Einzel-Assessment-Center für Führungskräfte: Was Sie erwartet. Mit Vanessa Bauschatz
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Warum dieses Thema?
Die Einladung kommt, und statt eines zweiten Gesprächs steht dort: Einzel-Assessment. Viele erfahrene Führungskräfte haben ihr letztes AC vor zwanzig Jahren erlebt, mit Postkorb und Intelligenztest am Computer. Sie fragen sich, was heute auf sie zukommt und ob man sich darauf überhaupt vorbereiten kann. Ich bereite Führungskräfte seit vielen Jahren auf solche Verfahren vor und konzipiere sie mit Unternehmen. Für diese Folge habe ich die Sicht von der anderen Seite des Tisches geholt. Sie wissen danach, welche Aufgaben heute üblich sind und was im Verfahren den Ausschlag gibt.
Das erfahren Sie in dieser Folge
Warum Unternehmen auf Assessments setzen
Mein Gast ist Vanessa Bauschatz, Head of HR und Marketing bei ZF Mobility Solutions. Sie hat Assessment-Center über Jahre konzipiert, durchgeführt und weiterentwickelt, auch international. Ihr wichtigstes Argument für das Verfahren: Man lernt einen Menschen intensiver kennen als in einem Interview von einer Stunde, und es urteilt nicht eine Person allein, sondern mehrere Beobachter mit unterschiedlichen Brillen. Daraus entsteht ein vollständigeres Bild. Für Sie liegt darin eine Chance, denn manchmal sieht ein Beobachter Sie für eine ganz andere Position, die gerade frei ist.
Einzel-Assessment: Erfahrung statt Rollenspiel
Im klassischen AC wird Verhalten in Übungen beobachtet. Im Einzel-Assessment für Führungskräfte geht es stärker um Ihre Erfahrung. Sie werden mit Situationen konfrontiert und erklären, wie Sie vorgehen oder vorgegangen sind, häufig im Gespräch mit einem Diagnostiker und einer Person aus Personal oder Linie. Diese Form heißt oft Management Appraisal. Das Ziel ist Passung, nicht Sympathie. Wer seine Führungssituationen vorher sortiert hat und sie mit konkreten Beispielen erzählen kann, geht in dieses Gespräch mit Ruhe statt mit Anspannung und kann auf Nachfragen in die Tiefe gehen.
Aufgaben, die man nicht auswendig lernen kann
Moderne Verfahren testen, wie Sie auf Ungewohntes reagieren. Statt „Führen Sie uns durch Ihren CV“ liegen etwa Karten auf dem Tisch, und Sie erzählen Ihren Werdegang anhand einer zufällig gezogenen Karte. Dazu kommen Design-Thinking-Aufgaben in der Gruppe, Fallstudien und Formate wie Pecha Kucha, bei dem Folien automatisch wechseln und Sie aus dem Stegreif vortragen. Gefragt sind heute eher Kreativität, Problemlösung und Teamfähigkeit als auswendig gelernte Stärken und Schwächen. Die vorbereitete Selbstpräsentation bleibt trotzdem Pflicht. Den Unterschied machen Sie dort, wo nichts einstudiert sein kann, mit Gelassenheit und klarem Denken.
Das Bauchgefühl zählt mit
Bei allen Tests und Scores: Beobachter dürfen ihr Bauchgefühl einbringen. Die Frage ist schlicht, ob man sich vorstellen kann, täglich mit dieser Person zusammenzuarbeiten und ob sie zum Unternehmen passt. Bauchgefühl beruht auf Erfahrung und unbewussten Wahrnehmungen. Wenn mehrere Beobachter dasselbe empfinden, ist meist etwas dran. Auch interkulturell gibt es Unterschiede, etwa wie offen Konflikte mit Vorgesetzten im Rollenspiel ausgetragen werden. Wer im internationalen Umfeld antritt, sollte das kennen und die eigene Art, Widerspruch zu äußern, bewusst dosieren. So vermeiden Sie Missverständnisse, die mit Ihrer Eignung nichts zu tun haben.
Dresscode und der wichtigste Rat
Zur Kleidung: Schauen Sie auf die Website, wie sich Vorstand und Führungskräfte zeigen, und lesen Sie die Einladung genau. Wählen Sie etwas, in dem Sie sich wohlfühlen, und probieren Sie es am Vorabend an. Alles, was zwickt, kostet Energie, die Sie für die Fallstudie brauchen. Der wichtigste Rat aus der Folge ist Authentizität, denn auch das Unternehmen bewirbt sich bei Ihnen. Stellen Sie sich den Moment vor, in dem die Karten auf dem Tisch liegen: Sie ziehen eine, lächeln und erzählen. Und die Beobachter erleben genau den Menschen, mit dem sie später arbeiten werden.
Für wen ist diese Folge?
Diese Folge ist für Sie, wenn Sie als erfahrene Führungskraft zu einem Einzel-Assessment oder Management Appraisal eingeladen sind und Ihr letztes AC lange zurückliegt. Ebenso, wenn Sie sich im internationalen Umfeld bewerben und wissen möchten, worauf Beobachter achten, welche Fehler Sie vermeiden und wie Sie sich passend kleiden.
Wie würden Sie Ihren Werdegang erzählen, wenn Sie ihn an einer zufällig gezogenen Karte festmachen müssten?