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Podcastfolge · Vorstellungsgespräch & Auswahlverfahren

Scharaden im Bewerbungsgespräch erkennen und stoppen. Mit Marcus K. Reif

Erschienen
Dauer
30 Minuten
Gast
Marcus K. Reif, Personaler und HR-Experte
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Warum dieses Thema?

Sie sitzen im Gespräch, sagen gut gefeilte Sätze, und Ihr Gegenüber präsentiert das Unternehmen als besten Arbeitgeber der Welt. Beide spielen eine Rolle. Am Ende wissen Sie nicht, ob die Position zu Ihnen passt, und das Unternehmen weiß es von Ihnen auch nicht. Für eine Führungskraft ist das teuer, denn ein Wechsel, der sich nach einem Jahr als Fehler herausstellt, kostet Zeit und Ruf. Mir war wichtig, mit einem erfahrenen Personaler über diese Scharaden zu sprechen. Sie wissen danach, wie Sie das Spiel erkennen und mit wenigen Fragen ein offenes Gespräch daraus machen.

Das erfahren Sie in dieser Folge

Wenn beide Seiten nur spielen

Mein Gast ist Marcus K. Reif, ein Vollblut-Personaler, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Er beschreibt die Scharade so: Der Kandidat spielt den besten Bewerber, das Unternehmen den besten Arbeitgeber, und beides stimmt am Ende nicht. Dabei sitzen sich zwei Seiten mit Erwartungen, Bedürfnissen und Anforderungen gegenüber, die eigentlich herausfinden wollen, ob sie ein Stück des Weges gemeinsam gehen. Wer das im Kopf behält, verändert seine Haltung im Gespräch und prüft das Unternehmen genauso sorgfältig, wie er selbst geprüft wird.

Stressinterviews und Bauchgefühl

Stressinterviews gibt es noch immer, obwohl sie ein Relikt sind. Wer jemanden unter Druck setzt, beobachtet verändertes Verhalten und erfährt wenig über die spätere Leistung im Job. Auch das unstrukturierte Gespräch, das am Ende nach Sympathie entscheidet, hat kaum Aussagekraft. In der Folge plädieren wir beide für eine Kombination aus strukturierten Interviews und Eignungsdiagnostik, etwa Fallstudien mit Präsentation. Für Sie heißt das: Wenn Sie in einem Verfahren mit Fallstudie landen, ist das ein gutes Zeichen. Hier zählt, was Sie analysieren, lösen und überzeugend präsentieren.

Pinguine rekrutieren Pinguine

Ein Lebenslauf zeigt, wo jemand wann war. Über Potenzial, Talent und kulturelle Passung sagt er wenig. Trotzdem wird oft nach Noten, Stationen und Wechselhäufigkeit ausgewählt, während später im Job die Soft Skills über Erfolg entscheiden. Dazu kommt das Prinzip Ähnlichkeit: Entscheider suchen unbewusst Menschen mit ihrer eigenen Biografie. Marcus K. Reif nennt das „Pinguine rekrutieren Pinguine“. Wenn Sie wissen, dass Ihr Gegenüber in diese Falle tappen kann, erzählen Sie Ihren Weg so, dass Ihre Wirkung sichtbar wird und nicht nur die Abfolge der Stationen.

Mit besseren Fragen aus dem Spiel aussteigen

Der wirksamste Weg aus der Scharade: bessere Fragen stellen als der Interviewer. Wie sieht für Sie ein guter Mitarbeiter in dieser Rolle aus? Was bedeutet Präsenz im Büro hier konkret? Woran merke ich, dass Vertrauen gelebt wird? Solche Fragen holen beide Seiten aus den einstudierten Sätzen heraus. Gleichzeitig finden Sie heraus, ob Sie dort arbeiten wollen, etwa ob Sie auf Kontrolle und Mikromanagement treffen oder auf Freiraum. So schützen Sie sich vor einer Position, in der Sie nach einem Jahr innerlich gekündigt haben.

„Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“

Die meisten Kandidaten hassen diese Frage, und sie lässt sich kaum richtig beantworten. Viele Ratgeber empfehlen große Ambitionen, was oft genau in die Scharade führt. Der Vorschlag aus der Folge: sagen, dass Sie sich auf diese Position freuen, gute Ergebnisse liefern wollen und offen sind, wenn sich später andere Aufgaben ergeben. Ich habe einmal erlebt, wie eine Kandidatin ehrlich sagte, sie wolle in einigen Jahren auswandern. Nach einem kurzen Stocken wurde daraus das offenste Gespräch des Tages. Ehrlichkeit macht Sie nicht angreifbar, sie macht Sie unterscheidbar.

Für wen ist diese Folge?

Diese Folge ist für Sie, wenn Sie nach Auswahlgesprächen oft nicht sagen können, ob die Position tatsächlich zu Ihnen passt. Ebenso, wenn Sie mit einem Stressinterview oder der Fünf-Jahres-Frage schlechte Erfahrungen gemacht haben und sich für das nächste Gespräch eine Haltung wünschen, mit der Sie selbst prüfen statt nur geprüft zu werden.

Impuls für heute

Welche Frage würden Sie im nächsten Gespräch stellen, um herauszufinden, ob Sie dort in einem Jahr noch gern arbeiten?

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Ihre Gastgeberin

Sabine Lanius ist Executive Karriereberaterin und ehemalige Headhunterin. Aktiv im Bereich Executive Sparring, Executive Search und berufliche Neuorientierung seit 1998. Rund 1.500 Führungskräfte beraten.

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