LinkedIn in der Neuorientierung: Profil, Beiträge, Kontakte. Mit Felix Beilharz
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Warum dieses Thema?
<p>Ein LinkedIn-Profil haben die meisten Führungskräfte, mit denen ich arbeite. Genutzt wurde es oft jahrelang als Kontaktbörse. Jetzt, in der Neuorientierung, kommen die Fragen: Was poste ich, ohne mich zu exponieren? Wie spreche ich jemanden an, den ich nicht kenne? Und wirkt das alles nicht nach Selbstdarstellung? Ich spreche darüber mit Felix Beilharz, dessen Keynotes und Bücher ich seit Jahren verfolge. Sie erfahren, wie Sie Profil, Beiträge und Netzwerk so nutzen, dass Headhunter und Entscheider Sie finden und erkennen, wofür Sie stehen.</p>
Das erfahren Sie in dieser Folge
Kein Open-to-Work-Rahmen auf Top-Level
Die erste Frage in der Folge betrifft den grünen Rahmen um das Profilbild. Unsere Einschätzung ist eindeutig: Auf Top-Level wirkt er eher bedürftig. Ab einer gewissen Ebene sollen Entscheider den Eindruck gewinnen, dass Sie gefragt sind, und nicht, dass Sie dringend etwas brauchen. Der Rahmen kann für Fachkräfte sinnvoll sein, für Geschäftsführer und Bereichsleiter eher nicht. Ihre Wechselabsicht transportieren Sie besser über Positionierung, Inhalte und gezielte Gespräche. So bleiben Sie diskret und werden trotzdem gefunden, und zwar von den Menschen, die Ihre Ebene im Blick haben.
Profilslogan und Infobereich sagen, wofür Sie stehen
Nach dem Foto sieht jeder zuerst Ihre Profilzeile, unter jedem Beitrag und jedem Kommentar. Dort gehört hin, was Sie beschreibt und neugierig macht: Ihre Arbeitsweise, eine Erfahrung, ein Schwerpunkt, gern auch eine persönliche Note. Fremdzitate berühmter Autoren sagen dagegen nichts über Sie. Der Infobereich bietet Platz für mehr: Ihre Geschichte, Ihre Haltung, auch ein Hobby, wenn es zu Ihrer Positionierung passt. Das Profil lässt sich zudem auf Deutsch und Englisch anlegen. Für Sie bedeutet das: Ein Headhunter erkennt in wenigen Sekunden, für welche Aufgabe Sie infrage kommen.
Persönlich werden, ohne sich zu entblößen
Viele Führungskräfte zögern, Privates zu zeigen. Niemand muss seine Wohnung oder seine Kinder posten. Die Folge zeigt einen Mittelweg: Beiträge mit persönlichem Bezug erreichen Menschen meist besser als reine Fachtexte, weil auf LinkedIn Person mit Person spricht. Die Fahrt im Zug zu einem Fachkongress, eine Beobachtung aus dem Arbeitsalltag, ein Wert, der Ihnen wichtig ist, etwa Pünktlichkeit. Solche Themen zeigen Haltung und lassen sich aus vielen Blickwinkeln erzählen. Gegenkommentare gehören dazu, wenn man Position bezieht. Sie zeigen auf diese Weise, wer Sie sind, und Unternehmen erkennen, ob Ihre Werte zu ihren passen.
Mit wenigen Beiträgen beginnen
Die größte Hürde ist der erste Beitrag. Meine Faustregel für den Start sind wenige Beiträge pro Woche, überwiegend fachlich, einer gern persönlicher. Jeder einzelne hilft, eine feste Zahl muss es nicht sein. Wichtig sind ein guter Einstieg, kurze Absätze und kein langatmiger Text, denn gelesen wird nebenbei auf dem Handy. Wer mit offenen Augen durch den Tag geht, findet Themen. Der Einwand, das habe schon jemand geschrieben, zählt wenig: Ihre Perspektive hat es noch nicht gegeben. Als Executive zeigen Sie damit auch, dass Sie die Kanäle verstehen, die Sie in Ihrer nächsten Position mitsteuern.
Kontakte mit Aufhänger statt Standardnachricht
Massennachrichten mit Floskeln landen ungelesen im Papierkorb. Kontaktanfragen wirken dann, wenn es einen echten Bezug gibt: eine Begegnung auf einer Messe, ein Telefonat, ein kurzer Austausch in den Kommentaren. Wer bei Ihren Beiträgen positiv kommentiert, ist ein möglicher Kontakt. So wachsen Sichtbarkeit und Netzwerk gemeinsam. Für Unternehmen, in die Sie noch keinen Zugang haben, lohnt der Blick auf Kontakte zweiten Grades. Eine Vorstellung durch einen gemeinsamen Bekannten ist der stärkste Weg zu einem Entscheider. Sie sprechen damit Menschen an, die Ihre Nachricht lesen wollen, und verschwenden keine Zeit mit Anfragen ohne Echo.
Der virtuelle Espresso mit dem Entscheider
Sie schreiben dem Geschäftsführer Ihres Wunschunternehmens: Sie orientieren sich beruflich neu, sein Unternehmen interessiert Sie, und Sie bringen eine bestimmte Erfahrung mit. Ob er Zeit für einen virtuellen Espresso hat? Das Wort signalisiert, dass es kurz wird und Sie seine Zeit respektieren. Zwei Tage später kommt die Antwort mit einem Terminvorschlag. Entscheidend ist, nur den nächsten Schritt anzufragen und nicht gleich die Position. Ehrlich sagen, was Sie wollen, ohne plumpen Vorwand. Und die Angst vor Ablehnung relativiert sich: Das Nein haben Sie ohnehin schon, gewinnen können Sie nur.
Für wen ist diese Folge?
<p>Für Führungskräfte, die ein LinkedIn-Profil haben, es aber kaum nutzen und unsicher sind, was auf ihrer Ebene angemessen ist. Für alle, die diskret wechseln wollen und trotzdem von Headhuntern gefunden werden möchten. Und für Sie, wenn Sie Entscheider direkt ansprechen wollen und nicht wissen, wie der erste Satz klingen soll.</p>
Wenn ein Headhunter heute nur Ihre Profilzeile liest: Weiß er danach, für welche Aufgabe er Sie anrufen sollte?