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Podcastfolge · Karrierewege

Bewerbung in der Schweiz als Führungskraft: Was anders läuft. Mit Claudia Christen

Erschienen
Dauer
20 Minuten
Gast
Claudia Christen, Karriereberaterin mit Fokus auf Top-Level-Positionen in der Schweiz
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Warum dieses Thema?

<p>Die Schweiz ist nah, man spricht Deutsch, und die Konditionen sind attraktiv. Viele Führungskräfte, mit denen ich arbeite, spielen deshalb mit dem Gedanken, sich dort zu bewerben. Genau hier liegt ein Denkfehler: Die kulturellen Unterschiede zwischen Nachbarn werden leicht unterschätzt. Ich spreche darüber mit Claudia Christen, einer ehemaligen Kollegin, die seit vielen Jahren in der Schweiz lebt und dort Führungskräfte berät. Sie erfahren, wie Sie Kommunikation, Unterlagen, Netzwerk und Gespräch auf den Schweizer Markt einstellen und so von Anfang an richtig ankommen.</p>

Das erfahren Sie in dieser Folge

Zwischen den Zeilen lesen

Der größte Unterschied liegt in der Art zu kommunizieren. In der Schweiz formuliert man eher zurückhaltend und auf Konsens bedacht, in Deutschland direkter. Die Folge bringt ein einfaches Beispiel: Die Bitte, etwas bis Freitag zu liefern, falls es die Zeit erlaubt, klingt für deutsche Ohren unverbindlich. Gemeint ist eine klare Frist. Wer das nicht versteht, verpasst Erwartungen, ohne es zu merken. Deutsche Führungskräfte tun gut daran, sich bewusst auf diese Kommunikationsweise einzustellen, nachzufragen statt zu fordern und nie von oben herab zu sprechen. Sie vermeiden damit, dass Ihre Direktheit als Arroganz ankommt und Türen sich schließen, bevor das Gespräch begonnen hat.

Knapper Lebenslauf, Motivationsschreiben mit Substanz

Beim Lebenslauf gleichen sich beide Länder. Auch in der Schweiz geht der Trend zu einer knappen Darstellung, aus der das Wesentliche auf einen Blick hervorgeht, selbst bei langer Erfahrung. Anders ist es beim Motivationsschreiben: Es wird meist erwartet, sofern die Ausschreibung nicht ausdrücklich darauf verzichtet. Häufig fehlt darin ausgerechnet die Motivation. Die Folge empfiehlt einen Aufbau in drei Absätzen: warum dieses Unternehmen und diese Rolle, was Sie dafür qualifiziert, und was Sie gemeinsam erreichen können. Mir ist dabei der Nutzen für das Unternehmen besonders wichtig. So zeigen Sie, dass Sie sich mit dem Gegenüber beschäftigt haben, und heben sich von Standardschreiben ab.

Die Du-Kultur spiegeln

In vielen Schweizer Unternehmen ist das Du verbreitet, auch auf Führungsebene. Das hängt mit flacheren Hierarchien und einer stark auf Gleichheit ausgerichteten Gesellschaft zusammen. Manche Stellenanzeigen sind bereits per Du formuliert. Die Empfehlung der Folge lautet, die Anrede der Ausschreibung zu übernehmen. Für viele Deutsche ist das zunächst ungewohnt, meine Gesprächspartnerin hat es selbst so erlebt. Wichtig ist, das Du nicht als Respektlosigkeit zu lesen. Es ist schlicht eine andere Kultur. Wenn Sie sich darauf einlassen, zeigen Sie schon im ersten Kontakt, dass Sie sich anpassen können, eine Eigenschaft, die bei einem Wechsel ins Ausland zählt.

Enge Netzwerke und wie Sie hineinkommen

Der Schweizer Markt ist klein und von Netzwerken geprägt, die oft schon in Schule und Studium entstehen. Für Führungskräfte aus Deutschland ist es nicht immer einfach, dort Fuß zu fassen. Die Folge zeigt Wege: Branchenverbände und deren Veranstaltungen, für Frauen auch starke Frauennetzwerke in einzelnen Sektoren. Hilfreich ist, dass jüngere Generationen offener netzwerken. Über LinkedIn können Sie auch Personen zwei Ebenen über Ihnen ansprechen, das ist in der Schweiz kein Problem. Wer sich gezielt die relevanten Netzwerke heraussucht, bekommt Informationen über den Markt, die keine Anzeige liefert, und baut sich Schritt für Schritt Kontakte im neuen Land auf.

Initiativ ansprechen öffnet in der Schweiz Türen

Die Initiativansprache funktioniert in der Schweiz nach den Erfahrungen meines Gastes besonders gut, zumindest um ein erstes Gespräch zu bekommen. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen dem Bereichsleiter eines Schweizer Industrieunternehmens gegenüber, den Sie über eine kurze, gut recherchierte Nachricht angesprochen haben. Es gibt keine offene Stelle, aber ein gemeinsames Thema. Am Ende des Gesprächs sagt er, er kenne jemanden, der genau Ihre Erfahrung braucht. So entstehen Empfehlungen. Auch in Deutschland hat diese Form der Ansprache deutlich an Wirkung gewonnen. Für Sie ist sie gerade im fremden Markt ein Weg, mit Entscheidern ins Gespräch zu kommen, bevor ein Netzwerk gewachsen ist.

Unerwartete Fragen gelassen beantworten

In Schweizer Vorstellungsgesprächen kommen Fragen, die in Deutschland als unzulässig gelten, teilweise noch vor. Weiblichen Kandidaten wird etwa die Frage nach Kindern und deren Betreuung gestellt, weil Kinderbetreuung dort sehr teuer ist. Die Empfehlung der Folge: nicht persönlich nehmen, gelassen antworten, etwa mit dem Hinweis, dass alles organisiert ist. Vorsicht ist bei scheinbar harmlosen Fragen geboten, zum Beispiel nach Mentalitäten, mit denen Sie gern zusammenarbeiten. Die souveräne Antwort lautet, dass Sie mit allen gut arbeiten. Wer solche Fragen kennt, wird im Gespräch nicht überrascht und bleibt bei seinen eigentlichen Botschaften.

Für wen ist diese Folge?

<p>Für deutsche Führungskräfte, die eine Position in der Schweiz anstreben oder ein konkretes Angebot prüfen. Für alle, die dort bereits Gespräche führen und merken, dass die Signale schwer zu deuten sind. Und für Sie, wenn Sie wissen wollen, wie Sie ohne gewachsenes Netzwerk im Schweizer Markt mit Entscheidern ins Gespräch kommen.</p>

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Sabine Lanius ist Executive Karriereberaterin und ehemalige Headhunterin. Aktiv im Bereich Executive Sparring, Executive Search und berufliche Neuorientierung seit 1998. Rund 1.500 Führungskräfte beraten.

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