Selbstvorstellung im Vorstellungsgespräch auf C-Level: „Talk me through your CV“
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Warum dieses Thema?
„Stellen Sie sich doch einmal kurz vor.“ Eine harmlose Frage, und trotzdem ist sie eine Schlüsselstelle im Gespräch. Sie markiert den Übergang vom Smalltalk zum eigentlichen Interview, und viele erfahrene Führungskräfte verschenken genau hier ihre stärksten Minuten. Sie erzählen zu viel, zu chronologisch oder zu auswendig gelernt. Aus meiner Beratung weiß ich, wie häufig das passiert und wie gut es sich vermeiden lässt. In dieser Solofolge zeige ich Ihnen, wie Sie diese Frage nutzen, um Ihr Gegenüber neugierig zu machen. Sie wissen danach, was in Ihre Selbstvorstellung gehört und was nicht.
Das erfahren Sie in dieser Folge
Warum diese Frage gestellt wird
Die Bitte um eine kurze Selbstvorstellung hat zwei Absichten. Ihr Gegenüber möchte Ihnen die Gelegenheit geben, anzukommen und über etwas zu sprechen, wo Sie sich zu Hause fühlen. Gleichzeitig frischt er seine Erinnerung an Ihren Lebenslauf auf, den er vielleicht vor Tagen gelesen hat. Beide wollen also im Gespräch ankommen. Überflüssig ist die Frage deshalb keineswegs. Sie ist eine Eröffnung, die bis heute sehr häufig gewählt wird, und wer sie bewusst gestaltet, setzt von Beginn an den Ton für das ganze Gespräch.
Relevanz schlägt Vollständigkeit
Ein Interviewtraining hat mich zu dieser Folge gebracht. Ich bat einen Kandidaten, sich kurz vorzustellen. Er begann mit seinem Geburtsort, ging zur Grundschule über und erzählte dann seinen gesamten Werdegang. Auch als ich den Blickkontakt bewusst abwandte, sprach er weiter. Am Ende war ein großer Teil der Gesprächszeit verbraucht. Erwartet wird etwas anderes: eine kurze Zusammenfassung der Erfahrungen, die zu dieser Position passen. Stellen Sie sich ein gutes Restaurant vor. Ihre Selbstvorstellung ist das Amuse-Gueule, ein Vorgeschmack, der Appetit auf das macht, was folgt.
Die Reihenfolge, die trägt
Starten Sie nicht mit Ihrem Namen, den kennt Ihr Gegenüber längst, und nicht mit dem Geburtsort. Ein besserer Einstieg ist die Meta-Zusammenfassung: wie lange Sie in welchem Aufgabengebiet Verantwortung tragen, das für die Position zählt. Dann folgen die Stationen, am besten retrograd wie im Lebenslauf, mit Betonung auf dem Relevanten. Ein Vertriebsingenieur, der wieder in den Vertrieb will, stellt die Vertriebserfahrung in den Vordergrund. Zum Schluss, falls relevant, kurz Persönliches wie Umzugsbereitschaft, Mobilität, Sprachen oder ein Hobby, das eine Brücke zum Unternehmen schlägt.
Vorbereiten ja, auswendig lernen nein
Zwei Minuten sind kurz, und ungeübt schaffen das die wenigsten. Bewährt hat sich, die wichtigsten Punkte als Mindmap festzuhalten und die Vorstellung mit dem Diktiergerät des Smartphones aufzunehmen und zu üben. Was Sie nicht tun sollten: einen Text schreiben und auswendig lernen. Das klingt steif und unecht, und Ihr Gegenüber möchte den Menschen kennenlernen. Merken Sie sich die Reihenfolge und die Punkte, die Sie machen wollen, und sprechen Sie dann frei. So entsteht der Eindruck, den Sie anstreben: sicher und natürlich zugleich.
Der elegante Abschluss
Viele enden mit einem „Ja, das war's“ und hochgezogenen Schultern. Besser ist ein Satz, mit dem Sie den Ball zurückgeben: dass Sie sich auf das Gespräch freuen und gespannt sind, was Ihr Gegenüber noch wissen möchte. Stellen Sie sich die Szene vor: Nach zwei Minuten lehnt sich der Entscheider vor, greift einen Punkt auf und fragt nach. Genau dorthin wollten Sie ihn führen. Ab diesem Moment sprechen Sie über das, was Sie am besten können, und das Gespräch gewinnt Tiefe.
Für wen ist diese Folge?
Diese Folge ist für Sie, wenn Sie bald ein Interview mit Geschäftsführung, Vorstand oder Personalberater haben und Ihre Eröffnung noch nicht sitzt. Ebenso, wenn Sie nach vielen Jahren ohne Bewerbungsgespräch merken, dass Ihnen die Kurzfassung Ihres Werdegangs schwerfällt, weil zu viel Erfahrung in zu wenig Zeit passen soll.
Mit welchem Satz würden Sie beginnen, wenn Sie Ihren Werdegang in zwei Minuten auf diese eine Position zuschneiden?