KI im Bewerbungsprozess: Lebenslauf, Anschreiben, Interview. Mit Peter Tschötschel
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Warum dieses Thema?
Ihr letzter Lebenslauf ist fünf Jahre alt, die Ausschreibung liegt auf dem Tisch, und alle sagen, mit KI gehe das heute im Handumdrehen. Sie probieren es aus und bekommen einen Text, der klingt wie jeder andere. Viele Führungskräfte, mit denen ich arbeite, stehen genau an diesem Punkt. Für diese Folge habe ich mit Peter Tschötschel gesprochen, einem KI-Experten, mit dem ich damals fast täglich ausprobiert habe, was KI im Bewerbungsprozess leisten kann. Die Folge ist von 2024, die Werkzeuge haben sich seitdem weiterentwickelt, die Arbeitsweise trägt. Danach wissen Sie, wie Sie KI als Arbeitsgerüst nutzen, ohne dass Ihre Unterlagen austauschbar werden.
Das erfahren Sie in dieser Folge
Erst füttern, dann fragen
Eine KI weiß, wie man Lebensläufe schreibt, auch für Executives. Sie weiß aber nichts über Sie. Der erste Schritt ist deshalb immer, sie mit Material zu versorgen: den letzten Lebenslauf, dazu alles, was seither passiert ist, Zeugnisse, Auszeichnungen, Projekte, Veröffentlichungen. Die Form ist dabei zweitrangig, PDF, Bild oder Stichworte funktionieren. Bei der Wahl des Werkzeugs empfehlen wir die gängigen großen Modelle. Spezialisierte Lebenslauf-Programme haben in meinen Tests damals Unterlagen erzeugt, die für den deutschen Markt und erst recht auf Top-Level nicht passten. Wer gut vorbereitet startet, spart später viele Korrekturschleifen und bekommt einen Entwurf, der tatsächlich nach ihm klingt.
Die Ausschreibung zerlegen
Früher hat man die Stellenanzeige mit dem Textmarker durchgearbeitet. Heute können Sie die KI bitten, die wichtigsten Begriffe und Anforderungen herauszuziehen, in eine Tabelle zu stellen und Synonyme daneben zu schreiben. Damit haben Sie eine solide Grundlage, um Lebenslauf und Anschreiben auf die Position auszurichten. Das ist auch wegen der Bewerbermanagementsysteme wichtig. Ob ein Unternehmen eins einsetzt, erfahren Sie meist nicht. Gehen Sie davon aus, dass ja. Die Schlüsselbegriffe der Ausschreibung sollten sich deshalb im Lebenslauf wiederfinden, klar strukturiert und ohne extravagante Formulierungen. Ich habe erlebt, dass ein sehr kreativ formulierter Lebenslauf von einer Software einem völlig anderen Berufsfeld zugeordnet wurde.
Gute Prompts schreiben
Ein Prompt ist die Anweisung an die Maschine. Programmierkenntnisse brauchen Sie dafür nicht, aber eine klare Struktur. Geben Sie der KI zuerst eine Rolle, in der sie Ihnen helfen soll. Dann folgt die Anweisung, was genau zu tun ist, möglichst konkret und mit allem Kontext, den Sie haben, etwa Geschäftsberichte oder Beispiele. Zum Schluss sagen Sie, wie das Ergebnis aussehen soll und was ausdrücklich nicht hineingehört. Kaputtmachen können Sie dabei nichts. Ich ergänze gern eine Stilvorgabe, etwa im Ton einer bestimmten Wirtschaftszeitung, das verändert die Texte spürbar. Und testen Sie dieselbe Aufgabe in einem zweiten Modell. Der Vergleich zeigt schnell, welcher Entwurf trägt.
Prüfen, was die KI liefert
Die KI ist darauf angelegt, immer eine Antwort zu geben, auch wenn sie keine hat. Dann fantasiert sie. Alles, was herauskommt, müssen Sie deshalb genau lesen und prüfen. Ein einfacher Kniff ist die Rückfrage, ob das wirklich stimmt. Oft räumt die KI dann selbst einen Fehler ein. Mir ist dabei ein Punkt besonders wichtig. Es bleibt Ihr Lebenslauf, und er braucht Ihren persönlichen Guss. Die KI liefert ein gutes Arbeitsgerüst und manchmal überraschend gute Formulierungen. Die Verantwortung für jede Zahl und jede Aussage bleibt bei Ihnen. Und genau das schützt Sie im Gespräch, wenn jemand nachfragt.
Anschreiben ohne Marketing-Gerede
Bei Anschreiben verfällt die KI gern in Floskeln wie „Mit großem Interesse habe ich Ihre Ausschreibung gelesen“. Das wollen Entscheider und Personalberater heute nicht mehr lesen. Ich arbeite deshalb mit der You-Me-We-Methode, die ich der KI als Vorgabe mitgebe. Der Leser soll spüren, dass dieser Brief für genau ihn geschrieben ist und kein Serienbrief ist. Geben Sie die Ausschreibung oder den Link dazu, nennen Sie die Methode und lassen Sie den Text dann verfeinern, bis er nach Ihnen klingt. Die KI ist dabei endlos geduldig, auch beim neunten Durchgang. Arbeiten Sie im selben Verlauf, kennt sie Ihren Lebenslauf bereits und kann darauf aufbauen.
Interviews vorbereiten, auch die eigenen Fragen
Für das Vorstellungsgespräch geben Sie der KI Ihre Unterlagen, die Ausschreibung und Ihre Recherche zum Unternehmen. Dann fragen Sie, welche Fragen ein Fachbereich, der künftige Vorgesetzte oder HR stellen könnten. Lassen Sie sich auch zeigen, was die Geschäftsführung zuletzt öffentlich gesagt hat, mit Links zu den Quellen, damit Sie nachlesen können. Ebenso wichtig sind Ihre eigenen Fragen. Manche Personalberater drehen das Gespräch inzwischen um und lassen Sie beginnen. Stellen Sie sich vor, Sie eröffnen mit einer Frage zu einem Interview, das der CEO vor drei Wochen gegeben hat. Ein Kandidat, mit dem wir so gearbeitet haben, bekam danach das Kompliment, selten so gut vorbereitet gewesen zu sein.
Für wen ist diese Folge?
Diese Folge ist für Sie, wenn Ihr Lebenslauf einige Jahre alt ist und Sie ihn mit KI überarbeiten wollen, ohne dass er generisch klingt. Ebenso, wenn Sie Ihre Unterlagen auf einzelne Ausschreibungen zuschneiden müssen oder sich effizienter auf ein Vorstellungsgespräch vorbereiten möchten und wissen wollen, wo die Grenzen der Werkzeuge liegen.
Woran würde ein Personalberater erkennen, dass Ihr Anschreiben von Ihnen stammt und nicht nur von einer Maschine?