in dem Moment außerhalb jeder Vorstellung. In dieser Folge spreche ich mit Bernd Pohl, der 2009 mitten in der Wirtschaftskrise seine Position als Leiter Produktion und Technik verlor und mit dem ich damals zusammengearbeitet habe. Sie erfahren, wie er in die Selbstständigkeit hineingewachsen ist und welche Schritte ihn dorthin geführt haben.

Das erfahren Sie in dieser Folge

Am Anfang stand der Wunsch nach Tempo

Bernd Pohl kam mit einem klaren Plan zu mir: jeden Tag ins Büro kommen, Unterlagen erstellen lassen, verschicken, Gespräche trainieren und möglichst schnell eine neue Stelle antreten. Er hätte am liebsten sein Wohnmobil vor meinem Büro geparkt. Ich fand das damals amüsant und konnte es gleichzeitig gut verstehen, denn wer seine Position verliert, will Tempo. Warum der Weg anders aussah, wurde ihm erst im Lauf der Arbeit klar. Gerade dieser Umweg über die eigene Klärung hat später den Unterschied gemacht. Für Sie heißt das: Tempo entsteht aus Richtung, und die Richtung braucht am Anfang etwas Zeit.

Der Lebenslauf als Beleg für Erfolge

Ein Lebenslauf war für ihn bis dahin eine Aneinanderreihung von Tätigkeiten. Die Fragen nach wichtigen Projekten, Ergebnissen und der Haltung dahinter haben ihn gezwungen, genau hinzuschauen: Wofür stehe ich eigentlich? Gerade Führungskräfte aus technischen Bereichen tun sich schwer damit, die eigene Leistung darzustellen. Es war zwischendurch mühsam, und es gab Widerstände. Am Ende stand ein Paket, auf das er stolz war und das er selbst gestaltet und verschickt hat. Wer diese Arbeit selbst macht, kennt danach seine Erfolge so gut, dass er sie in jedem Gespräch souverän erzählen kann.

Initiativansprache in einem Markt ohne Anzeigen

Weil es kaum ausgeschriebene Positionen gab, haben wir Unternehmen gezielt initiativ angesprochen, für ihn völlig neu. Überraschend oft folgten Einladungen von Firmen, die gar nichts inseriert hatten. Eingestellt wurde in der Krise trotzdem kaum jemand. Dann rief der Geschäftsführer eines kleinen Unternehmens an: keine Planstelle, aber ein laufendes Projekt, bei dem er eine junge Projektleiterin als Mentor unterstützen könnte. Er sagte zu, in Absprache mit der Arbeitsagentur, um im Geschäft zu bleiben. Nach einigen Monaten bot ihm das Unternehmen zwei bezahlte Aufträge an, und damit begann seine Selbstständigkeit. Offenheit hat hier eine Tür geöffnet, die auf keiner Liste stand.

Sich selbst kennen und in 90 Sekunden vorstellen

Zu unserer Arbeit gehörte ein Persönlichkeitsprofil, um das er sich jahrelang gedrückt hatte. Er sah darin seine Stärken und Schwächen und lernte, zu sich zu stehen, statt Vorbildern nachzueifern. Dazu kam die Vorstellung in 90 Sekunden. Jahrzehnte Berufsleben in anderthalb Minuten zu fassen, kam ihm anfangs unmöglich vor. Als sie stand, hat er sie auf langen Autofahrten immer wieder geübt. Stellen Sie sich das Ergebnis vor: Im Gespräch kommt die Bitte, sich kurz vorzustellen. Sie sprechen neunzig Sekunden, klar und ohne Lebenslauf-Nacherzählung, und Ihr Gegenüber stellt danach die Frage, auf die Sie gewartet haben.

Offen bleiben und den eigenen Stand regelmäßig prüfen

Seine Vorstellungen waren anfangs sehr fest, bis hin zu den Firmen, für die er arbeiten wollte. Erst die Bereitschaft, andere Möglichkeiten zuzulassen, hat den Weg frei gemacht. Als Selbstständiger musste er sich neu zeigen: eine eigene Website, Gespräche auf Messen, eigene Wege, Kontakte zu knüpfen. Auch das ließ sich lernen. Viele Jahre später hat er seinen Stand noch einmal gemeinsam mit mir geprüft, weil er spürte, dass etwas fehlte. Für Sie heißt das: Auch mit viel Erfahrung können Sie sich neu erfinden, und eine Standortbestimmung lohnt sich nicht nur am Anfang.

Für wen ist diese Folge?

Für Führungskräfte, die durch Insolvenz, Umstrukturierung oder eine Krise ihre Position verloren haben und sich fragen, ob neben einer Festanstellung auch die Selbstständigkeit eine Option ist. Und für alle, die mit sehr festen Vorstellungen in den Wechsel gehen und wissen möchten, was entstehen kann, wenn man sich für andere Wege öffnet.

Impuls für heute

Welche Möglichkeit haben Sie bisher ausgeschlossen, ohne sie wirklich geprüft zu haben?

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Sabine Lanius ist Executive Karriereberaterin und ehemalige Headhunterin. Aktiv im Bereich Executive Sparring, Executive Search und berufliche Neuorientierung seit 1998. Rund 1.500 Führungskräfte beraten.

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