Absage trotz perfekter Passung: Warum Cultural Fit entscheidet. Mit Konrad Gorcks
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Warum dieses Thema?
Sie legen die Ausschreibung neben Ihren Lebenslauf und sehen eine Passung, wie man sie selten findet. Trotzdem kommt die Absage, manchmal sogar vor dem ersten Gespräch. Und keiner sagt Ihnen, warum. Diese Frage höre ich von Führungskräften auf dem Markt derzeit sehr häufig. Mein Gast in dieser Folge ist der Headhunter Konrad Gorcks, den ich seit vielen Jahren kenne und schätze. Wir sprechen darüber, was hinter solchen Absagen steckt, warum Unternehmen inzwischen genauer auf die Kultur schauen und wie Sie im Gespräch zeigen, dass Sie über die Fachlichkeit hinaus passen. Danach können Sie Ihre eigenen Absagen anders einordnen und gezielter darauf reagieren.
Das erfahren Sie in dieser Folge
Neben dem Lebenslauf zählt die Kultur
Wer vom Lebenslauf her passt, bekommt meist rasch ein Gespräch. Danach verschiebt sich der Blick. Unternehmen fragen zunehmend, wie Ihre Persönlichkeit zu ihrer Kultur passt, besonders bei höheren Führungsrollen. Der Grund ist einleuchtend: Jede neue Führungskraft verändert die Kultur mit, im eigenen Bereich und oft darüber hinaus. Seit etwa fünf Jahren wächst dieser Abgleich spürbar. Viele Unternehmen klären inzwischen genauer, welche Person sie haben möchten und wen sie wirklich brauchen, und gleichen das mit dem Bild ab, wo ihre Kultur hin soll. Für Sie bedeutet das: Eine Absage nach dem ersten Gespräch ist selten ein Urteil über Ihre Leistung, eher ein Signal zur Passung.
Woran Verträge auf Executive-Ebene scheitern
Ein Satz aus dem Gespräch ist mir hängen geblieben, weil er so viele Fälle erklärt, die ich kenne. Vertragsauflösungen auf Executive-Ebene geschehen nur selten, weil die Historie plötzlich nicht mehr trägt. Sie geschehen, weil es zwischen der Persönlichkeit und den Stakeholdern nicht funktioniert. Man findet keinen gemeinsamen Nenner, die möglichen Synergien bleiben liegen, Befindlichkeiten wachsen, und irgendwann geht man die nächsten Schritte nicht mehr gemeinsam. Unternehmen haben das oft genug erlebt. Wenn Sie das verstehen, lesen Sie die Fragen nach Ihrer Zusammenarbeit mit Beirat, Aufsichtsrat oder Kollegen auf gleicher Ebene als das, was sie sind: der eigentliche Kern des Verfahrens.
Managementdiagnostik als Spiegel für beide Seiten
Viele Kandidaten begegnen Managementdiagnostik mit Skepsis, als Blackbox, in die sie sich nicht gern hineinsehen lassen. In der Folge wird deutlich, wofür sie gut gemacht eingesetzt wird. Vorab klärt der Berater mit dem Auftraggeber die Schlüsselanforderungen, die Stakeholder und die Stolpersteine. Die Diagnostik zeigt dann, was passiert, wenn diese Kultur und diese Persönlichkeit zusammenkommen, welche Wirkketten entstehen und wo Arbeit nötig wäre. Wichtig ist das Feedback an beide Seiten, damit jeder sein Gesicht wahrt, ob es zusammenkommt oder nicht. So wissen Sie nach einem solchen Verfahren genauer, worauf Sie sich einlassen würden, und entscheiden sehenden Auges.
Belege statt Schlagworte
Wer Cultural Fit zeigen will, braucht zuerst ein klares Bild von sich: Was können Sie, was tun Sie gern, aus welchen Motiven? Dazu kommen Fähigkeiten für die Zukunft, Lernbereitschaft, Veränderungswille, Offenheit. Hier setze ich eine Warnung. Werden diese Begriffe nur genannt, klingen sie wie gelernte Vokabeln. Als Headhunterin habe ich auf jedes Schlagwort geantwortet: Geben Sie mir ein Beispiel. Bereiten Sie deshalb Success Stories vor, maximal fünf Sätze: Ausgangslage, was Sie getan haben, Ergebnis mit Zahl und Zeitraum. Dann wird aus der Behauptung ein Beleg. Ihre Antworten bleiben kurz, Ihr Gegenüber kann nachfragen, und Sie bleiben in Erinnerung.
Das Gespräch als Prüfung in beide Richtungen
Lebensphasen verändern, was passt. Wer spät noch einmal Vater oder Mutter wird, will weniger unterwegs sein. Nach einer Erschöpfungsphase verschieben sich Prioritäten. Manchmal zeigt die Selbstreflexion auch, dass man in einer Rolle erfolgreich war, sie aber nicht mehr will. Nutzen Sie das Kennenlernen deshalb, um selbst zu prüfen. Ein guter Weg aus der Folge: offene Fragen an künftige Peers, besonders an Menschen, die erst kürzlich dazugekommen sind. Was hat sie bewogen, wie erleben sie die Kultur? Stellen Sie sich das Gespräch vor, nach dem Sie zum Auto gehen und genau wissen, ob Sie dort gern wieder hingehen würden. Diese Gewissheit ist das Ziel des Verfahrens, auch für Sie.
Bauchgefühl ernst nehmen
Ich habe in der Folge einen Fall erzählt, der mich lange beschäftigt hat. Ein Kandidat hatte schnell eine neue Position, nach rund vier Monaten in der Probezeit war es vorbei. Erst dann erzählte er mir, dass er schon beim ersten Besuch vor Ort ein schlechtes Gefühl hatte. Bei deutlicher Dissonanz rate ich zur Absage, auch wenn die Freude über ein Angebot groß ist. Ein früher Ausstieg schadet der Laufbahn mehr als ein Nein. Das Bauchgefühl ist kein Diagnoseinstrument, aber ein Signal. Mit einem externen Sparringspartner lässt sich klären, was dahintersteckt. Dann entscheiden Sie bewusst, ob Sie den Preis zahlen wollen.
Für wen ist diese Folge?
Diese Folge ist für Sie, wenn Sie trotz passender Erfahrung Absagen bekommen, oft schon früh und ohne Begründung. Ebenso, wenn Ihnen in einem Verfahren eine Managementdiagnostik bevorsteht oder wenn Sie ein Angebot auf dem Tisch haben und Ihr Gefühl Ihnen etwas anderes sagt als der Vertrag.
Welche Ihrer Stärken könnten Sie heute mit einem Beispiel aus den letzten zwei Jahren belegen, in fünf Sätzen?