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Karriere-Blog · Vorstellungsgespräch

Wechselmotivation auf C-Level: Warum Sie gehen, in drei Sätzen

Veröffentlicht
Lesezeit
rund sechs Minuten
Für wen
Für Vorstände, Geschäftsführer und C-Level-Führungskräfte, die sich auf Gespräche mit Personalberatern, Aufsichtsräten oder Gesellschaftern vorbereiten.

„Warum wollen Sie wechseln?“ Die Frage kommt im Gespräch mit dem Personalberater, im Vorstellungsgespräch mit dem Aufsichtsrat und oft noch einmal beim Abendessen mit dem Gesellschafter. Viele Führungskräfte antworten zu lang, zu vorsichtig oder mit einem Nebensatz über den neuen CEO, der mehr verrät, als er soll. Dabei lässt sich die Antwort in drei Sätzen geben: was Sie erreicht haben, was sich verändert hat und was Sie als Nächstes gestalten wollen. Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie diese drei Sätze bauen und was nicht hineingehört. Dadurch wird die heikelste Frage im Gespräch zu einem Moment, in dem Ihr Gegenüber Sie klarer sieht.

Was Ihr Gegenüber mit der Frage wirklich prüft

Wer auf C-Level nach der Wechselmotivation fragt, interessiert sich weniger für Ihre Gründe als für Ihr Urteilsvermögen. Ein Aufsichtsrat will wissen, ob Sie Situationen nüchtern einordnen, ob Sie Verantwortung übernehmen und ob Sie über ein Unternehmen auch dann loyal sprechen, wenn es schwierig war. Kurz gesagt: Er hört zu, wie Sie eines Tages über sein Haus reden werden.

Deshalb wirken lange Antworten schwach, auch wenn jeder Satz stimmt. Je länger die Erklärung, desto mehr klingt sie nach Rechtfertigung. Und jede Spitze gegen den bisherigen Arbeitgeber, selbst eine kleine, bleibt hängen. Eine gute Antwort ist kurz, sachlich und zeigt nach vorn.

Die drei Sätze: Rückblick, Wendepunkt, Ausblick

Bauen Sie Ihre Antwort aus drei Teilen. Jeder Teil ist ein Satz, höchstens zwei.

  1. Rückblick: Was haben Sie in Ihrer jetzigen Rolle erreicht? Ein Ergebnis, das für die neue Position relevant ist. Kein Lebenslauf, nur der Beleg, dass Sie Ihre Aufgabe erfüllt haben.
  2. Wendepunkt: Was hat sich verändert? Hier steht eine sachliche Beschreibung der Lage: eine neue Strategie, ein Eigentümerwechsel, eine Aufgabe, die abgeschlossen ist. Keine Bewertung, keine Personen.
  3. Ausblick: Was wollen Sie als Nächstes gestalten, und warum passt diese Position dazu? Dieser Satz trägt die Antwort, denn er verbindet Ihre Erfahrung mit dem Bedarf Ihres Gegenübers.

Ein mögliches Muster: „Ich habe den Bereich in den letzten Jahren neu aufgestellt und profitabel gemacht. Mit dem Verkauf an einen Finanzinvestor liegt der Fokus jetzt auf Integration in eine größere Gruppe, die Gestaltungsaufgabe ist damit abgeschlossen. Mich reizt, wieder ein Unternehmen in einer Wachstumsphase zu führen, und genau das sehe ich bei Ihnen.“ Drei Sätze, keine Klage, kein Name, und am Ende steht der Grund, warum Ihr Gegenüber weiterfragen will.

Was Sie davon haben: Sie beantworten die heikelste Frage in weniger als einer halben Minute und lenken das Gespräch auf das, was Sie für das neue Unternehmen leisten können.

Was nicht in die drei Sätze gehört

Manches stimmt und gehört trotzdem nicht in die Antwort. Dazu zählen Konflikte mit einzelnen Personen, Enttäuschung über eine verpasste Beförderung und Formulierungen wie „Die Chemie hat nicht mehr gepasst“. Ihr Gegenüber hört darin eine Geschichte, die er nicht nachprüfen kann, und füllt die Lücken mit eigenen Vermutungen.

Ebenso heikel sind Gründe, die nur von Ihnen handeln: mehr Geld, ein größerer Titel, ein kürzerer Arbeitsweg. Sie dürfen eine Rolle spielen, aber sie sind keine Antwort auf C-Level. Und vermeiden Sie Weichmacher wie „vielleicht“ oder „ein Stück weit“ im entscheidenden Satz. Wer seine eigene Entscheidung nicht klar formuliert, wirkt unsicher, gerade dort, wo Klarheit gefragt ist.

Wenn die Trennung vom Unternehmen ausging

Nicht jeder Wechsel ist Ihre Entscheidung. Wurde Ihre Position gestrichen oder hat sich der Aufsichtsrat für jemand anderen entschieden, gilt dieselbe Struktur. Der Wendepunkt wird dann offen benannt, ohne Drama: „Nach der Fusion wurden die beiden Geschäftsführungen zusammengelegt, und die Gesellschafter haben sich für die Lösung aus dem übernehmenden Haus entschieden.“ Ein solcher Satz zeigt, dass Sie die Entscheidung verstehen und tragen. Das wirkt stärker als jeder Versuch, sie umzudeuten.

Achten Sie darauf, dass Ihre Version mit dem übereinstimmt, was Referenzen und ein Background-Check später zeigen. Personalberater auf dieser Ebene prüfen nach. Eine Geschichte, die an einer Stelle nicht trägt, kostet Sie mehr als eine ehrliche, die unbequem ist.

Die drei Sätze üben, bis sie sitzen

Schreiben Sie die Sätze auf und sprechen Sie sie laut, mehrfach, bis sie ohne Nachdenken kommen. Prüfen Sie dann jeden Satz mit einer einfachen Frage: Würde ich das auch sagen, wenn mein bisheriger Vorstandsvorsitzender im Raum säße? Wenn ja, ist der Satz gut. Passen Sie den dritten Satz für jedes Gespräch an das jeweilige Unternehmen an, die ersten beiden bleiben gleich. So erzählen Sie überall dieselbe Geschichte, und das fällt Personalberatern positiv auf, die Ihren Namen in mehreren Mandaten führen.

Ergebnis vom Ergebnis: Das Gespräch mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden, zweite Runde. Er lehnt sich zurück und fragt, warum Sie gehen. Sie antworten in drei Sätzen. Er nickt, schreibt nichts auf und fragt als Nächstes, wie Sie die ersten hundert Tage angehen würden. Sie merken: Die Frage nach dem Warum ist erledigt.

Wer diese Antwort nicht vorbereitet, verliert in jedem Gespräch ein paar Minuten an eine Erklärung, die niemand braucht, und manchmal die Position an einen Kandidaten, der klarer klang. Die Vorbereitung dauert einen Abend. Sie zahlt sich in jedem einzelnen Gespräch aus.

Noch ein Hinweis aus vielen Vorbereitungsgesprächen: Die Antwort klingt am besten, wenn Sie selbst mit ihr im Reinen sind. Wer innerlich noch mit dem alten Haus hadert, hört man das an, auch wenn jedes Wort sitzt. Nehmen Sie sich deshalb vor dem Formulieren einen Moment für die ehrliche Version, nur für sich. Was hat Sie wirklich bewegt zu gehen, und was davon ist heute noch wichtig? Erst wenn diese Frage für Sie beantwortet ist, werden die drei Sätze zu Ihren eigenen und nicht zu einer auswendig gelernten Formel.

Häufige Fragen

Wie lang darf die Antwort auf die Frage nach der Wechselmotivation sein?

Etwa eine halbe Minute. Wenn Ihr Gegenüber mehr wissen will, fragt es nach. Dann können Sie vertiefen, ohne dass es wie eine Verteidigung wirkt.

Darf ich sagen, dass ich mehr verdienen möchte?

Als Teil der Verhandlung ja, als Wechselgrund besser nicht. Auf C-Level erwartet Ihr Gegenüber, dass die Aufgabe im Vordergrund steht. Über Vergütung sprechen Sie, wenn die Passung geklärt ist.

Was, wenn mein Gegenüber den Grund für meinen Wechsel schon aus der Presse kennt?

Dann sprechen Sie ihn an, kurz und sachlich. Wer so tut, als wüsste niemand Bescheid, verliert Glaubwürdigkeit. Ihre drei Sätze ordnen ein, was bekannt ist, und richten den Blick auf das, was Sie als Nächstes vorhaben.

Sabine Lanius
Über die Autorin

Sabine Lanius ist Executive Karriereberaterin und ehemalige Headhunterin. Aktiv im Bereich Executive Sparring, Executive Search und berufliche Neuorientierung seit 1998. Rund 1.500 Führungskräfte beraten. Unabhängig von Unternehmen und Personalberatungen.

Wie lauten Ihre drei Sätze, wenn morgen ein Aufsichtsrat fragt, warum Sie gehen?

Ein Erstgespräch mit Sabine Lanius.

Zwanzig Minuten am Telefon, vertraulich, kostenfrei. Sie schildern Ihre Lage, ich frage nach und höre zu. Am Ende sage ich Ihnen offen, ob ich für Ihren Weg die Richtige bin.

20 Minuten, kostenfrei und vertraulich