Fehler im Online-Vorstellungsgespräch: Was HR wirklich auffällt. Mit Petra Grießmann
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Warum dieses Thema?
Das Interview ist für 10 Uhr angesetzt, um 9.55 Uhr endet Ihre letzte Videokonferenz. Ein Klick, und Sie sitzen der Geschäftsführerin und der Personalleiterin gegenüber, gedanklich noch im vorigen Thema. Kennen Sie das? In dieser Folge spreche ich mit Petra Grießmann, die ich seit vielen Jahren kenne und die als Personalerin lange auf das Recruiting von Führungskräften spezialisiert war. Wie sich Auswahlgespräche seit 2020 verändert haben, hat sie aus nächster Nähe erlebt. Sie erfahren, welche Fauxpas im Online-Interview vorkommen, welche davon wirklich ins Gewicht fallen und wie Sie sich von anderen Kandidaten positiv abheben.
Das erfahren Sie in dieser Folge
Was sich im Ablauf verändert hat und was nicht
Mit der Pandemie sind viele Unternehmen von heute auf morgen auf Online-Interviews umgestiegen. Der Ablauf blieb oft gleich: zuerst ein Telefonat mit der Führungskraft, dann ein Gespräch zu dritt, in dem jemand aus dem Personalbereich moderiert. Als Präsenztermine wieder möglich wurden, kamen viele Kandidaten lieber persönlich. Eine Sorge können Sie dabei ablegen: Stressinterviews, die in den Neunzigern in Mode waren, gehören der Vergangenheit an. Unternehmen können es sich nicht leisten, gute Kandidaten zu verprellen. Für Sie heißt das: Sie dürfen mit einer freundlichen Atmosphäre rechnen und müssen nicht hinter jeder Frage eine Falle vermuten.
Was die Kamera über Sie erzählt
Im Homeoffice gewähren Sie einen Blick in Ihre Wohnung, und der bleibt hängen. In der Folge geht es um ein mit Alufolie abgeklebtes Dachfenster und Regale voller Unordnung, keine gute Visitenkarte, wenn Sie sich bei einer Bank bewerben. Ein neutraler, ruhiger Hintergrund lenkt Ihr Gegenüber nicht ab. Virtuelle Hintergründe wirken dagegen oft künstlich, weil die Konturen abgeschnitten aussehen. Eine einfache Alternative ist ein Paravent, der Regale und Unruhe verdeckt. Auch ein ordentliches Bücherregal macht einen guten Eindruck. So bleibt die Aufmerksamkeit dort, wo sie hingehört: bei dem, was Sie sagen.
Kleidung wie für den Termin vor Ort
Die Kleidung sollte zur Branche und zur Position passen, eine Bank ist etwas anderes als eine Werbeagentur, und eine Führungsposition etwas anderes als eine Fachrolle. Auffällig ist eine Beobachtung aus der Praxis: Kandidaten, die so gekleidet waren, als kämen sie persönlich ins Haus, wirkten fokussierter und präsenter. Jackett und Hemd erzeugen eine andere Spannung als ein Poloshirt. Mit der Kleidung schlüpfen Sie in die Rolle, so wie Sie sich vor einem Termin vor Ort Gedanken über Ihren Auftritt machen. Der Weg zum Kleiderschrank ist im Homeoffice kurz, und der Unterschied ist für Ihr Gegenüber sichtbar.
Ein Puffer vor dem Interview
Wer vor einem Termin vor Ort steht, plant die Anfahrt, sucht einen Parkplatz und kommt dabei innerlich an. Online fehlt dieser Übergang. Häufig springen Kandidaten aus einer anderen Videokonferenz direkt ins Interview und wirken dann unkonzentriert. Deshalb gehört bei der Terminvereinbarung ein freies Zeitfenster davor dazu. Stellen Sie sich den Unterschied vor: Um 9.30 Uhr schließen Sie alle anderen Fenster, lesen die Ausschreibung noch einmal und notieren sich, welche zwei Punkte Ihr Gegenüber über Sie mitnehmen soll. Um 10 Uhr beginnt das Gespräch, und Sie sind von der ersten Frage an bei der Sache.
Gesprächsdisziplin am Bildschirm
Online überlagern sich Stimmen schneller als am Tisch, und wenn zwei gleichzeitig sprechen, versteht der Dritte nichts mehr. Lassen Sie Ihr Gegenüber ausreden, und schalten Sie Ihr Mikrofon stumm, solange Sie nicht sprechen, denn jedes Abstellen einer Tasse ist hörbar. Telefon und Nachrichten bleiben aus. Erwarten Sie einen dringenden Anruf, sagen Sie es zu Beginn. Ein einzelnes Missgeschick, etwa ein Kind in der Tür, fällt kaum ins Gewicht, erst die Häufung wirft die Frage auf, worum es Ihnen gerade geht. Wer zu weit ausholt, bekommt vielleicht die Bitte, es in drei Sätzen zu sagen. Und über allem steht, authentisch zu bleiben, denn nur so finden Sie das Unternehmen, in dem Sie wirklich ankommen.
Für wen ist diese Folge?
Für Führungskräfte, die zwischen vielen Videokonferenzen ein Online-Interview unterbringen müssen und sicher sein wollen, dass nichts Vermeidbares von ihrer Kompetenz ablenkt. Und für alle, die seit Jahren kein Auswahlgespräch mehr geführt haben, sich bisher immer abwerben ließen und wissen möchten, worauf Personalverantwortliche heute achten.
Was soll Ihr Gegenüber nach dem nächsten Gespräch über Sie sagen, wenn es den Raum verlässt?