Impulsvortrag im Auswahlverfahren: So überzeugen Sie Entscheider. Mit Matthias Messmer
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Warum dieses Thema?
In der Einladung zur zweiten Runde steht ein Satz, der viele erfahrene Führungskräfte nervös macht: Bitte bereiten Sie einen Impulsvortrag von zehn Minuten vor, Thema frei wählbar. Oder Sie bekommen vor Ort eine Fallaufgabe und kurz Zeit zur Vorbereitung. Fachlich sind Sie sicher, aber hier wird etwas anderes geprüft: wie Sie auftreten und wie Sie unter Druck wirken. In dieser Folge spreche ich mit Matthias Messmer, Regisseur und Trainer für Vortrag und Auftritt. Sie erfahren, worauf es in solchen Situationen ankommt und warum Präsenz oft mehr zählt als Perfektion.
Das erfahren Sie in dieser Folge
Sie präsentieren sich, nicht nur ein Thema
Präsentationen und Vorträge gehören in vielen Auswahlprozessen für Top-Positionen und in Management-Audits inzwischen dazu. Mir war in diesem Gespräch ein Punkt besonders wichtig: Gerade Führungskräfte mit naturwissenschaftlichem oder technischem Hintergrund konzentrieren sich auf den Inhalt. Die Entscheider schauen aber vor allem darauf, wie Sie etwas rüberbringen. In Wahrheit präsentieren Sie sich anhand eines Themas. Deshalb lohnt es sich, beim frei wählbaren Vortrag ein Thema zu nehmen, für das Sie brennen und in dem Sie zu Hause sind, beruflich oder privat. Wer über etwas spricht, das ihm wirklich etwas bedeutet, wirkt automatisch überzeugender.
Erst das Ziel, dann die Struktur
Bevor Sie den ersten Satz formulieren, klären Sie drei Dinge: Wer sitzt vor Ihnen, und welche Herausforderung haben diese Menschen? Was wollen Sie bei ihnen auslösen, einen Aha-Moment oder vielleicht ein Schmunzeln? Und welche Botschaft soll am Ende hängen bleiben? Für den Aufbau hilft die einfache Dreiteilung: ein kurzer Einstieg, der schnell zeigt, warum das Thema für die Zuhörer interessant ist, ein Hauptteil mit höchstens drei Aspekten und ein Schluss mit Ihrer Kernbotschaft. Weniger ist mehr. In zehn Minuten können Ihre Zuhörer drei Gedanken verarbeiten, keine sieben.
Die Fallaufgabe vor Ort: Standpunkt zuerst
Im zweiten typischen Format bekommen Sie das Thema erst im Unternehmen, etwa den strategischen Ansatz für einen Standort, und haben wenig Zeit zur Vorbereitung. Der wichtigste Rat aus der Folge: Beginnen Sie mit dem Ende. Was ist Ihr Standpunkt, worauf läuft Ihre Präsentation hinaus? Gießen Sie das in ein, zwei Kernsätze und bauen Sie erst dann die Argumentation. Rhetorische Mittel helfen dabei, etwa eine Frage an das Publikum, bevor Sie Zahlen zeigen. So entsteht ein Dialog statt eines Monologs, der an den Zuhörern abperlt. Genau das wollen Entscheider sehen.
Kritische Nachfragen souverän beantworten
Nach dem Vortrag folgen Fragen, freundliche und kritische. Oft geht es dabei weniger um den Inhalt als darum, wie Sie reagieren, wenn Sie herausgefordert werden. Prüfen Sie zuerst, ob es eine echte Frage ist oder ein Test. Stellen Sie im Zweifel eine Gegenfrage und geben Sie mit eigenen Worten wieder, was Sie verstanden haben. Das verschafft Zeit und verhindert Missverständnisse. Bei echten Provokationen hilft Humor: erst zustimmen, dann in eine andere Richtung abbiegen. Stellen Sie sich die Szene vor: Ein Geschäftsführer stellt die Frage, die Sie aus dem Konzept bringen soll. Sie nicken, fragen kurz nach, antworten ruhig, und Sie sehen, wie er sich im Stuhl zurücklehnt. Das ist der Moment, in dem er Sie sich in der Rolle vorstellt.
Körpersprache, Kamera und Lampenfieber
Lassen Sie die Hände beim Sprechen mitlaufen, im Bereich zwischen Schultern und Hüfte, statt sich festzuhalten. Sind Teilnehmende online zugeschaltet, gehört Ihr Blick so oft wie möglich in die Kamera, und die zugeschalteten Personen verdienen bewusst Aufmerksamkeit. Lampenfieber lässt sich nicht abschalten, und das ist gut so, denn es liefert Energie. Wichtig ist, es zu steuern: vorher ausatmen, sicher auf beiden Beinen stehen, einen Punkt im Raum als Anker nutzen, der Sie an Atmen und Tempo erinnert. Und machen Sie Pausen, mit der Stimme am Satzende nach unten. So kommt Ihre Botschaft an, und die Entscheider haben Zeit, mitzudenken.
Für wen ist diese Folge?
Diese Folge ist für Sie, wenn Sie zur nächsten Runde eingeladen sind und dort einen Vortrag oder eine Fallpräsentation halten sollen. Und für Sie, wenn Sie fachlich überzeugen, aber nach Präsentationen vor Gremien das Gefühl haben, unter Ihren Möglichkeiten geblieben zu sein, oder wenn Lampenfieber Sie in entscheidenden Momenten ausbremst.
Über welches Thema könnten Sie zehn Minuten sprechen, ohne einen einzigen Zettel zu brauchen?