Konfliktfähigkeit im Vorstellungsgespräch: Was Entscheider fragen. Mit Manuel Fink
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Warum dieses Thema?
Fachlich sind Sie längst geprüft, sonst säßen Sie nicht im Gespräch. Und trotzdem entscheidet sich die Besetzung oft an einer Stelle, auf die sich kaum jemand vorbereitet: an der Frage, wie Sie mit Menschen umgehen, wenn es unbequem wird. „Teamfähig“ und „konfliktfähig“ stehen in jedem Profil. Genau deshalb glaubt sie niemand mehr ungeprüft. Mir war wichtig, einmal einen Entscheider zu hören, der seit zwanzig Jahren Führungskräfte auswählt und offen erzählt, wie er hinter diese Worte schaut. Sie wissen danach, womit Sie im Gespräch rechnen müssen und wie Sie Ihre Haltung zu Konflikten glaubwürdig zeigen.
Das erfahren Sie in dieser Folge
Erst die Fachlichkeit, dann beginnt das eigentliche Gespräch
In dieser Folge spreche ich mit Manuel Fink, Geschäftsführer von vier Unternehmen der Adecco Group und seit zwei Jahrzehnten in der Führungsarbeit. Sein Ablauf ist klar: Die Ausschreibung klärt die fachliche Qualifikation, die Einladung bestätigt sie. Im Gespräch selbst zählt dann, wie Sie kommunizieren, wie Sie sich geben und wie offen Sie Ihrem Gegenüber begegnen. Bewerbungsphrasen fallen dort sofort auf. Für Sie heißt das: Ihre Vorbereitung auf Zahlen und Stationen ist die Pflicht. Den Unterschied machen Sie mit dem, was Sie über Ihre Art zu führen erzählen können.
Fragen jenseits des Standards
Ein Entscheider, der Führungskräfte auswählt, stellt bewusst Fragen, die nicht jeder stellt. Was lesen Sie gerade? Was machen Sie neben der Arbeit? Bewertet wird dabei nicht der Inhalt. Wer Science-Fiction liest, liest eben Science-Fiction. Interessant wird es, wenn jemand gar nicht liest, denn dann folgt die Frage, wie er sich Wissen aneignet und Meinungen hinterfragt. Solche Fragen öffnen das Gespräch, und viele Kandidaten werden dabei lockerer. Genau diese Reaktion ist es, die der Entscheider sehen will. Sie gewinnen, wenn Sie darauf eine ehrliche, kurze Antwort haben, statt eine einstudierte.
Die Reihenfolge: Kommunikation, Team, Konflikt
Sozialkompetenz ist ein großes Wort. In der Folge wird sie in Stufen zerlegt. Zuerst die Kommunikation: wie Sie sprechen, wie Sie artikulieren, was Gestik und Mimik verraten, gerade wenn es persönlich wird. Dann das Team: welche Größen Sie geführt haben, ob Ihnen das Freude macht, wie Sie Teamkommunikation gestalten. Erst danach kommt der Konflikt, gemeinsam mit der Frage nach Feedback. Wer diese Reihenfolge kennt, kann sich auf jede Stufe mit einem konkreten Beispiel vorbereiten. Damit hat Ihr Gegenüber am Ende kein Gefühl, sondern Belege.
Warum Führungskräfte Konflikte lieben sollten
Auf die Frage „Wie denken Sie über Konflikte?“ kommt fast immer: Konflikte sind wichtig. Ob das eine Floskel ist, zeigt erst die Nachfrage nach einer konkreten Situation. Der Gedanke in dieser Folge: Ein Konflikt öffnet Raum für andere Meinungen und für Gespräche, die sonst nie stattfinden würden. Gute Führungskräfte erleben weniger Eskalation, weil sie die Anzeichen früh wahrnehmen und ins Gespräch gehen. Wenn Sie eine Situation erzählen können, in der Sie früh reagiert haben, zeigen Sie genau die Kompetenz, nach der gesucht wird.
Feedback mitten im Gespräch als Gradmesser
Manche Entscheider geben schon während des Interviews Feedback, etwa auf eine Antwort oder auf spürbare Nervosität. Wie Sie darauf reagieren, ist aufschlussreich: Wer Feedback gewohnt ist, entspannt sich, bedankt sich und geht nach vorn. Wer es nicht ist, macht zu. Stellen Sie sich die Szene vor: Ihr Gegenüber sagt freundlich, dass Sie aufgeregt wirken. Sie lächeln, sagen, dass Ihnen die Position wichtig ist, und erzählen weiter. Ab diesem Moment führen Sie ein Gespräch statt einer Prüfung. Und am Ende der Folge steht noch ein Gedanke aus meiner Beratung: Wer seine Werte kennt, kann zwischen mehreren Angeboten sicher wählen.
Für wen ist diese Folge?
Diese Folge ist für Sie, wenn Sie in Auswahlgesprächen fachlich überzeugen und trotzdem nicht die Zusage bekommen. Ebenso, wenn Sie bald vor einem Geschäftsführer oder Vorstand sitzen, der Sie als Führungskraft einschätzen will, und Sie wissen möchten, wie Sie Ihre Haltung zu Konflikten und Feedback mit Beispielen belegen statt behaupten.
Welche Konfliktsituation aus Ihrer Führungspraxis würden Sie erzählen, wenn jemand morgen fragt, wie Sie damit umgehen?