Der verdeckte Stellenmarkt umfasst alle Führungspositionen, die besetzt werden, ohne jemals öffentlich ausgeschrieben zu sein. Je höher die Ebene, desto größer sein Anteil. Dieser Beitrag erklärt, warum Unternehmen auf Geschäftsführer- und Vorstandsebene nicht ausschreiben, welche fünf Wege zu einer Besetzung führen, von der Empfehlung aus dem Aufsichtsrat bis zur eigenen Initiative, und warum die Stellenanzeige in dieser Reihenfolge erst ganz am Ende kommt. Dadurch wissen Sie, über welchen Weg ein Entscheider von Ihnen erfährt, bevor er einen Berater beauftragt, und beobachten nicht länger den einen Kanal, der auf Ihrer Ebene am wenigsten bringt.
Was ist der verdeckte Stellenmarkt für Führungskräfte?
Der verdeckte Stellenmarkt umfasst alle Führungspositionen, die besetzt werden, ohne dass sie jemals öffentlich ausgeschrieben sind. Die Vakanz existiert, der Entscheider sucht, aber die Suche läuft über Personalberater, über Empfehlungen aus dem Netzwerk des Aufsichtsrats oder der Gesellschafter, über interne Nachfolgeplanung oder über direkte Ansprache. Je höher die Ebene, desto größer ist dieser Anteil. Für Geschäftsführer, Vorstände und die erste Ebene darunter ist der verdeckte Markt kein Nebenschauplatz, sondern der Ort, an dem die meisten Besetzungen tatsächlich entschieden werden. Der Begriff ist bekannt, wird aber wenig beachtet, vor allem von denen, die zum ersten Mal seit Jahren selbst am Markt sind.
Warum Unternehmen auf dieser Ebene nicht ausschreiben
Vor ein paar Wochen sprach ich mit einem Aufsichtsratsvorsitzenden eines mittelständischen Industrieunternehmens über eine anstehende Nachfolge in der Geschäftsführung. Sein Satz: „Wenn das vor dem Sommer bekannt wird, verlieren wir zwei Kunden und den Vertriebsleiter.“ Das ist der Kern. Auf dieser Ebene hat jede Besetzung Folgen für Kunden, Banken, Belegschaft und Wettbewerber. Diskretion ist deshalb kein Stilmittel, sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Dazu kommt: Der Kreis der Menschen, die eine solche Rolle ausfüllen können, ist überschaubar. Ein Personalberater kennt ihn oder kann ihn in wenigen Tagen rekonstruieren. Eine Anzeige brächte vor allem Bewerbungen, die niemand lesen will.
Die fünf Wege, über die Führungspositionen vergeben werden
Aus meiner Zeit in der Executive Search und aus den Mandaten der letzten Jahre lassen sich die Wege auf fünf eingrenzen. Der erste ist die Empfehlung: Ein Aufsichtsrat, ein Beirat, ein Gesellschafter oder ein ehemaliger Kollege nennt einen Namen, und dieser Name wird als Erster angesprochen. Der zweite ist der Personalberater mit Mandat, der aus Datenbank, Netzwerk und gezielter Recherche eine Long-List baut. Der dritte ist die interne Nachfolge, bei der ein Kandidat aus dem Haus bereits aufgebaut wurde. Der vierte ist die Direktansprache durch das Unternehmen selbst, oft über LinkedIn oder über Branchenkontakte des CEO. Der fünfte ist die Initiative der Führungskraft, die zum richtigen Zeitpunkt beim richtigen Entscheider auf dem Tisch liegt, bevor die Suche offiziell beginnt.
Die Stellenanzeige kommt in dieser Liste vor, aber meist erst, wenn die ersten vier Wege nichts ergeben haben, oder als formale Pflicht bei öffentlichen Arbeitgebern.
Was das für Sie bedeutet
Sie haben in Ihrer Laufbahn vermutlich selbst über einen dieser Wege Ihre Positionen gefunden: Jemand hat Sie angesprochen, jemand hat Sie empfohlen. Viele Führungskräfte sagen mir: „Ich habe mich nie beworben, ich wurde immer abgeworben.“ Das war kein Zufall, sondern der verdeckte Markt in Aktion. Was sich geändert hat, ist nur die Richtung: Früher kam der Markt zu Ihnen, jetzt müssen Sie wissen, wo er ist.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht „Wo werden Stellen ausgeschrieben?“, sondern „Über welchen der fünf Wege erfährt der Entscheider von mir, bevor er einen Berater beauftragt?“ Wer diese Frage für sich beantwortet hat, braucht keine Jobportale mehr. Wer sie offenlässt, wartet auf einen Anruf, der so nicht kommt, oder bekommt Angebote, die nicht wirklich passen.
Wie Sie Ihren Zugang zu jedem der fünf Wege einschätzen und wo bei Ihnen die kleinen Schrauben sind, zeigt das White Paper „Verdeckter Stellenmarkt“.